{"id":1019,"date":"2012-07-12T15:50:45","date_gmt":"2012-07-12T13:50:45","guid":{"rendered":"http:\/\/meerverstehen.net\/?p=1019"},"modified":"2021-05-18T19:36:56","modified_gmt":"2021-05-18T17:36:56","slug":"book-tip-magellan-the-man-and-his-deed","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marineforum.online\/en\/buchtipp-magellan-der-mann-und-seine-tat\/","title":{"rendered":"Book tip: Magellan - The man and his deed"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dies ist die Geschichte eines Mannes, der seinem K\u00f6nig suspekt war, weil er am Hofe keine Politik betrieb, keine versteckte Agenda hatte und stattdessen offen sagte, was er meinte und wollte. Es ist die Geschichte eines Mannes, der, nachdem er mehrfach f\u00fcr sein Vaterland Portugal in den Kampf zog und verwundet wurde, in seiner Heimat f\u00fcr seine Ideen auf taube Ohren stie\u00df und seine Dienste der spanischen Krone anbot. Die Geschichte eines Mannes, der die Puzzle-Teile der erforschten Welt zu ihrem Ganzen zusammen f\u00fcgen wollte und bei dem Versuch im Kampf gegen Eingeborene auf den Philippinen fiel. Es ist die Geschichte von Ferdinand Magellan und seiner Tat!<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Stefan Zweig, geboren 1881 in Wien und 1942 freiwllig im Exil aus dem Leben geschieden, erz\u00e4hlt diese Geschichte, und er erz\u00e4hlt sie in seiner ihm eigenen Mischung aus Melancholie und Hoffnung in einer Art, die nicht als Biographie zu bezeichnen ist. Das ist typisch f\u00fcr Zweig, behandelt er die Biographien gro\u00dfer historischer Pers\u00f6nlichkeiten auch in seinen anderen Werken in einer stark subjektiv personalisierten Weise. Das tut dem Buch aber keinen Abbruch und es wirkt auch nicht unkritisch - die Begeisterung, die man Stefan Zweig ab den ersten Seiten anmerkt, ist dabei der Sache, also der Tat <strong>Magellans<\/strong> selbst, geschuldet, ohne dabei die Schwierigkeiten und Konflikte auszulassen, welche Geschichte, Gesellschaft, F\u00fcrsten und Vorgesetzte und <strong>Magellan<\/strong> selber dabei erschaffen.<\/p>\n<blockquote><p>Aber jede gro\u00dfe Tat eines einzelnen Volks ist immer f\u00fcr alle V\u00f6lker getan. Alle sp\u00fcren sie, da\u00df dieser eine erste Einbruch ins Unbekannte zugleich alle bisher g\u00fcltigen Ma\u00dfe, Begriffe, Distanzgef\u00fchle umgesto\u00dfen hat, und mit pochender Ungeduld verfolgt man darum an allen H\u00f6fen, an allen Universit\u00e4ten die neuesten Nachrichten aus Lissabon. Dank einer merkw\u00fcrdigen Hellsichtigkeit begreift Europa das Sch\u00f6pferische dieser welterweiternden portugiesischen Tat, es begreift, da\u00df Seefahrt und Entdeckung bald entscheidender die Welt ver\u00e4ndern werden als alle Kriege und Kartaunen, da\u00df eine hundertj\u00e4hrige, eine tausendj\u00e4hrige Epoche, das Mittelalter, endg\u00fcltig zu Ende ist und eine neue Zeit, die \"Neuzeit\", beginnt, die in anderen r\u00e4umlichen dimensionen denken und schaffen wird.<\/p><\/blockquote>\n<p>Angetrieben nach dem Bed\u00fcrfnis einer alternativen Handelsroute mit Indien und China liegt Wandel in der europ\u00e4ischen Luft. Der Handel mit dem Orient und dem Fernen Osten stockt bestenfalls und wird w\u00e4hrend des Mittelalters nicht das Niveau erreichen, dass in der Antike zwischen Europa, dem Fernen Osten und allen V\u00f6lkern dazwischen herrschte. Dabei bedarf das christliche Abendland nicht nur der Luxusg\u00fcter, der Seide, der Gew\u00fcrze, sondern auch des Weihrauchs aus dem Orient f\u00fcr seine Kirchen. Der Handel findet \u00fcber den Landweg statt, die Hanedlsrouten sind bekannt, aber gef\u00e4hrlich, beschwerlich, langwierig und teuer. Europa ist sich seiner Bed\u00fcrfnisse und seiner Abh\u00e4ngigkeit durchaus bewusst, die Idee nach einer alternativen Route nach Fernost ist nicht neu. Ein direkter Seeweg ist nicht bekannt, die Meere noch nicht erforscht - es fehlt an den technischen M\u00f6glichkeiten und den Willen diese zu erschaffen. Ausgerechnet von Portugal aus soll diese Entwicklung ihren Anfang nehmen. Portugal, das kleinste der europ\u00e4ischen L\u00e4nder, das bis zum Bauchnabel im Meer und mit dem R\u00fccken zu Spanien steht, macht aus dieser geopolitischen Not eine Tugend. Hier werden auf gehei\u00df von Heinrich dem Seefahrer, Prinz des portugiesischen K\u00f6nigs, im 15. Jahrhundert die technologischen, gesellschaftlichen und politischen Grundlagen gelegt, um aus Portugal quasi aus dem Nichts eine Seefahrer- und Handelsnation zu machen!<\/p>\n<blockquote><p>W\u00e4hrend 1418 [...] es noch bewunderndes Staunen erregte, da\u00df die ersten Barcas bis nach Madeira gelangten, landen 1518 portugisische Schiffe - man stelle auf der Karte die beiden Distanzen gegeneinander! - schon in Kanton und Japan [...]. Von solchem Tempo befl\u00fcgelt, mu\u00df sich von Jahr zu Jahr, ja von Monat zu Monat das Weltbild ver\u00e4ndern und erweitern. Tag und Nacht sitzen in ihren Werkst\u00e4tten zu Augsburg die Kartenstecher und Kosmographen an der Arbeit, aber sie k\u00f6nnen den Bestellungen nicht mehr nachkommen. Noch feucht, noch unkoloriert rei\u00dft man ihnen die Stiche aus den H\u00e4nden, und ebenso k\u00f6nnen die Drucker an Reiseberichten, an Globen nicht genug auf die B\u00fcchermesse bringen, alles will Nachricht von dem \"mundus novus\".<\/p><\/blockquote>\n<p>Unglaublich, ja fast unmenschlich muss diese Entwicklung den Menschen erscheinen, die pl\u00f6tzliche Zunahme an Geschwindigkeit in der G\u00fcter und Ideen sich verbreiten hat einen m\u00e4chtigen Eindruck in der zwar Neugierigen, aber bis dahin gem\u00e4chlichen, Alten Welt hinterlassen, vergleichbar etwa mit der Informationsrevolution unserer Zeit. Nach Jahrhunderten der Stagnation nimmt die Globalisierung wieder Fahrt auf und zum ersten Mal in der Geschichte wird der gesamte Globus erschlossen. Die Parallelen zur Informationsrevolution durch das Internet sind offensichtlich, der Bedarf an aktuellen und akkuraten Kartenmaterial in ganz Europa ein Symptom, denn die Informationen \u00fcber die Neuen Welten befriedigen nicht bloss die Neugier der Menschen, sie sind wichtig f\u00fcr Handel und Politik und Entscheiden \u00fcber Krieg und Frieden.<\/p>\n<blockquote><p>Nur eine Tat ist noch \u00fcbriggeblieben, die letzte, die sch\u00f6nste, die schwerste: auf ein und demselben Schiff den ganzen Erdball zu umrunden und damit gegen alle Kosmologen und Theologen der Vergangenheit die Rundform unserer Erde zu messen und zu erweisen - sie wird die Lebensidee und das Schicksal des Fern\u00e3o de Magalhaes sein, den die Geschichte <strong>Magellan<\/strong> nennt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Stefan Zweig<br \/>\n<strong>Magellan<\/strong> - Der Mann und seine Tat<br \/>\nWien, 1938<br \/>\nZum Beispiel bei <a title=\"Stefan Zweig: Magellan - Der Mann und seine Tat\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/s\/ref=nb_sb_noss\/279-7483454-6387311?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&amp;url=search-alias%3Dstripbooks&amp;field-keywords=magellan+der+mann+und+seine+tat&amp;x=14&amp;y=13\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">amazon.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist die Geschichte eines Mannes, der seinem K\u00f6nig suspekt war, weil er am Hofe keine Politik betrieb, keine versteckte Agenda hatte und stattdessen offen sagte, was er meinte und wollte. 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