{"id":27966,"date":"2023-03-17T12:30:30","date_gmt":"2023-03-17T11:30:30","guid":{"rendered":"https:\/\/marineforum.online\/?p=27966"},"modified":"2023-09-06T08:52:06","modified_gmt":"2023-09-06T06:52:06","slug":"a-long-journey","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marineforum.online\/en\/eine-lange-reise\/","title":{"rendered":"A long journey"},"content":{"rendered":"<p>Als Flottillenadmiral Axel Schulz, Kommandeur der Einsatzflottille 2, am 19. Januar das Kommando \u00fcber das 4. Fregattengeschwader \u00fcbergab, war dies keine Zeremonie, wie man sie aus dem Marinest\u00fctzpunkt Heppenser Groden kennt. Kapit\u00e4n zur See Dirk Jacobus \u00fcbergab seine vier Schiffe der BADEN-W\u00dcRTTEMBERG-Klasse an Kapit\u00e4n zur See Matthias Schmitt und beendete damit eine Kommandeurszeit, die mit f\u00fcnfeinhalb Jahren nicht nur einen Rekord darstellt, sondern eine Z\u00e4sur der Marine darstellt. Als Jacobus das Geschwader \u00fcbernahm, war die Fregatte BADEN W\u00dcRTTEMBERG gerade ein Jahr zu Wasser und wurde wegen diverser M\u00e4ngel 2017 an den Hersteller zur\u00fcckgegeben. Jacobus, der sich mit KARLSRUHE, AUGSBURG und L\u00dcBECK noch auf die letzten \u201eArbeitspferde\u201c der Klasse 122 abst\u00fctzen konnte, durfte 2019 endlich die Indienststellung der ersten 125 erleben. Seit der Indienststellung der RHEINLAND PFALZ im Juli 2022 darf er sich nun r\u00fchmen, der erste Kommandeur eines Fregattengeschwaders zu sein, der nicht nur den Wechsel einer ganzen Klasse f\u00fchrte, sondern auch eine g\u00e4nzlich neue Schiffsklasse in Fahrt gebracht hat. Seine erfolgreiche Zeit an der Spitze des 4. Fregattengeschwaders war begleitet vom nahenden Ende einer schwierigen Zeit und vor allem von Debatten um den Zweck der Klasse 125. Trotz der Zweifel mancher Beobachter ist Jacobus von diesem Waffensystem \u00fcberzeugt. Nach 2059 Tagen als Kommandeur hielt er ein flammendes Pl\u00e4doyer f\u00fcr \u201eseine\u201c Schiffe, eingebettet in seinen Dank an alle beteiligten Besatzungen, Kommandanten und Verantwortlichen, die den diesen langen Weg ebneten. Das marineforum ver\u00f6ffentlicht Ausz\u00fcge aus seiner Abschiedsrede.<\/p>\n<figure id=\"attachment_27971\" aria-describedby=\"caption-attachment-27971\" style=\"width: 391px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-27971\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/2022-SAH-Mitfahrt-63-hsc-1-300x300.jpg\" alt=\"Mann mit Weitsicht: Kapit\u00e4n zur See Dirk Jacobus, Foto: hsc\" width=\"391\" height=\"391\" srcset=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/2022-SAH-Mitfahrt-63-hsc-1-300x300.jpg 300w, \/wp-content\/uploads\/2023\/03\/2022-SAH-Mitfahrt-63-hsc-1-1024x1024.jpg 1024w, \/wp-content\/uploads\/2023\/03\/2022-SAH-Mitfahrt-63-hsc-1-150x150.jpg 150w, \/wp-content\/uploads\/2023\/03\/2022-SAH-Mitfahrt-63-hsc-1-768x768.jpg 768w, \/wp-content\/uploads\/2023\/03\/2022-SAH-Mitfahrt-63-hsc-1-440x440.jpg 440w, \/wp-content\/uploads\/2023\/03\/2022-SAH-Mitfahrt-63-hsc-1-90x90.jpg 90w, \/wp-content\/uploads\/2023\/03\/2022-SAH-Mitfahrt-63-hsc-1-370x370.jpg 370w, \/wp-content\/uploads\/2023\/03\/2022-SAH-Mitfahrt-63-hsc-1-750x750.jpg 750w, \/wp-content\/uploads\/2023\/03\/2022-SAH-Mitfahrt-63-hsc-1.jpg 1080w\" sizes=\"(max-width: 391px) 100vw, 391px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-27971\" class=\"wp-caption-text\">Mann mit Weitsicht:\u00a0Kapit\u00e4n zur See Dirk Jacobus, Foto: hsc<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eAm meisten \u00fcberrascht hat mich allerdings, wie viel \u00dcberzeugungskraft es bedurfte, um zu unterstreichen, dass die Entwicklung des Waffensystems F 125 mit der damit verbundenen Zielsetzung und Konzeption weder damals noch heute ein Fehler war. An jeder Ecke gab es Skeptiker, sicherlich gef\u00f6rdert durch die entsprechende mediale Begleitung, die sich ein Urteil \u00fcber die Sinnhaftigkeit und die Effektivit\u00e4t dieser Schiffe, vor allem aber der Besatzungen gebildet hatten \u2013 ein Urteil das weit \u00fcberwiegend lautete: Die k\u00f6nnen ja gar nix! Nicht durchhaltef\u00e4hig, keine Identit\u00e4t, fehlende Sorge um das unvertraute Waffensystem, nicht einsetzbar im Gefecht, kein U-J\u00e4ger, kein Air Defender, kein Krieger eben \u2026<\/p>\n<p>Wir haben den Grundstein daf\u00fcr gelegt zu beweisen, dass das, was unsere Vorv\u00e4ter erdacht haben, gar nicht mal eine so schlechte Idee war. Wir haben das Reachback f\u00fcr die Besatzungen auf funktionsf\u00e4hige Beine gestellt, wir haben bis heute vier Besatzungen vollst\u00e4ndig durch den inhaltlich selbst\u00e4ndig neu entwickelten EAP gef\u00fchrt, und das sogar h\u00f6chst erfolgreich. [\u2026] Im Sinne eines funktionsf\u00e4higen Gesamtsystems F 125 mussten einzelne Besatzungen h\u00e4ufig schwer Verdauliches schlucken, um alle Besatzungen in diesem fein verzahnten R\u00e4derwerk intakt halten k\u00f6nnen, immer mussten sich die Besatzungen gegenseitig helfen, ohne Vorwurf auch dann, wenn uns selbst an irgendeiner Stelle Fehler unterlaufen waren. [\u2026] Ohne die kompromisslose R\u00fcckendeckung und die gestalterischen Freir\u00e4ume einerseits, aber auch die tatkr\u00e4ftige, fachliche und truppendienstliche Unterst\u00fctzung unserer Flottille andererseits, w\u00e4ren wir sicherlich in mancher Prozess-Sackgasse steckengeblieben, stattdessen konnten wir mit Vehemenz etliche \u201eIss-so-weil-war-schon-immer-so\u201c-Mauern durchbrechen. Ich m\u00f6chte mir erlauben, meiner Flottille zuzurufen, den eingeschlagenen Weg des Initiativ-und-selbst\u00e4ndig-M\u00f6glichmachens so konsequent weiterzugehen, wie er gerade gegangen wird. [\u2026] Die wohl gr\u00f6\u00dfte Innovation aus diesem Engagement, unser Einsatzausbildungszentrum Mehrdimensionale Seekriegsf\u00fchrung, ist ein Erfolgsmodell, ohne das insbesondere w\u00e4hrend Corona, aber perspektivisch auch f\u00fcr die hohen Anforderungen an das Mehrbesatzungsmodell aus meiner Sicht Einsatzf\u00e4higkeit gar nicht mehr denkbar ist. Ausbildung vor Ort durch Soldaten, die aus dem auszubildenden System stammen und die notwendige Erfahrung und den Biss mitbringen, Besatzungen in jeder Phase der Team- und Individualausbildung zu formen, das ist eines der gr\u00f6\u00dften Pfunde, die die Marine derzeit auf die Waage bringt. Ich kann nur davor warnen, dieses wirkliche Erfolgsmodell gegebenenfalls irgendwann aus strukturellen oder administrativen Gr\u00fcnden wieder zu beschneiden. In diesem besonderen Fall muss man die St\u00e4rken von etwas Einzigartigem vor der systemkonformen Gleichmacherei sch\u00fctzen, dies gilt im \u00dcbrigen genauso f\u00fcr die einzigartigen F\u00e4higkeiten des Waffensystems F 125 an sich.<\/p>\n<p>Auch die Eigeninitiative im Bereich der Personalgewinnung halte ich f\u00fcr einen Weg, der unbedingt weiter zu verfolgen ist. Authentisch f\u00fcr uns werben geht nur mit authentischen Erfahrungstr\u00e4gern und aktuellem Wissen vom Berufs- und T\u00e4tigkeitsbild auf See. Deswegen m\u00fcssen wir die Organisation mit unseren personellen F\u00e4higkeiten vor Ort und in der Fl\u00e4che unterst\u00fctzen. Gerade f\u00fcr uns als Marine gilt: Menschen begeistern Menschen \u2013 und nicht wohlklingende, schlagwortartige, generalistisch zutreffende Botschaften, die keine Bilder in den K\u00f6pfen unseres Nachwuchses erzeugen.<\/p>\n<p>Dank auch an Industrie und Projekt \u2013 und das ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch angesichts der jahrelangen Verz\u00f6gerungen. Nat\u00fcrlich haben gerade wir am Ende des Prozesses oftmals mit den scheinbar unn\u00f6tigen H\u00fcrden gehadert, die sich unter anderem aus verz\u00f6gerten Vertragsschl\u00fcssen, Prozesskonformit\u00e4t oder auch aus unerwarteter Minderleistung ergeben haben. Aber, selbst mit Tisch sitzend, muss man auch erkennen, dass hier oberfl\u00e4chliche Schelte gegen\u00fcber dem Bundesamt f\u00fcr Ausr\u00fcstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) oder der Arge F 125 beziehungsweise der Industrie viel zu kurz greift. Es ist nun mal kein Selbstg\u00e4nger, einen so weitreichend innovativen Prototypen mit extrem langer Bauzeit st\u00e4ndig den sich weiterentwickelnden Gesetzes- und Vorschriftenlandschaften anzupassen \u2013 unser System ist nun mal eher starr als flexibel. Ich denke, wir m\u00fcssen f\u00fcr aktuelle und zuk\u00fcnftige R\u00fcstungsprojekte solche gordischen Knoten vorzeitig durchschlagen, denn sonst war F 125 nur das erste Projekt, das solcher Verz\u00f6gerung ausgesetzt war, sicher aber nicht das letzte. Ich danke dem BAAINBw und der Industrie daf\u00fcr, dass Sie uns zugeh\u00f6rt haben und uns haben mitgestalten lassen. Sie haben schnell gemerkt und schnell auch in ihre \u00dcberlegungen einbezogen, dass ohne den Endnutzer Fortschritt nicht machbar ist.<\/p>\n<p>Wenn es uns gelingt, insbesondere den Steinschl\u00e4gen im personellen Bereich einigerma\u00dfen schadlos zu entgehen, wenn wir zum Beispiel aufh\u00f6ren, st\u00e4ndig zivile \u2013 und f\u00fcr das Milit\u00e4r einfach nicht passende \u2013 Normen fraglos zu \u00fcbernehmen, sei es beispielhaft im Bereich der Arbeitszeit oder sei es im Bereich der Ausbildung und Qualifikation vor allem bei den Nebenaufgaben, dann werden die Schiffe und Besatzungen das tun k\u00f6nnen, was sie sollen: fahren und k\u00e4mpfen. Wer insbesondere beim Lean Manning ernsthaft glaubt, die st\u00e4ndig wachsende F\u00fclle von b\u00fcrokratischen Nebenaufgaben an seefahrende Besatzungen ebenso koppeln zu k\u00f6nnen wie an jede andere milit\u00e4rische Dienststelle, der irrt. Unsere auf das Wesentliche reduzierten Besatzungen k\u00f6nnen nicht zur Bew\u00e4ltigung aller Nebenaufgaben im Bereich Datenschutz, IT-Sicherheit, Arbeitsschutz, SAP, Administration und Verwaltung etc. auf jeden neu erdachten Lehrgang gehen, den die Streitkr\u00e4fte zu bieten haben. Wenn das schon doktrin\u00e4r so sein muss, dann muss das Reachback das strukturell stemmen k\u00f6nnen und vorschriftentechnisch auch d\u00fcrfen \u2013 gerade hier ist noch ein langer Weg zu gehen und der sollte besser nicht im Schritttempo gegangen werden. Wir m\u00fcssen noch viel mehr [Menschen] als bisher den Mut haben, uns das Dienen durch das Kn\u00fcpfen x-facher Sichernetze nicht selbst schwer zu machen, wir m\u00fcssen den F\u00e4higkeiten unserer Besatzungen vertrauen und sie durch wirkliche Entlastung von B\u00fcrokratie genau darauf konzentrieren lassen, wof\u00fcr wir Streitkr\u00e4fte eigentlich haben: Die Landes- und B\u00fcndnisverteidigung und den milit\u00e4rischen Anteil zur gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge \u2013 ich denke, selten war dies so anschaulich begr\u00fcndet wie durch die t\u00e4glichen Nachrichten der heutigen Zeit.<\/p>\n<p>Holger Schl\u00fcter<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Flottillenadmiral Axel Schulz, Kommandeur der Einsatzflottille 2, am 19. Januar das Kommando \u00fcber das 4. Fregattengeschwader \u00fcbergab, war dies keine Zeremonie, wie man sie aus dem Marinest\u00fctzpunkt Heppenser Groden kennt. 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