{"id":10640,"date":"2021-05-08T17:46:07","date_gmt":"2021-05-08T15:46:07","guid":{"rendered":"https:\/\/marineforum.online\/?p=10640"},"modified":"2021-05-25T17:33:39","modified_gmt":"2021-05-25T15:33:39","slug":"call-for-help-from-holland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marineforum.online\/en\/hilferuf-aus-holland\/","title":{"rendered":"Call for help from Holland"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die niederl\u00e4ndischen Streitkr\u00e4fte sind in Teilen nicht einsatzbereit. Mit dieser Feststellung und er Forderung nach mehr Geld wagten sich hochrangige Offiziere des Landes an die \u00d6ffentlichkeit. <\/strong><\/p>\n<p>Die vier M\u00e4nner waren demonstrativ in ihren gew\u00f6hnlichen Arbeitsuniformen und mit hochgekrempelten \u00c4rmeln gekommen. Es sollte Bodenst\u00e4ndigkeit symbolisieren und den Willen, die Dinge anzupacken. Doch eigentlich wollten die vier Inspekteure der niederl\u00e4ndischen Streitkr\u00e4fte im Interview mit der Tageszeitung Trouw auspacken und Klartext reden. Schwer gefallen sei ihnen dieser Schritt, betonte Vizeadmiral Rob Kramer, Commandant Zeestrijdkrachten. Denn normalerweise beklagen sich Soldaten nicht. \u201eWenn sie uns bitten, einen Meter zu springen, dann k\u00f6nnen wir immer noch einen halben Meter weiter. Aber in diesem Moment m\u00fcssen wir mit Schmerz sagen: Das geht nicht l\u00e4nger gratis.\u201c<\/p>\n<p>Dann zeigen sie auf, was derzeit in den niederl\u00e4ndischen Streitkr\u00e4ften alles nicht geht. Generalleutnant Dennis Luyt, Inspekteur der Luftwaffe, sagt, dass er eigentlich verpflichtet w\u00e4re, rund 30 Kampfflugzeuge in Bereitschaft zu haben, derzeit aber kein einziges f\u00fcr den schnellen Einsatz parat hat. Von den 22 Schiffen und Booten unter dem Kommando von Admiral Kramer befinde sich die H\u00e4lfte im Hafen. Nicht Corona sei das Problem, sondern der Mangel an Personal und Material, um die Schiffe in den Einsatz schicken zu k\u00f6nnen. Hierdurch kann die Marine ihren ureigenen Aufgaben derzeit nicht nachkommen, beispielsweise keine dauerhafte Pr\u00e4senz vor der K\u00fcste zeigen. Fehlanzeige derzeit auch bei der f\u00fcr die Errichtung von Windkraftanlagen in der Nordsee erforderlichen R\u00e4umarbeiten, um Altlasten zu lokalisieren und zu beseitigen. Und erst recht keine Kriegsschiffe, die \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum die Routen der Handelsschiffe weltweit vor Piraten und sonstigen Bedrohungen sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Genauso wenig sei derzeit an eine Wiederaufnahme der Beteiligung niederl\u00e4ndischer Schiffe bei der Operation Irini im Mittelmeer zu denken.<\/p>\n<p>Worum es geht, ist Geld. In diesem Jahr stellen die Niederlande f\u00fcr Verteidigung 11,727 Milliarden Euro bereit. Den gr\u00f6\u00dften Teil davon verschlingt der Personalapparat. Die rund 40 000 Soldaten, 20 000 Zivilangestellten und 6000 Reservisten ben\u00f6tigen inklusive Pensionen gut 51 Prozent des Haushalts. Ein weiteres Viertel wird investiert in neues Material. F\u00fcr die laufenden Ausgaben der Marine stehen 2021 insgesamt 795 Millionen Euro bereit.<\/p>\n<p>Nicht genug, um allen Auftr\u00e4gen der Politiker nachkommen zu k\u00f6nnen, finden die vier Top-Milit\u00e4rs. Denn obwohl das Budget seit 2014 um rund drei Milliarden Euro erh\u00f6ht wurde, klafft immer noch eine L\u00fccke zwischen der Zusage gegen\u00fcber der Nato und den zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln. Lediglich 1,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wenden die Niederl\u00e4nder f\u00fcr Verteidigung auf, weit unter den auf Nato-Ebene vereinbarten zwei Prozent. Um auf diesen Wert zu kommen, m\u00fcssten die Ausgaben um vier Milliarden Euro steigen. \u201eWir sind die Underperformer in der Nato, w\u00e4hrend jeder wei\u00df, wie reich wir sind\u201c, beklagt der Inspekteur des Heeres, Martin Wijnen. Dazu bringt er noch einen drastischen Vergleich: \u201eWir sind wie Mitglieder eines Fu\u00dfballvereins, die keinen Beitrag zahlen und uns auch noch vor dem Bardienst dr\u00fccken\u201c. Woraufhin Luyt sekundiert: \u201eUnd wenn wir selbst an der Bar stehen, lassen wir die anderen bezahlen. Wir sind die ganz h\u00e4sslichen Mitglieder.\u201c Sogar das Wort \u201eSchmarotzer\u201c f\u00e4llt. Mit zus\u00e4tzlichem Geld lie\u00dfen sich neue Waffen kaufen und vorhandene wieder einsatzklar machen. Zudem wollen die Inspekteure den Menschen in den Streitkr\u00e4ften mehr offerieren als einen Arbeitsplatz. \u201eJoin the navy, see the world. Das kann ich ihnen nicht bieten, wenn sie [die Schiffe, Red.] in Den Helder an der Pier liegen\u201c, betonte Admiral Kramer.<\/p>\n<p>Dass dies in der Bev\u00f6lkerung des kleinen Landes derzeit keine Unterst\u00fctzung finden w\u00fcrde, ist auch den vier Inspekteuren klar. Ihrer Ansicht nach f\u00fchlen sich die Menschen nicht bedroht, sie leben seit Jahrzehnten in Frieden mit ihren Nachbarn und sind zu weit von den Bedrohungen im Osten und S\u00fcden des Kontinents entfernt. \u201eIch w\u00fcrde die Niederl\u00e4nder gern einmal nach Litauen mitnehmen, wo unsere Menschen stationiert sind\u201c, bemerkte Generalleutnant Martin Wijnen, Chef des Heeres. \u201eDort f\u00fchlen sie jeden Tag die N\u00e4he eines Gegners wie Russland, das es mit uns nicht gut meint.\u201c<\/p>\n<p>Die Forderung nach einer deutlichen Erh\u00f6hung des Budgets unterst\u00fctzt auch die niederl\u00e4ndische Verteidigungsministerin Ank Bijleveld-Schouten. Kaum verwunderlich also, dass Ausz\u00fcge des Interviews auf der Website des niederl\u00e4ndischen Verteidigungsministeriums zu finden sind. Gemeinsam k\u00e4mpft es sich eben besser.<\/p>\n<p><em>Text: mb; Foto: Koninklijke Marine<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die niederl\u00e4ndischen Streitkr\u00e4fte sind in Teilen nicht einsatzbereit. Mit dieser Feststellung und er Forderung nach mehr Geld wagten sich hochrangige Offiziere des Landes an die \u00d6ffentlichkeit. Die vier M\u00e4nner waren demonstrativ in ihren gew\u00f6hnlichen Arbeitsuniformen und mit hochgekrempelten \u00c4rmeln gekommen. Es sollte Bodenst\u00e4ndigkeit symbolisieren und den Willen, die Dinge anzupacken. 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