{"id":10481,"date":"2021-05-04T14:25:28","date_gmt":"2021-05-04T12:25:28","guid":{"rendered":"https:\/\/marineforum.online\/?p=10481"},"modified":"2021-05-25T17:29:52","modified_gmt":"2021-05-25T15:29:52","slug":"training-under-many-conditions","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marineforum.online\/en\/ausbildung-unter-vielen-vorzeichen\/","title":{"rendered":"Training under many auspices"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vom Einzug der ersten Soldaten 1938 bis zur Aufnahme der Marineunteroffizierschule 1960 durchlebten Pl\u00f6n und die Kaserne Ruhleben eine wechselvolle Geschichte. Ausschnitte aus dem Leben zwischen \u201eHauptstadt\u201c, Internatsschule und Standort der Bundesmarine.<\/strong><\/p>\n<p><em>Christian Senne<\/em><\/p>\n<p>Die Marineunteroffizierschule konnte im vergangenen Jahr auf ihr sechzigj\u00e4hriges Bestehen am Standort Pl\u00f6n zur\u00fcckblicken. Seit dem 27. September 1960 werden die Unteroffiziere mit und ohne Portepee der deutschen Marine hier ausgebildet. Zuvor \u2013 in den Aufbaujahren der Bundesmarine \u2013 hatte die Unteroffizierausbildung erst in Cuxhaven, dann in Brake an der Unterweser und von 1957 bis 1960 in Eckernf\u00f6rde stattgefunden. Mit dem Einzug von 600 Soldaten im Herbst 1960 in die Kaserne Ruhleben in Pl\u00f6n fanden somit die Wanderjahre der Marineunteroffizierschule ihren Abschluss. Die Geschichte der Liegenschaft am Pl\u00f6ner See, in die nun die zentrale Ausbildungsst\u00e4tte f\u00fcr Unteroffiziere der noch jungen Bundesmarine einzog, reicht allerdings weiter in die Vergangenheit zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>Gr\u00f6\u00dfere Kapazit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Der Bau einer Ausbildungseinrichtung der Marine in Pl\u00f6n ging wesentlich auf die stetige Vergr\u00f6\u00dferung der Kriegsmarine im Zuge der Einf\u00fchrung der allgemeinen Wehrpflicht am 21. Mai 1935 und den Abschluss des Flottenabkommens zwischen dem Deutschen Reich und Gro\u00dfbritannien am 18. Juni 1935 zur\u00fcck. Denn der folgende und mit gro\u00dfer Energie betriebene Ausbau der deutschen Flotte zog nun einen erh\u00f6hten Bedarf an ausgebildeten Marinesoldaten nach sich. Die Ausbildungskapazit\u00e4ten der bereits bestehenden Marine-Unteroffizier-Lehrabteilungen (M.L.A.) in Friedrichsort und Wilhelmshaven reichten hierf\u00fcr nicht mehr aus. Dementsprechend erging der Befehl zur Schaffung einer weiteren Ausbildungsst\u00e4tte f\u00fcr Marineunteroffiziere. Die Bauplanungen f\u00fcr die Kasernenanlage Ruhleben der k\u00fcnftigen III. Marine-Unteroffizier-Lehrabteilung wurden Mitte 1936 erstellt. Die Erschlie\u00dfungsma\u00dfnahmen wie die Rodung alten Baumbestandes, Erdarbeiten und das Anlegen der Kanalisation wurden noch im Herbst und Winter 1936\/37 durchgef\u00fchrt. Der erste Bauabschnitt mit der Errichtung der Stabs-, Stabszug-, Wirtschafts- und Unterkunftsgeb\u00e4ude konnte Mitte September 1937 mit einem Richtfest abgeschlossen werden.<br \/>\nIn der Folgezeit wurde auch der zweite Bauabschnitt mit Exerzierhalle, Bootshalle und Werkstatt, Offizierskasino sowie weiteren Unterkunftsgeb\u00e4uden vorangetrieben. Im Fr\u00fchjahr 1938 konnte auch f\u00fcr diesen Teil des Bauvorhabens Richtfest gefeiert und am 31. M\u00e4rz die gesamte Anlage feierlich an die Kriegsmarine \u00fcbergeben werden. Aus diesem Anlass fanden sich in der Pl\u00f6ner Tagespresse zeittypische \u00dcberschriften wie: \u201ePl\u00f6n \u2013 Marine-Garnison\u201c, \u201eDie Reichskriegsflagge weht \u00fcber Pl\u00f6n\u201c oder \u201eDer Ehrentag Pl\u00f6ns\u201c. Die Konsequenz des sich abzeichnenden Kriegskurses des nationalsozialistischen Regimes war f\u00fcr viele Menschen noch nicht absehbar und in weiter Ferne. Sie gaben sich da gerne dem Eindruck von einer wiedergewonnenen Machtstellung des Reiches hin, welche ihnen die milit\u00e4rischen Zeremonien, die Uniformen der angetretenen Marinesoldaten und die im Wind flatternde neue Truppenfahne der III. Marine-Unteroffizier-Lehrabteilung verhie\u00dfen.d<\/p>\n<p><strong>Ausbildung im Frieden f\u00fcr den Krieg<\/strong><\/p>\n<p>Das Ausbildungspersonal der nun neu eingerichteten III. Marine-Unteroffizier-Lehrabteilung in Pl\u00f6n kam von den bereits bestehenden Standorten in Weserm\u00fcnde und Friedrichsort. Dies sollte eine reibungslose Aufnahme des Ausbildungsbetriebs gew\u00e4hrleisten. Neben dem theoretischen Unterricht standen auch Sport und die seem\u00e4nnische Ausbildung auf dem Tagesdienstplan. Dem Formaldienst und dem Ein\u00fcben des Vorbeimarsches wurde besondere Priorit\u00e4t beigemessen, um bei gro\u00dfen Paraden gegen\u00fcber den anwesenden Vertretern des nationalsozialistischen Regimes eine gute Figur zu machen. Dementsprechend nahmen Abordnungen der Marine-Unteroffizier-Lehrabteilung Pl\u00f6n auch an verschiedenen Gro\u00dfveranstaltungen des NS-Staates teil, beispielweise am Reichsparteitag 1938 in N\u00fcrnberg, an der Parade aus Anlass von Hitlers 50. Geburtstag in Berlin oder Anfang Juni 1939 beim Empfang der aus Spanien heimkehrenden Angeh\u00f6rigen der Legion Condor.<\/p>\n<p>In die Vorbereitungen zur Teilnahme am \u201eParteitag des Friedens\u201c 1939 platze dann jedoch die Nachricht vom deutschen \u00dcberfall auf Polen und der Beginn des Zweiten Weltkriegs hinein. Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Gro\u00dfadmiral Erich Raeder, hatte in Anbetracht der Unterlegenheit der Kriegsmarine gegen\u00fcber den Kr\u00e4ften der Royal Navy bei Kriegsbeginn so \u00fcberaus pessimistisch wie zynisch notiert: \u201eDie \u00dcberwasserstreitkr\u00e4fte aber sind noch so gering an Zahl und St\u00e4rke gegen\u00fcber der englischen Flotte, dass sie \u2013 vollen Einsatz vorausgesetzt \u2013 nur zeigen k\u00f6nnen, dass sie mit Anstand zu sterben verstehen und damit die Grundlage f\u00fcr einen sp\u00e4teren Wiederaufbau zu schaffen gewillt sind.\u201c<\/p>\n<p><strong>Unterseeboot-Ausbildungs-Abteilung<\/strong><\/p>\n<p>Die M.L.A. Pl\u00f6n diente nach Kriegsbeginn zun\u00e4chst noch als Sammelstelle f\u00fcr die Besatzungen der in Dienst zu stellenden Hilfskreuzer. Im Februar 1940 wurde die III. Marine-Unteroffizier-Lehrabteilung aber aufgel\u00f6st und die Unterseeboot-Ausbildungs-Abteilung (U.A.A.) am Standort Pl\u00f6n aufgestellt. Die U.A.A. war durchweg mit etwa 600 Lehrgangsteilnehmern, deren Mehrzahl aus Unteroffizieren und Mannschaften bestand, belegt. Die Soldaten erhielten in Pl\u00f6n lediglich eine erg\u00e4nzende Ausbildung, denn sie kamen bereits f\u00fcr ihre Eins\u00e4tze ausgebildet von den U-Boot-Lehrdivisionen hier an und warteten nur noch auf ihre Kommandierung auf ein neues fronttaugliches U-Boot. Obwohl die U-Bootwaffe besonders ab 1943 eine deutliche Zunahme der Verluste zu verzeichnen hatte, blieb der Zustrom der Freiwilligen und deren Wunsch, auf einem U-Boot zum Einsatz zu kommen, scheinbar ungebrochen.<br \/>\nDennoch wurde die Dramatik der sich zuspitzenden Kriegslage im Bereich der Kriegsmarine durch den Umstand illustriert, dass ab Anfang 1944 auf den Einsatz der sogenannten Kleinkampfverb\u00e4nde unter der F\u00fchrung von Konteradmiral Hellmuth Heye gesetzt wurde. Unter der Tarnbezeichnung Lager Netzkoppel wurde in der Kaserne Ruhleben eine Erprobungsstelle f\u00fcr Sprengboote eingerichtet. Diese als \u201eLinsen\u201c bezeichneten und etwa sechs Meter langen Sprengboote sollten von einem \u201eFahrer\u201c bis dicht an das Ziel gesteuert werden. Nach dem Abspringen des Soldaten sollten die Boote dann durch Aufschlag die Zerst\u00f6rung des Gegners herbeif\u00fchren. Zum Einsatz kamen die Sprengboote etwa an der Invasionsfront in der Normandie, im \u00c4rmelkanal und schlie\u00dflich im M\u00e4rz 1945 bei einem Angriff auf sowjetische Pionierbr\u00fccken auf der Oder.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10478\" aria-describedby=\"caption-attachment-10478\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-10478\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-1-mfo.jpg\" alt=\"Besichtigung der Sprengboote im Herbst 1944\" width=\"1500\" height=\"743\" srcset=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-1-mfo.jpg 1500w, \/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-1-mfo-300x149.jpg 300w, \/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-1-mfo-1024x507.jpg 1024w, \/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-1-mfo-768x380.jpg 768w, \/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-1-mfo-1080x535.jpg 1080w, \/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-1-mfo-750x372.jpg 750w, \/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-1-mfo-1140x565.jpg 1140w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10478\" class=\"wp-caption-text\">Besichtigung der Sprengboote im Herbst 1944<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Kriegsende<\/strong><\/p>\n<p>In der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs r\u00fcckten Pl\u00f6n und die Kaserne Ruhleben f\u00fcr kurze Zeit in den Fokus der Ereignisse. Seit Anfang April 1945 hatten bereits Teile der Seekriegsleitung von Sengwarden nach Pl\u00f6n verlegt. Ihnen folge nun am 22. April auch Gro\u00dfadmiral Karl D\u00f6nitz mit seinem Stab von Berlin kommend nach. Auf Weisung Hitlers sollte er im Norden die Befehlsgewalt \u00fcbernehmen. D\u00f6nitz und sein Stab bezogen dann unweit der Kaserne Ruhleben die Baracken des sogenannten Ausweichquartiers Forelle \u2013\u00a0 am damaligen Standort wurde nach dem Zweiten Weltkrieg im heutigen Ortsteil Stadtheide die F\u00fcnf-Seen-Kaserne erreichtet, die dann bis 1996 das Pionierbataillon 6 beherbergte. Mit dem Eintreffen D\u00f6nitz\u00b4 und dem Selbstmord Hitlers am 30. April 1945 im von den Truppen der Roten Armee eingeschlossenen Berlin wurde nunmehr Pl\u00f6n f\u00fcr wenige Tage zur \u201eHauptstadt\u201c des in Tr\u00fcmmer versinkenden Dritten Reichs. Vor den heranr\u00fcckenden britischen Truppen fl\u00fcchtend, begab sich D\u00f6nitz mit seiner Reichsregierung nach Flensburg-M\u00fcrwik, um dort schlie\u00dflich am 23. Mai 1945 verhaftet zu werden.<br \/>\nUnterdessen erreichten am 4. Mai die ersten britischen Einheiten Pl\u00f6n. Die f\u00f6rmliche \u00dcbergabe der Kaserne Ruhleben an die Siegermacht erfolgte aber erst drei Tage sp\u00e4ter. Damit endete der Zweite Weltkrieg in Pl\u00f6n und es begann die Nachkriegszeit bereits zwei Tage vor der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reichs am 8. Mai 1945, die in Berlin-Karlshorst durch die Unterschriften der Vertreter der drei Teilstreitkr\u00e4fte, Generaloberst Hans-J\u00fcrgen Stumpff f\u00fcr die Luftwaffe, Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel f\u00fcr das Oberkommando der Wehrmacht und das Heer sowie Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg f\u00fcr die Kriegsmarine, erfolgte.<\/p>\n<p><strong>Unter britischer Flagge<\/strong><\/p>\n<p>Ab Sommer 1945 diente die Kaserne Ruhleben, die nun f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre unter der Bezeichnung Connaught Barracks firmierte, als Headquarter des 8. Britischen Korps, dem alle in Schleswig-Holstein stationierten Besatzungstruppen unterstellt waren. Im Fr\u00fchjahr 1948 wurde diese Stabseinheit von Pl\u00f6n nach Luisenlund verlegt. Nach dem Abzug der britischen Soldaten wurde in der Marinekaserne Ruhleben eine britische Internatsschule eingerichtet, die den Namen King Alfred School erhielt. Im Zeitraum 1948 bis 1959 lebten und lernten hier etwa 600 Kinder von Angeh\u00f6rigen der britischen Rheinarmee. Die Schule war im Stile einer <em>comprehensive school<\/em> \u2013 also vergleichbar einer deutschen Gesamtschule \u2013 organisiert. Neben den britischen Lehrkr\u00e4ften unterrichteten an der King Alfred School in geringerem Umfang auch deutsche Lehrer. Die Internatsschule pflegte durch gegenseitige Besuche und Einladungen einen intensiven Austausch mit der deutschen Bev\u00f6lkerung \u2013 so waren etwa die Theaterauff\u00fchrungen der Sch\u00fcler auch f\u00fcr die Pl\u00f6ner zug\u00e4nglich. Die Nutzung der Kaserne als Schule veranlasste auch eine Reihe von Umbauten an den bestehenden Geb\u00e4uden sowie Neubauten. So wurde im S\u00fcdteil der Kasernenanlage eine anglikanische Kirche aus einer gr\u00f6\u00dferen sogenannten Nissenh\u00fctte errichtet. Noch heute dient das damalige Geb\u00e4ude der St. George\u00b4s Chapel und der heutigen Aula der Marineunteroffizierschule, dessen Au\u00dfenhaut aus Wellblech-Segmenten besteht, neben seiner Eigenschaft als Austragungsort f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Veranstaltungen auch als Raum f\u00fcr Gottesdienste. Die King Alfred School wurde schlie\u00dflich 1959 aufgel\u00f6st, da sich durch den zahlenm\u00e4\u00dfigen R\u00fcckgang der britischen Besatzungsstreitkr\u00e4fte in Deutschland auch die Anzahl der Schulkinder verringerte. F\u00fcr ein knappes halbes Jahr zog anschlie\u00dfend die Windsor Girls\u2018 School in die R\u00e4umlichkeiten der Kaserne ein, bis auch diese Bildungseinrichtung Anfang 1960 von Pl\u00f6n ins westf\u00e4lische Hamm verlegt wurde.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10479\" aria-describedby=\"caption-attachment-10479\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-10479\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-2-mfo.jpg\" alt=\"D\u00f6nitz (v.) beim Besuch in Pl\u00f6n 1944\" width=\"1500\" height=\"743\" srcset=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-2-mfo.jpg 1500w, \/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-2-mfo-300x149.jpg 300w, \/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-2-mfo-1024x507.jpg 1024w, \/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-2-mfo-768x380.jpg 768w, \/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-2-mfo-1080x535.jpg 1080w, \/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-2-mfo-750x372.jpg 750w, \/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-2-mfo-1140x565.jpg 1140w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10479\" class=\"wp-caption-text\">D\u00f6nitz (v.) beim Besuch in Pl\u00f6n 1944<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wanderjahre<\/strong><\/p>\n<p>Mit der Aufstellung der Bundeswehr am 12. November 1955 und dem bald folgenden Beginn der Ausbildung von Unteroffizieren in der Bundesmarine wurden Ausbildungsst\u00e4tten hierf\u00fcr notwendig. Im Anbetracht der Tatsache, dass die meisten bestehenden Kasernenanlagen aus der Kriegs- und Vorkriegszeit noch von den alliierten Besatzungstruppen genutzt wurden, mussten zun\u00e4chst Ersatzl\u00f6sungen gefunden werden \u2013 die sogenannten Wanderjahre waren eine Folge. Der erste Verteidigungsminister der Bundesrepublik, Theodor Blank, befahl am 26. Mai 1956 die Aufstellung der Marineunteroffizierschule zum 1. Juli 1956 am Standort Cuxhaven.<br \/>\nDer Auftrag der MUS lautete zun\u00e4chst, Einweisungslehrg\u00e4nge f\u00fcr neu eingestellte Unteroffiziere und gediente Mannschaften ab dem 1. August 1956 durchzuf\u00fchren. Ab dem 1. November sollten dann allgemeinmilit\u00e4rische Unteroffizierlehrg\u00e4nge folgen. Die Ausbildungsinhalte der Einweisungslehrg\u00e4nge umfassten in dieser Zeit Unterrichte \u00fcber die rechtlichen Grundlagen der neu aufgestellten Bundeswehr, die Bestimmungen zum Vorgesetztenverh\u00e4ltnis, die Gru\u00dfordnung sowie Orientierungen \u00fcber den Aufbau und die Gliederung der Streitkr\u00e4fte. Auch Ausbildungsrichtlinien und die Methodik der Ausbildung geh\u00f6rten zum Lehrplan der MUS in Cuxhaven. Und, wie sich der erste Kommandeur der MUS, Kapit\u00e4n zur See Wolfgang Erhardt erinnerte, waren trotz vieler Schwierigkeiten \u201e[\u2026] alle mit Freude und Elan bei der Sache. Oft wurde bis tief in die Nacht hinein gearbeitet, geplant und vorbereitet. Die Begeisterung trug Einweisende wie Eingewiesene auf einer Welle des Optimismus, am Beginn einer neuen Marine mitwirken zu k\u00f6nnen.\u201c W\u00e4hrend die beschriebenen Einweisungslehrg\u00e4nge noch eine gewisse Zeit in der Cuxhavener Grimmersh\u00f6rn-Kaserne fortgesetzt wurden, verlegte die MUS am 15. Oktober 1956 ihren Hauptstandort nach Brake an der Unterweser in die dortige Brommy-Kaserne. Hier begann am 1. November 1956 mit 250 Lehrgangsteilnehmern der erste milit\u00e4rische Maatenlehrgang.<\/p>\n<p>Es folgte am 1. Mai 1957 der erste milit\u00e4rische Bootsmannlehrgang mit 50 Portepee-Unteroffiziersch\u00fclern. Die Dauer dieser Lehrg\u00e4nge war auf drei Monate angesetzt worden. Bereits Ende November 1957 erfolgte der neuerliche Umzug der Marineunteroffizierschule von Brake nach Eckernf\u00f6rde. Hinsichtlich des Charakters der anf\u00e4nglichen Ausbildung in der MUS Carlsh\u00f6he in Eckernf\u00f6rde erinnerte sich der damalige Kommandeur und sp\u00e4tere Kapit\u00e4n zur See Franz-Georg Reschke: \u201eDa neue Richtlinien und Schwerpunkte fehlten, haben wir nach eigenen Vorstellungen unter starker Anlehnung an die Erfahrungen aus der Kriegsmarine durchgef\u00fchrt. Nach Beurteilung durch das Kommando der Marineausbildung in Kiel unter Admiral Erhardt lagen wir auch richtig. Dabei stand schon zu meiner Zeit der Formaldienst nur an zweiter Stelle hinter der Allgemeinbildung.\u201c Neben dem laufenden Unterrichts- und Ausbildungsbetrieb konnte die MUS auch zahlreiche Besucher in dieser Zeit begr\u00fc\u00dfen. Zu ihnen geh\u00f6rten Milit\u00e4rattach\u00e9s und Diplomaten, Bundestagsabgeordnete, NATO-Offiziere sowie Vertreter des Heeres und der Luftwaffe. Die beiden anderen Teilstreitkr\u00e4fte der im stetigen Aufbau befindlichen Bundeswehr waren n\u00e4mlich bestrebt, ihre Unteroffizierausbildung nach dem Vorbild der Marine zu gestalten. In diesem Sinne lagen die Schwerpunkte der Ausbildung darin, \u201e\u2026 die Zusammenh\u00e4nge zwischen Staats- und Wehrverfassung klarzumachen, um damit Sinn und Zweck von Befehl und Gehorsam richtig deuten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Weiter galt es, unsere Gesellschaftsordnung als verteidigungswert einsichtig zu machen, um damit die Notwendigkeit der Bundeswehr und ihren eigentlichen Auftrag klar herauszustellen \u2026\u201c, wie sich r\u00fcckblickend Kapit\u00e4n zur See August Hoepner, der die MUS als Kommandeur im Zeitraum vom 1. April bis 22. November 1959 f\u00fchrte, \u00e4u\u00dferte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10480\" aria-describedby=\"caption-attachment-10480\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-10480\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-3-mfo.jpg\" alt=\"Wiederer\u00f6ffnung der MUS nach dem Krieg\" width=\"1500\" height=\"743\" srcset=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-3-mfo.jpg 1500w, \/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-3-mfo-300x149.jpg 300w, \/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-3-mfo-1024x507.jpg 1024w, \/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-3-mfo-768x380.jpg 768w, \/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-3-mfo-1080x535.jpg 1080w, \/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-3-mfo-750x372.jpg 750w, \/wp-content\/uploads\/2020\/12\/21-05-04-GeschichteA-3-mfo-1140x565.jpg 1140w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10480\" class=\"wp-caption-text\">Wiederer\u00f6ffnung der MUS nach dem Krieg<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>MUS oder Europaschule<\/strong><\/p>\n<p>Bereits seit Anfang 1958, als bekannt wurde, dass die Briten die Kasernenanlage Ruhleben in Pl\u00f6n r\u00e4umen w\u00fcrden, versuchte die Marine, sie als St\u00e4tte f\u00fcr ihre Unteroffizierausbildung zu gewinnen. Dieser Gedanke konkurrierte allerdings eine gewisse Zeit lang mit der Idee, in der Nachfolge der britischen Internatsschule in Pl\u00f6n-Ruhleben eine Europaschule anzusiedeln. Dieser zeitweilige Plan ging auf die Gr\u00fcndung der Europ\u00e4ischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) durch den Abschluss der R\u00f6mischen Vertr\u00e4ge am 25. M\u00e4rz 1957 zur\u00fcck. Ausgehend von dieser politischen Initiative der europ\u00e4ischen Einigung, wurde vom ersten Bundespr\u00e4sidenten Theodor Heuss die \u00dcberlegung angeregt, in den beteiligten Staaten Europaschulen zu etablieren.<\/p>\n<p>Der seinerzeitige Kultusminister des Landes Schleswig-Holstein Edo Osterloh nahm sich zwar dieser Idee des Staatsoberhauptes an, konnte sich aber schlie\u00dflich gegen den Anspruch der Bundesmarine, in Pl\u00f6n wieder die zentrale Ausbildungseinrichtung f\u00fcr ihren Unteroffiziernachwuchs einzurichten, nicht durchsetzen. Nach der zwischenzeitlichen R\u00e4umung der Kaserne Ruhleben durch die Briten war der Weg nun frei, die Kaserne ihrer urspr\u00fcnglichen Bestimmung als Ausbildungsst\u00e4tte des milit\u00e4rischen Unterf\u00fchrernachwuchses der Marine zuzuf\u00fchren. Am 14. Juli 1960 erging vom Bundesminister der Verteidigung Franz Josef Strau\u00df der Befehl, die Marineunteroffizierschule von Eckernf\u00f6rde nach Pl\u00f6n zu verlegen. Mit dem Einzug der ersten Soldaten der Bundesmarine am 27. September 1960 wurde Pl\u00f6n wieder Marinestandort. Deutlich n\u00fcchterner als 22 Jahre zuvor berichtete die Tagespresse \u00fcber dieses Ereignis. So lautete eine der \u00dcberschriften: \u201eWieder Marine in Pl\u00f6n-Ruhleben\u201c.<\/p>\n<p><em>Fachschuloberlehrer Christian Senne ist Fachlehrer Historisch-Politische Bildung an der Marineunteroffizierschule und Leiter der Milit\u00e4rhistorischen Lehrsammlung.<\/em><\/p>\n<p>-----------------------------------------------------------------<\/p>\n<p>Die Milit\u00e4rhistorische Lehrsammlung der Marineunteroffizierschule wurde 1994 auf dem Gel\u00e4nde der Kaserne Ruhleben eingerichtet und pr\u00e4sentiert sich seit ihrer Neuer\u00f6ffnung 2016 als moderner musealer Lehr- und Lernort. Dargestellt wird im Schwerpunkt die deutsche Marinegeschichte von 1848 bis heute mit einem besonderen Fokus auf inzwischen \u00fcber 170 Jahre Unteroffizierausbildung in deutschen Marinen. Ziel ist, dass jeder angehende Unteroffizier der Marine diese Lehrsammlung im Rahmen der Ausbildung besucht und dort grundlegende Einblicke in Tradition und Wandel aber auch in die besonderen Kontinuit\u00e4ten und Br\u00fcche der deutschen Geschichte erh\u00e4lt. Erg\u00e4nzt und abgerundet wird das Angebot durch die 2015 er\u00f6ffnete Regionalausstellung, in der die mittlerweile 60 Jahre Unteroffizierausbildung der Bundes- und Deutschen Marine in der Kaserne Ruhleben sowie die Geschichte des Bundeswehrstandortes Pl\u00f6n, der bis 1996 auch die vorrangig durch die Pioniertruppe genutzte F\u00fcnf-Seen-Kaserne beheimatete, besonders gew\u00fcrdigt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Einzug der ersten Soldaten 1938 bis zur Aufnahme der Marineunteroffizierschule 1960 durchlebten Pl\u00f6n und die Kaserne Ruhleben eine wechselvolle Geschichte. Ausschnitte aus dem Leben zwischen \u201eHauptstadt\u201c, Internatsschule und Standort der Bundesmarine. Christian Senne Die Marineunteroffizierschule konnte im vergangenen Jahr auf ihr sechzigj\u00e4hriges Bestehen am Standort Pl\u00f6n zur\u00fcckblicken. Seit dem 27. 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