{"id":16656,"date":"2022-02-03T11:00:00","date_gmt":"2022-02-03T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/marineforum.online\/?p=16656"},"modified":"2022-02-03T12:28:48","modified_gmt":"2022-02-03T11:28:48","slug":"report-on-material-readiness-ii-2021-german-navy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marineforum.online\/en\/bericht-zur-materiellen-einsatzbereitschaft-ii-2021-deutsche-marine\/","title":{"rendered":"Report on material readiness II\/2021: German Navy"},"content":{"rendered":"<p>Waren sie fr\u00fcher noch unzertrennlich und wurden gemeinsam als ein Bericht ver\u00f6ffentlicht, so werden der R\u00fcstungsbericht sowie der Bericht zur materiellen Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme der Bundeswehr des BMVg mittlerweile getrennt voneinander \u2013 wenn auch in der Regel zeitgleich \u2013 ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Insgesamt verf\u00fcgt die Bundeswehr \u00fcber 71 sogenannte Hauptwaffensysteme. Deren Klarstand, also die Verf\u00fcgbarkeit f\u00fcr Ausbildung und Einsatz, und die entsprechende Entwicklung der Zahlen dokumentiert der \u201eBericht zur materiellen Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme der Bundeswehr II\/2021\u201c. Dazu geh\u00f6ren bei der Deutschen Marine zw\u00f6lf Systeme: Neben den U-Booten, Korvetten und Fregatten geh\u00f6ren auch die fliegenden Systeme wie die <a href=\"https:\/\/marineforum.online\/14-ruestungsbericht-marinehelikopter-im-fokus\/\">Helikopter der Marineflieger<\/a>. Wir lesen in dem aktuellen Bericht II\/2021 f\u00fcr das vergangene Halbjahr (Auszug):<\/p>\n<p>Die materielle Einsatzbereitschaft aller 71 Hauptwaffensysteme hat sich im Berichtszeitraum insgesamt verstetigt und in einigen Bereichen leicht verbessert. Sie liegt mit durchschnittlich 77 Prozent geringf\u00fcgig \u00fcber den 76 Prozent aus dem letzten Bericht. Unsere Zielgr\u00f6\u00dfe von 70 Prozent durchschnittlicher materieller Einsatzbereitschaft \u00fcbertrafen hierbei 38 Hauptwaffensysteme, elf lagen unter 50 Prozent (davon sechs Altsysteme). Die durchschnittliche materielle Einsatzbereitschaft von Kampffahrzeugen lag bei 71 Prozent, f\u00fcr Kampfeinheiten der Marine bei 72 Prozent, f\u00fcr die Kampf- und Transportflugzeuge bei 65 Prozent, f\u00fcr alle Unterst\u00fctzungsfahrzeuge (Logistik, Sanit\u00e4t und CIR) bei 82 Prozent und bei den Hubschraubern weiterhin bei 40 Prozent.<\/p>\n<p>Unver\u00e4ndert zeigen sich sprunghafte Verl\u00e4ufe, eine hohe Streuung und ein zu geringer verf\u00fcgbarer Bestand bei rund einem Drittel der Systeme. Das betrifft vor allem Systeme mit kleinen Flottengr\u00f6\u00dfen und \u201eAltsysteme\u201c (z. B. die Schwimmschnellbr\u00fccke Amphibie M3, der Bordhubschrauber SEA KING oder der in 2025 das Ende seiner Nutzungs-dauer erreichende Seefernaufkl\u00e4rer P-3C Orion), aber auch die neu eingef\u00fchrten Waffensysteme wie der Hubschrauber NH90 oder das Transportflugzeug A400M.<\/p>\n<h3>Klarstand Marine<\/h3>\n<p>Auch im zur\u00fcckliegenden Berichtszeitraum mussten in Folge verschobener und verl\u00e4ngerter Werftliegezeiten von Einheiten Eins\u00e4tze und einsatzgleichen Verpflichtungen sowie zahlreiche weitere Auftr\u00e4ge ohne Reserven bew\u00e4ltigt werden. Die daraus resultierende Belastung der verf\u00fcgbaren Einheiten f\u00fchrt zu einer verst\u00e4rkten Abnutzung oberhalb des technisch ausgelegten Nutzungsprofils der \u00e4lter werdenden Systeme was kurz- und mittelfristig zu einer weiteren Belastung der materiellen Einsatzbereitschaft und damit zur Erh\u00f6hung des Instandhaltungsbedarfs f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der operationelle Aktionsrahmen der Marine ist aufgrund der materiellen Verf\u00fcgbarkeit der Einheiten stark eingeschr\u00e4nkt. Urs\u00e4chlich hierf\u00fcr sind die, auch nach einer personellen Verst\u00e4rkung des Marinearsenals (MArs) durch Marineuniformtr\u00e4ger, seit 2019 unzureichenden Kapazit\u00e4ten des MArs im IH-Management und der Vergabestelle sowie eine noch immer \u00e4u\u00dferst angespannte Ersatzteillage. Kam es bereits bislang dadurch sowohl zu einem verz\u00f6gerten Beginn als auch zu erheblichen Verz\u00f6gerungen im Abschluss von Werftliegezeiten, so versch\u00e4rfen derzeit weitere vergaberechtliche Vorgaben, insbesondere im Vorlauf von planm\u00e4\u00dfigen Werftliegezeiten, die Situation im Berichtszeitraum nochmals drastisch. Im Ergebnis f\u00fchrt diese Entwicklung zu einem R\u00fcckgang der Einsatzverf\u00fcgbarkeit von Hauptwaffensystemen und zeitgleich zu einem erheblichen R\u00fcckstau erforderlicher Instandhaltungsbedarfe. Das MArs kann ohne nachsteuernde Ma\u00dfnahmen seinem IH-Auftrag nicht mehr vollst\u00e4ndig gerecht werden.<\/p>\n<p>Die Umsetzung der Mittelfristigen Erhaltungsplanung ist durch erhebliche vergabebedingte Verz\u00f6gerungen beeintr\u00e4chtigt. Die bereits in den letzten Berichten dargelegten vergaberechtlichen Probleme stellen zunehmend eine kritische Belastung nicht nur f\u00fcr die Instandsetzungs- sondern auch f\u00fcr die Einsatzplanung dar, welche durch die Marine planerisch nicht aufzul\u00f6sen sind. Die strukturell prek\u00e4ren Instandsetzungskapazit\u00e4ten (insbesondere IH-Management und Vergabekapazit\u00e4ten) des MArs f\u00fcr die schwimmenden Waffensysteme werden zuk\u00fcnftig zu massiven Einbr\u00fcchen bei der Gestellung einsatzbereiter Kr\u00e4fte f\u00fchren, welche ggf. eine Priorisierung seitens BMVg hinsichtlich der Besetzung von Eins\u00e4tzen und einsatzvergleichbaren Verpflichtungen der Marine erfordert. In Erg\u00e4nzung zur Bewertung der materiellen Einsatzbereitschaft l\u00e4sst sich feststellen, dass derzeit \u2013 gespiegelt an den f\u00e4higkeitstr\u00e4gerspezifischen Einsatzaufgaben zur Teilnahme an Operationen hoher Intensit\u00e4t \u2013 unter 30 Prozent der schwimmenden Hauptwaffensysteme uneingeschr\u00e4nkt einsatzf\u00e4hig sind.<\/p>\n<h3>Ausblick<\/h3>\n<p>Der Fokus der Marine liegt auch weiterhin im Gleichklang des Zulaufs neuer Hauptwaffensysteme und der not- wendigen Modernisierung der Bestandseinheiten. Die Beschaffung der Fregatten Klasse 126 und die Erg\u00e4nzungsbeschaffung der Korvetten Klasse 130 bilden zusammen mit der Erneuerung im Bereich Unterst\u00fctzungseinheiten durch die Betriebsstoffversorger Klasse 707 und Flottendienstboote Klasse 424, wesentliche Schritte zur Ausgestaltung einer modernen und bedarfsgerechten Flotte. Gleicherma\u00dfen bedarf es jedoch auch des F\u00e4higkeitserhalts der Bestandsflotte zur Sicherstellung der notwendigen Einsatzverf\u00fcgbarkeit f\u00fcr die Beschickung laufender Eins\u00e4tze, einsatzgleicher Verpflichtungen sowie priorisierten Vorhaben\/Missionen. Vor diesem Hintergrund kommt der vollumf\u00e4nglichen Herstellung der Einsatzreife der Fregatten der Klasse 125 eine zentrale Bedeutung zu.<\/p>\n<p>[\u2026] Mit den \u201eEckpunkten f\u00fcr die Bundeswehr der Zukunft\u201c wurden im Berichtszeitraum u.a. Untersuchungen zur Aufstellung von \u201eSystemh\u00e4usern\u201c und zur ggf. ver\u00e4nderten Wahrnehmung von Nutzungsaufgaben initiiert. Die Marine fokussiert ihre Betrachtungen zum Systemhaus See (SysHSee) auf die ungeteilte und ergebnisverantwortliche \u00dcbernahme von Durchf\u00fchrungsaufgaben in der IH inklusive der zugeh\u00f6rigen Steuerungskompetenz sowohl in der Priorisierung des Haushaltsvollzuges als auch in der Zuarbeit zur Finanzbedarfsplanung MatErh sowie einer verfassungskonformen Beschaffungskompetenz in der IH. Dazu geh\u00f6rt aus Sicht der Marine auch eine sachgerechte Zuordnung von Ressourcen in Form einer Integration des Marinearsenals (MArs) an beiden Standorten (Wilhelmshaven und Kiel), als einziger Leistungserbringer f\u00fcr die Marine ab Instandhaltungsstufe (IHS) 3 bzw. Log-Ebene 2 in der Dimension See, in ein SysHSee. Dar\u00fcber hinaus sieht die Marine die Steigerung der Waffensystemkompetenz mit einem klaren Schwerpunkt auf Beitr\u00e4gen zur Konzeption und Weiterentwicklung von Waffensystemen in allen Phasen des IPD\/CPM sowie die Digitalisierung als wesentliche weitere konzeptionellen Bausteine des SysHSee. Ferner sind die Ergebnisse des IPT 11 BeschO zur Neuordnung der Nutzung zu ber\u00fccksichtigen. Die Zuarbeit der Marine zu den Zielen der Initiative Einsatzbereitschaft 2021 wurde im Berichtszeitraum konsequent fortgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die erfolgreich etablierte und nun auch im Prozess f\u00fcr alle Teilstreitkr\u00e4fte institutionalisierte Unterst\u00fctzung des BAAINBw mittels Bearbeitung von projektbezogenen Themenpaketen aus dem BAAINBw durch die milit\u00e4rischen Organisationsbereiche wurde auch im Berichtszeitraum fortgesetzt. Durch diese Unterst\u00fctzung konnten zahlreiche Projekte wie die Erg\u00e4nzungsbeschaffung der Korvetten Klasse 130 (K130 2. Los) und der \u201eF\u00e4higkeitserhalt seegest\u00fctzter signalerfassender Aufkl\u00e4rung der Flottendienstboote Klasse 424\u201c zielgerichtet weiterverfolgt werden, f\u00fcr die die organisatorischen Grundlagen bzw. personelle Kapazit\u00e4ten im BAAINBw nicht im ausreichenden Ma\u00dfe vorlagen.<\/p>\n<h3>Auswirkungen auf Einsatzverpflichtungen<\/h3>\n<p>Im Berichtszeitraum konnte die Marine die Priorit\u00e4ten und Zielvorgaben BMVg bzgl. Eins\u00e4tze und einsatzvergleichbare Verpflichtungen erf\u00fcllen. Mit der Besetzung der laufenden Eins\u00e4tze, einsatzgleichen Verpflichtungen und priorisierten Vorhaben\/Missionen sowie der zum F\u00e4higkeitserhalt not-wendigen \u00dcbungsteilnahmen in den f\u00fcr LV\/BV wichtigen \u00dcbungsserien ist die Marine ausgelastet. Insofern kommt der materiellen Einsatzbereitschaft und der zeitgerechten und umfassenden Verf\u00fcgbarkeit des Materials\/der Plattformen eine einsatzkritische Bedeutung zu. Seitens der Marine werden schon heute alle identifizierten Optionen zur Verbesserung der Einsatzbereitschaft genutzt (\"Agenda Nutzung\", \"Sofortprogramm Einsatzbereitschaft\", \"Mehrbesatzungsmodelle\", \"Optimierung Ausbildung\u201c). Ma\u00dfnahmen zur Verbesserung der \u201eEinsatzbereitschaft\" der schwimmenden und fliegenden Systeme der Marine bed\u00fcrfen jedoch eines ganzheitlichen Ansatzes \u00fcber alle OrgBer, auch den der Wehrverwaltung zugeordneten Ressourcen, der weiter verst\u00e4rkt und mit \u00fcbergeordneter Priorit\u00e4t verfolgt werden muss.<\/p>\n<h3>Ein Eindruck<\/h3>\n<p>Mit einem aktuellen materiellen Klarstand von 77 Prozent liegt der Wert im Betrachtungszeitraum f\u00fcr die Bundeswehr insgesamt nur einen Prozentpunkt \u00fcber dem Vorjahr. Bereits damals hat man im BMVg zugeben m\u00fcssen, dass die Pandemie einen messbaren Anteil an dieser Zahl hat: Wo aufgrund der Pandemie Ausbildung ausgefallen ist, wurde auch weniger Material verschlei\u00dft.<\/p>\n<p>Der Bericht ist nicht alt, und k\u00f6nnte doch politisch bereits \u00fcberholt sein: Die neue Verteidigungsministerin Christine Lambrecht hat die von ihrer Vorg\u00e4ngerin initiierten \u201eEckpunkte f\u00fcr die Bundeswehr der Zukunft\u201c bereits auf Eis gelegt, dazu geh\u00f6rt auch die Pr\u00fcfung der im Bericht zitierten Aufstellung von \u201eSystemh\u00e4usern\u201c. Nicht auszuschlie\u00dfen, dass die Ministerin eigene Akzente setzt und sich anteilig an den vorliegenden Zwischenergebnissen bedient \u2013 oder eben nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Waren sie fr\u00fcher noch unzertrennlich und wurden gemeinsam als ein Bericht ver\u00f6ffentlicht, so werden der R\u00fcstungsbericht sowie der Bericht zur materiellen Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme der Bundeswehr des BMVg mittlerweile getrennt voneinander \u2013 wenn auch in der Regel zeitgleich \u2013 ver\u00f6ffentlicht. Insgesamt verf\u00fcgt die Bundeswehr \u00fcber 71 sogenannte Hauptwaffensysteme. Deren Klarstand, also die Verf\u00fcgbarkeit f\u00fcr Ausbildung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":25,"featured_media":16708,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_oasis_is_in_workflow":0,"_oasis_original":0,"_oasis_task_priority":"2normal","footnotes":""},"categories":[40,33,486],"tags":[1429,182,2564,216,2563],"class_list":["post-16656","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-streitkraefte-blog","category-blog","category-headlines","tag-bmvg","tag-deutsche-marine","tag-ii-2021","tag-klarstand","tag-materialbericht"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/marineforum.online\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16656","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/marineforum.online\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/marineforum.online\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/marineforum.online\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/25"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/marineforum.online\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16656"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/marineforum.online\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16656\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/marineforum.online\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/16708"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/marineforum.online\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16656"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/marineforum.online\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16656"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/marineforum.online\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16656"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}