{"id":3842,"date":"2020-11-26T12:15:07","date_gmt":"2020-11-26T11:15:07","guid":{"rendered":"http:\/\/marineforum.online\/?p=3842"},"modified":"2021-05-18T18:40:33","modified_gmt":"2021-05-18T16:40:33","slug":"new-submarines-for-down-under","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marineforum.online\/en\/neue-unterseeboote-fuer-down-under\/","title":{"rendered":"New submarines for \"Down Under\""},"content":{"rendered":"<p><strong>Australien er\u00f6ffnet Wettbewerb um weltweit gr\u00f6\u00dftes nicht-nukleares U-Boot-Projekt \u2013\u00a0<\/strong><strong>Seit am 20. Februar dieses Jahres das australische Verteidigungsministerium seine \u201eStrategische Direktive des zuk\u00fcnftigen U-Boot-Programms\u201c ver\u00f6ffentlichte, steht fest, dass Frankreich, Deutschland und Japan potenzielle Partner im Projekt SEA 1000 sind, d.h. zur Entwicklung und Beschaffung von bis zu 12 neuen U-Booten f\u00fcr die Royal Australian Navy (RAN). Nach einem zehnmonatigen Evaluierungswettbewerb (competitive evaluation process) wird einer der drei Kandidaten den Zuschlag erhalten.<\/strong><\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit August 2008, als das unabh\u00e4ngige \u201eSubmarine Institute of Australia\u201c einen umfangreichen U-Boot-Beitrag f\u00fcr das 2009 unter der Labour-Regierung erschienene Verteidigungs-Wei\u00dfbuch vorlegte, ist international bekannt, dass ab Mitte der 2020er Jahre der Zulauf neuer <strong>U-Boote<\/strong> geplant ist. Seit sechs Jahren ist SEA 1000 somit fester Bestandteil der Sicherheitspolitik und blieb es auch unter der seit September 2013 regierenden konservativen Koalition unter Premier Tony Abbott. Dass Canberra erst jetzt seine offizielle Beschaffungsstrategie f\u00fcr das \u201eFuture Submarine\u201c (FSM) bekannt gab, ist politischen Grabenk\u00e4mpfen geschuldet, auf die weiter unten noch detaillierter einzugehen ist. Demnach wird das Verteidigungsministerium den Wettbewerb ansto\u00dfen, nachdem Anfang M\u00e4rz den drei potenziellen Partnern und deren jeweiligen Industrievertretern Einzelheiten mitgeteilt wurden. Dass L\u00e4nder und nicht Firmen genannt werden, hat seinen Grund vermutlich in einem angestrebten Regierungsabkommen (G-to-G), unter dessen Dach das Projekt abgewickelt werden soll. Das Verfahren soll sicherstellen, dass mit dem Geld des australischen Steuerzahlers das zuk\u00fcnftige <strong>U-Boot<\/strong> die bestm\u00f6glichen F\u00e4higkeiten erh\u00e4lt und die heimische Industrie maximal eingebunden wird.<\/p>\n<p>Die maritime Sicherheit des Landes und der Schutz seines Handels h\u00e4nge davon ab, so hei\u00dft es in dem Dokument, ob mit der zeitgerechten Ablieferung des ersten FSM ab Mitte der 2020er Jahre, wenn der Au\u00dferdienststellungsbeginn der <strong>U-Boote<\/strong> der COLLINS-Klasse anstehe, eine F\u00e4higkeitsl\u00fccke vermieden werden k\u00f6nne. Bis \u00fcber die 2040er Jahre hinaus w\u00fcrden die neuen Boote mit Lebenswegkosten von 50 Mrd. australischen Dollar (35 Mrd. \u20ac) zur Verteidigung Australiens und seiner Interessen beitragen. Die Regierung erwarte, dass erhebliche Arbeitsanteile w\u00e4hrend der Bauphase dieses gr\u00f6\u00dften R\u00fcstungsprogramms in Australiens Geschichte im Lande erbracht w\u00fcrden. Dies schlie\u00dfe die Integration des F\u00fchrungs- und Waffeneinsatzsystems (F\u00fcWES), die Konstruktionsaufsicht und die Landtestdurchf\u00fchrung ein und bedeute Schaffung von mindestens 500 neuen Hochwertarbeitspl\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Von den am \u201ecompetitive evaluation process\u201c beteiligten, potenziellen Partnern werden Vorschl\u00e4ge erwartet zu einem Grobentwurf nach den australischen F\u00e4higkeitskriterien, zu Optionen f\u00fcr Konstruktion und Bau (in \u00dcbersee, im Lande oder als Mischform) einschlie\u00dflich einer Arbeits-, Zeit- und Finanzplanung je Option und zu Fragen wie z.B. Schutz von Urheberrechten (IPR). Au\u00dferdem enth\u00e4lt die Bekanntmachung folgende strategischen Schl\u00fcsselforderungen: Reichweite und Seeausdauer wie COLLINS; Sensorleistungen und Signaturen (stealth) besser als COLLINS; F\u00fcWES und Schwergewichtstorpedo \u2013 von den USA und Australien gemeinsam entwickelt \u2013 sind gesetzt.<\/p>\n<p>Die Regierung betont in der Bekanntmachung, dass die heimische Industrie zur Optimierung ihrer Projekteinbindung einen internationalen Partner ben\u00f6tige. Canberra gesteht damit ein, dass Australiens F\u00e4higkeiten zum eigenst\u00e4ndigen Entwurf und Bau, trotz der zwischen 1987 und 2003 komplett im Lande gefertigten, \u00e4u\u00dferst anspruchsvollen COLLINS-Klasse, nicht ausreichen. Nach sorgf\u00e4ltiger Pr\u00fcfung habe das Verteidigungsministerium Frankreich, Deutschland und Japan ausgew\u00e4hlt, weil diese drei L\u00e4nder erprobte Entwurfs- und Baukapazit\u00e4ten bes\u00e4\u00dfen und derzeit U-Boot-Neubauten produzierten.<\/p>\n<p>Australische Medien berichteten und kommentierten unmittelbar nach Erlass der Beschaffungsstrategie \u00fcber aufgebrachte Auseinandersetzungen in Politik sowie Wirtschafts- und Marinekreisen zur Nichtber\u00fccksichtigung Schwedens als potenzieller Partner. Die offizielle Begr\u00fcndung des Verteidigungsministeriums lautete, dass Schwedens U-Boot-Werft Kockums zwar Australiens Partner im COLLINS-Projekt und bis 2001 auch noch \u201eDesign Authority\u201c f\u00fcr diese Boote war, derzeit aber dem Pr\u00fcfkriterium \u201elaufende Bauprogramme\u201c nicht standhalten k\u00f6nne, da sie seit nahezu 20 Jahren keinen U-Boot-Neubau mehr abgeliefert habe.<\/p>\n<h3>Ambitionierte Leistungsparameter<\/h3>\n<p>Die strategischen Schl\u00fcsselforderungen, \u00fcbertragen auf das konkrete F\u00e4higkeitsprofil des FSM ergeben \u00fcberaus ambitionierte Leistungsparameter, wie sie z.T. bereits vor 30 Jahren im Lastenheft der aufgetaucht 3.100 Tonnen verdr\u00e4ngenden COLLINS-Klasse standen, vor allem hinsichtlich einer f\u00fcr nicht-nukleare <strong>U-Boote<\/strong> au\u00dferordentlichen Mobilit\u00e4t: Die geforderten jeweiligen Transitstrecken im intermittierenden Schnorchelbetrieb von je 3.500 nautischen Meilen (je 17 Tage) bei 10 Knoten (!) ab dem St\u00fctzpunkt Perth in West-Australien, legen den Schluss nahe, dass die Einsatzgebiete australischer Boote in den Randmeeren vor China, dem indonesischen Archipel und im Indischen Ozean bis hin ins Arabische Meer gesehen werden. Hinzu kommen ca. 4.000 - 5.000 Meilen au\u00dfenluftunabh\u00e4ngiger, ger\u00e4uscharmer Betrieb bei 5 Knoten in der Patrol Area (35 Tage). Daher kann eine geforderte Gesamtreichweite von 12.000 Meilen und eine Missionsdauer von ca. 70 Tagen angenommen werden, zuz\u00fcglich entsprechender Sicherheitsmargen (z.B. 20 % Restkraftstoff und Restreaktanten nach R\u00fcckkehr). Auf Deutschland projiziert w\u00fcrde das bedeuten, unsere <strong>U-Boote<\/strong> w\u00e4ren auf Eins\u00e4tze vor der amerikanischen Ostk\u00fcste bis in die Karibik zu optimieren! Allein ein Transit vom St\u00fctzpunkt Perth nach Sydney entspricht einer Reise von Eckernf\u00f6rde ins Mittelmeer. Einw\u00e4nde von Kritikern, dass derartige Leistungsparameter eigentlich einen Nuklearantrieb erfordern, finden kein Geh\u00f6r in einem Land, dessen Energiewirtschaft ohne Kernenergie auskommt.<\/p>\n<p>Das FSM wird f\u00fcr die o.a. Mobilit\u00e4tsparameter bei taktisch vertretbarer Schnorchelrate mehrere gro\u00dfe Dieselaggregate (COLLINS 3x1.400 KW) und modernste Lithium-Ionen-Batterien ben\u00f6tigen. F\u00fcr ein AIP-System wie die Brennstoffzelle wird eine Reformeranlage zur Herstellung von Wasserstoff an Bord unverzichtbar. Ber\u00fccksichtigt man die Raum- und Gewichtsfaktoren f\u00fcr Kraft- und Betriebsstoffe, Lade- und AIP-Aggregate, Waffen, signaturverringernde Ma\u00dfnahmen und nicht zuletzt Unterbringung sowie Versorgung der Besatzung, so wird klar, dass es sich um ein sehr gro\u00dfes konventionelles U-Boot handeln wird, wie es keiner der avisierten europ\u00e4ischen Partner bisher gebaut hat. Selbst die getaucht 4.200 Tonnen verdr\u00e4ngende japanische SORYU-Klasse kann die geforderte Reichweite, Seeausdauer und Transitgeschwindigkeit nicht erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Betrachtet man die aufgetauchte Verdr\u00e4ngung dieses Zweih\u00fcllenbootes von \u201enur\u201c 2.950 Tonnen, die ein Indikator f\u00fcr das Kriterium \u201enutzbarer Raum\u201c ist, so wird der Grund klar: 1.250 Tonnen sind Ballastwasser!<\/p>\n<p>F\u00fcWES und Bewaffnung werden aus den USA kommen, das ist gesetzt, denn die RAN ist durch das bilaterale Kooperations-Abkommen von 2001 enger als jede andere Marine mit der US-Navy verbunden \u2013 und das soll so bleiben. Die australische U-Boot-Waffe erlangte auf diesem Weg quasi den Status eines Juniorpartners der amerikanischen mit all den damit verbundenen Privilegien. Wie schon beim \u201eReplacement Combat System\u201c, mit dem die US-Navy zusammen mit amerikanischen Firmen vor 10 Jahren half, das nie funktionsf\u00e4hig fertig entwickelte System der COLLINS-Klasse abzul\u00f6sen und die Boote aus der Dauerkrise zu f\u00fchren, wird auch das FSM ein aufdatiertes AN\/BYG-1 erhalten. Dabei handelt es sich um das Standard-F\u00fcWES der nuklearen Angriffs-U-Boote (SSN), das in Zusammenarbeit mit der RAN f\u00fcr den konventionellen U-Boot-Einsatz adaptiert wurde. Der Torpedo Mk 48 und der Flugk\u00f6rper Sub-Harpoon, ggf. sogar erg\u00e4nzt um die Option zum Einsatz des Marschflugk\u00f6rpers Tomahawk, werden das FSM zu einer nahtlos mit der US-Navy interoperablen Plattform machen.<\/p>\n<h3>Technische Optionen und politische Grabenk\u00e4mpfe um das gr\u00f6\u00dfte U-Boot-Exportgesch\u00e4ft aller Zeiten<\/h3>\n<p>Auch die Japaner werden aus o.a. Gr\u00fcnden keinen \u201eEntwurf von der Stange\u201c anbieten k\u00f6nnen, sondern m\u00fcssen eine neue, vermutlich evolution\u00e4r aus SORYU (w\u00f6rtlich \u201eBlauer Drachen\u201c) entwickelte L\u00f6sung vorlegen. Informierte Kreise gehen davon aus, dass Japans Bauwerften KHI\/MHI bereits an einer ert\u00fcchtigten SORYU-Variante, die GORYU (w\u00f6rtlich \u201eAustralischer Drachen\u201c) hei\u00dfen wird, arbeiten. Ende 2014 wurde bekannt, dass die letzten vier der insgesamt 10 Einheiten umfassenden SORYU-Klasse \u2013 beginnend ab Zulauf 2016 \u2013 nicht mehr als Hybrid-Boote mit Stirling-AIP, sondern ausschlie\u00dflich mit Lithium-Ionen-Batterien ausger\u00fcstet werden. Es liegt nahe, dass der im Vergleich zur Brennstoffzelle niedrige Wirkungsgrad und die \u201eSperrigkeit\u201c der Stirlingmotoren die operativen Erwartungen nicht erf\u00fcllt haben. Deshalb beobachtet die Fachwelt gespannt, ob auch der GORYU-Entwurf auf AIP verzichten wird, zumal die Japaner mit einer U-Boot-tauglichen Brennstoffzelle noch nicht aufwarten k\u00f6nnen. Einen technischen Vorteil gegen\u00fcber den Europ\u00e4ern haben die japanischen Wettbewerber schon sicher: Die Zusage aus den USA zum Einbau des amerikanischen F\u00fcWES liegt vor.<\/p>\n<p>Eine aufgrund der passenden Bootsgr\u00f6\u00dfe von SORYU mindestens seit 2012 als Kandidat f\u00fcr SEA 1000 ins Auge gefasste \u201eOption J(apan)\u201c erhielt im Fr\u00fchjahr 2014 als ein Ergebnis des Besuches von Premierminister Abbott in Tokyo Momentum und stellt auch kein rechtliches Problem mehr dar, seit die Regierung von Premierminister Abe am 1. April letzten Jahres per Gesetz das rigide japanische R\u00fcstungsexportverbot lockerte. Die USA, interessiert am Zustandekommen einer strategischen Dreier-Allianz, unterst\u00fctzten den Ansatz der beiden Premiers, hie\u00df es aus informierten Kreisen.<\/p>\n<p>Im Juli 2014 unterzeichneten die Premierminister Abbott und Abe pers\u00f6nlich ein bilaterales R\u00fcstungsrahmenabkommen, womit ein U-Boot-Deal nun auch politisch grunds\u00e4tzlich machbar erschien. Dar\u00fcber hinaus w\u00fcrde, so die Botschaft Abbotts an die Adresse der Labour-Opposition, mit einer Realisierung des Deals die drohende F\u00e4higkeitsl\u00fccke ab 2025 geschlossen werden k\u00f6nnen, die wegen der Verschleppung des U-Boot-Programms w\u00e4hrend der Labour-Regierungsjahre zu entstehen drohte. Das Wort vom \u201eCaptain's Pick\u201c, dem Deal unter M\u00e4nnerfreunden, machte die Runde. Als Pr\u00e4sident Obama am Rande des G20-Gipfels in Brisbane auch noch ein trilaterales Treffen mit Abe und Abbott durchf\u00fchrte, erhielten die Ger\u00fcchte um den amerikanischen Segen zum U-Boot-Gesch\u00e4ft mit Japan weiteren Auftrieb.<\/p>\n<p>Als kurz darauf jedoch klar wurde, dass Tokyo als Neuling im Export von Gro\u00dfwaffensystemen einen Bau der H\u00fcllen in Japan voraussetzte und sich allenfalls auf eine Endausr\u00fcstung der Boote in Australien einlassen w\u00fcrde, hatte Abbott ein Problem: Sein Wahlkampfversprechen, das FSM w\u00fcrde \u2013 wie schon COLLINS \u2013 auf der heimischen Werft \u201eAustralian Submarine Corporation\u201c (ASC) gebaut, war unter \u201eOption J\u201c nicht zu halten. Die Labour-Opposition, die Gewerkschaften, die Gegner eines SORYU-Deals in der aktiven und pensionierten U-Boot-Community und alle Verfechter des Erhalts der m\u00fchsam aufgebauten Werftkapazit\u00e4ten erhielten Oberwasser, die Medien befeuerten die Debatten und die potenziellen europ\u00e4ischen Wettbewerber konnten wieder hoffen. Als dann auch noch Verteidigungsminister Johnston der Lapsus unterlief, er w\u00fcrde ASC \u201enicht einmal den Bau eines Kanus zutrauen\u201c, musste er zum Jahresende 2014 den Hut nehmen. Nachfolger Andrews ruderte zur\u00fcck, Abbott selbst dementierte dass jemals ein \u201eCaptain's pick\u201c beabsichtigt gewesen sei und stellte einen fairen, noch zu konkretisierenden Wettbewerb in Aussicht, auch wenn von einem offenen Bieterverfahren (open tender) wegen des mehrj\u00e4hrigen Zeitbedarfs und der dann um so mehr drohenden F\u00e4higkeitsl\u00fccke Abstand genommen werden m\u00fcsse. Ergebnis war schlie\u00dflich die Bekanntmachung vom 20. Februar 2015 zum \u201ecompetitive evaluation process\u201c. Damit sind Frankreich und Deutschland wieder klar im Rennen.<\/p>\n<p>Frankreichs U-Boot-Werft DCNS beabsichtigt, die Parameter mit einer nicht-nuklearen Version der BARRACUDA-Klasse (ca. 5.000 t) zu erf\u00fcllen. Die politische Unterst\u00fctzung aus Paris wird auf jeden Fall gewohnt skrupellos und effizient erfolgen, wie das die deutschen U-Boot-Bauer schon bei ihren Niederlagen in Indien und Brasilien bitter erfahren mussten.<\/p>\n<p>Aber auch in Berlin scheint man erkannt zu haben, dass ein R\u00fcstungsgesch\u00e4ft mit dem NATO-\u00e4quivalenten Australien nicht das hierzulande stets abrufbare Skandalisierungspotenzial besitzen d\u00fcrfte. Jedenfalls war sich Bundeskanzlerin Merkel nicht zu schade, bei jenem Brisbane-Gipfel Kollege Abbott zu verdeutlichen, dass die Bundesregierung die deutsche Industrie nicht nur uneingeschr\u00e4nkt unterst\u00fctze, sondern sogar \u201ef\u00fcr eines der gr\u00f6\u00dften R\u00fcstungsexportgesch\u00e4fte der deutschen Geschichte k\u00e4mpfe\u201c, wie DER SPIEGEL im Heft 5\/2015 schrieb. Merkel habe au\u00dferdem mit Blick auf den japanischen Wettbewerber den australischen Premier darauf hingewiesen, dass Deutschland politisch neutral agieren k\u00f6nne, w\u00e4hrend Japan unter Spannungen mit China leide. \u201eDamit haben sie recht\u201c, soll Abbott geantwortet haben; China ist Australiens gr\u00f6\u00dfter Handelspartner. Der Sprecher Abbotts lehnte jeden Kommentar ab, aber in den australischen Medien wurde ein Politikprofessor der \u201eAustralian National University\u201c (ANU) mit den Worten zitiert, Dr. Merkel habe eine \u201eastute\u201c Beobachtung gemacht \u2013 was mit \u201escharfsinnig\u201c, aber auch mit \u201egerissen\u201c \u00fcbersetzt werden kann und weiter: \u201eMit dem Kauf eines japanischen <strong>U-Bootes<\/strong> ist [wg. China] ein Risiko verbunden, das einfach nicht existiert, wenn man ein deutsches kauft\u201c.<\/p>\n<p>Deutschlands TKMS jedenfalls wird sich mit dem Typ <strong>216<\/strong> dem \u201ecompetitive evaluation process\u201c gegen BARRACUDA und GORYU stellen. Der speziell f\u00fcr das Leistungsprofil von SEA 1000 entwickelte Entwurf ist schon seit 6 Jahren in Bearbeitung und <strong>HDW<\/strong> legte ihn erstmals als Antwort auf den bereits Ende 2008 unter der damaligen Labour-Regierung angefragten \u201eRequest for Information\u201c (RFI) im April 2009 vor. Nach damaliger Planung sollte der strukturierte Prozess Ende 2011 die vier rein europ\u00e4ischen Wettbewerber auf zwei reduzieren und Ende 2013 den Sieger einer \u201eVorentwurfs-Phase\u201c ermitteln, bis 2016 dann die vertragliche Entwurfsphase und anschlie\u00dfend der Bauvertrag gefolgt w\u00e4ren. Das bedeutet: Der jetzt anlaufende Evaluierungswettbewerb ist im Vergleich dazu \u201equick and dirty\u201c und das Gesamtvorhaben mithilfe dieses Verfahrenstricks \u201enur\u201c um zwei Jahre im Verzug. Es ist davon auszugehen, dass <strong>U216<\/strong> \u00fcber die Jahre weit mehr verfeinert wurde, als dies f\u00fcr einen Grobentwurf erforderlich w\u00e4re, wie er jetzt im \u201ecompetitive evaluation process\u201c gefragt ist. Die Deutschen haben damit gegen\u00fcber den Franzosen keinen Vorteil, denn auch an DCNS ging derselbe RFI, sehr wohl aber gegen\u00fcber den Japanern, die unter erheblichem Zeitdruck GORYU entwerfen m\u00fcssen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3860\" aria-describedby=\"caption-attachment-3860\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3860 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Genereller-Ueberblick-ueber-das-Waffensystem-U216-Grafik-HDW-e1606223606902.jpg\" alt=\"Genereller \u00dcberblick \u00fcber das Waffensystem U216 (Grafik:HDW)\" width=\"800\" height=\"591\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3860\" class=\"wp-caption-text\">Genereller \u00dcberblick \u00fcber das Waffensystem U216 (Grafik: HDW)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>U216<\/strong> ist ein beeindruckendes \u201ePapier-U-Boot\u201c: 4.000 Tonnen \u00dcberwasserverdr\u00e4ngung, Lithium-Ionen-Batterien kombiniert mit <strong>Brennstoffzellen<\/strong>-AIP und Methanol-Reformer, ein \u201eVertical Multi-Purpose Lock\u201c, das zum Beladen mit verschiedenen Flugk\u00f6rpern ebenso geeignet ist wie zum Verbringen von \u00fcber 20 Spezialkr\u00e4ften oder zum Aussetzen von Unterwasserdrohnen. Das Boot kommt mit 34 Mann Besatzung aus und kann bis maximal 29 zus\u00e4tzliche Personen aufnehmen. Alle Mobilit\u00e4tsparameter werden erf\u00fcllt und es ist davon auszugehen, dass es gelingen wird, die Zustimmung zur Integration von amerikanischem F\u00fcWES und Waffen zu erlangen, zumal in einer Reihe von deutschen Exportbooten unterschiedlicher Empf\u00e4ngerstaaten bereits US-Bewaffnung implementiert worden ist. Lange bevor nun die Kriterien f\u00fcr den Evaluierungswettbewerb er\u00f6ffnet wurden, hatte der TKMS-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, anders als die Japaner, bei seinem Australienbesuch im Oktober 2014 schon erkl\u00e4rt, dass er kein Problem darin s\u00e4he, alle Boote bei ASC zu bauen, dass dies f\u00fcr einen Festpreis von 20 Mrd. $ m\u00f6glich sei, dass seine Firma alle Urheberrechte (IPR) an dem Entwurf halte und diese uneingeschr\u00e4nkt an Australien \u00fcbertragen werde. Mit Japan dagegen, wo die Marine und nicht die Industrie \u201eDesign Authority\u201c ist und wo es gerade beim \u201eblauen Tuch\u201c erhebliche Widerst\u00e4nde gegen jede Proliferation der U-Boot-Schl\u00fcsseltechnologie gibt, d\u00fcrfte das Thema IPR weit schwieriger werden.<\/p>\n<h3>Lehren aus dem Projekt COLLINS \u2013 Wissen f\u00fcr den Wettbewerber<\/h3>\n<p>Geschichte wiederholt sich nicht, aber die Parallelen zur Situation vor 30 Jahren lohnen einen Blick in die junge Tradition des U-Boot-Baus in Australien.<\/p>\n<p>Die 6 Boote der COLLINS-Klasse sind f\u00fcr informierte Australier Synonym f\u00fcr ein R\u00fcstungs-Desaster, \u00fcber das die Medien schritthaltend berichteten. Seit 1982 geplant, 1987 mit dem schwedischen Partner Kockums als Designer und der mit erheblichen Anstrengungen neu gegr\u00fcndeten s\u00fcdaustralischen Bauwerft ASC unter Vertrag gegangen, wurden sie zwischen 1996 und 2003 in Dienst gestellt. In der Tat litten sie schon w\u00e4hrend der Bau- und Erprobungsphase unter nicht enden wollenden technischen Defekten, Zulieferengp\u00e4ssen, Materialfehlern und Rechtsstreitigkeiten zwischen den kompliziert verflochtenen Vertragsparteien. Fehlerhafte Schwei\u00dfn\u00e4hte bei den ersten noch in Schweden gefertigten Druckk\u00f6rpersektionen, instabile Dieselmotoren, vibrierende Sehrohre, Risse in den Propellern und inakzeptable, hydrodynamisch bedingte Ger\u00e4uschph\u00e4nomene waren noch vergleichsweise einfach zu l\u00f6sende Probleme.<\/p>\n<p>Die eigentliche Katastrophe war das trotz zehnj\u00e4hriger Entwicklungszeit nicht zu einem operativ verwertbaren Ergebnis gekommene F\u00fcWES der amerikanischen Firma Rockwell. Die Boote waren nicht zum Waffeneinsatz in der Lage. Schlimmer noch, selbst ungef\u00e4hrdet am Seeverkehr teilzunehmen war eine Herausforderung f\u00fcr die Besatzung, denn sicherheitsrelevante Systeme wie Sonar, Sehrohre und Radar waren in das instabile F\u00fcWES integriert. Erst der v\u00f6llige Ersatz des untauglichen Systems in der erw\u00e4hnten Zusammenarbeit mit der US-Navy brachte bis 2005 den Durchbruch und die COLLINS-Klasse wird heute den ehrgeizigen Spezifikationen im Gro\u00dfen und Ganzen gerecht.<\/p>\n<p>\u201eThe COLLINS-Class Submarine Story\u201c hei\u00dft das hervorragend recherchierte, 2008 erschienene Buch der Autoren Yule und Woolner. Jeder, der heute mit den Australiern ein U-Boot-Projekt anstrebt, sollte es kennen. Die Lekt\u00fcre gibt eine Vorstellung davon, mit welchen \u201elessons learned\u201c die Vertragspartner aus \u201eDown Under\u201c die Kooperation mit ausl\u00e4ndischen Partnern angehen werden, welche Fehler sie vermeiden und welche positiven Erfahrungen sie wiederholen wollen und vor allem: worauf sie mit Recht stolz sind. Sie haben viel Lehrgeld bezahlt, aber es handelte sich schon bei COLLINS um das ehrgeizigste U-Boot-Projekt, das je ein Land ohne eigene Bautradition wagte. Neu aufgestellt, quasi auf der gr\u00fcnen Wiese, lieferten 1.500 hoch motivierte ASC-Mitarbeiter gute Arbeit ab, denn die geschilderten Probleme waren \u00fcberwiegend entweder (schwedischen) Entwurfsschw\u00e4chen oder schlechten Unterauftragnehmerleistungen anzulasten. Immerhin war es gelungen, in weniger als 14 Jahren die 6 weltweit gr\u00f6\u00dften konventionellen <strong>U-Boote<\/strong> zu bauen und das erste 9 Jahre nach Bauvertragsunterzeichnung in Dienst zu stellen.<br \/>\nAuch wenn die Regierung Abbott offensichtlich mit der \u201eOption J\u201c den Bau au\u00dfer Landes bevorzugte, sie wird ihn vermutlich nicht durchsetzen k\u00f6nnen, denn es geht um den Erhalt des m\u00fchsam aufgebauten U-Boot-Know-hows, nicht nur f\u00fcr den Bau, sondern auch f\u00fcr Wartung und Instandsetzung \u00fcber den Lebensweg der neuen Boote. Und es geht um Arbeitspl\u00e4tze. Nat\u00fcrlich gibt es skeptische Stimmen, solche, die dem Land eine neue \u201eCOLLINS-Story\u201c ersparen wollen, denn SEA 1000 bedeutet 25 lange Jahre Bauzeit f\u00fcr 12 Boote, 18 Jahre, wenn es nur 8 Boote werden sollten. Aber SEA 1000 bedeutet auch, dass von den derzeit 2.400 Mitarbeitern bei ASC, die \u00fcberwiegend im bald zu Ende gehenden \u00dcberwasser-Kampfschiffbau besch\u00e4ftigt sind, 1.500 ihren Arbeitsplatz behalten k\u00f6nnten. TKMS tut deshalb gut daran, der Option \u201eBau im Lande\u201c in ihrem Angebot besonders sorgf\u00e4ltiges Augenmerk zu widmen.<\/p>\n<p>Bei Yule\/Woolner hei\u00dft es zu den Gr\u00fcnden, warum 1987 die schwedische Kockums mit ihrem Type 471 gegen den deutschen Typ 2000 von IKL\/<strong>HDW<\/strong> den Zuschlag erhielt: \u201e... die Deutschen waren zu konservativ in ihrem Design, und da die Schweden auf alles eingingen, was die Australier verlangten, h\u00e4tten auch die Deutschen nachziehen sollen ... aber diese Botschaft erkannten die Deutschen nicht ... sie wollten die Grundforderungen erf\u00fcllen und \u00fcber den Preis gewinnen ... F\u00fcr Kockums bedeutete der m\u00f6gliche Deal mit Australien die Rettung der Firma, w\u00e4hrend er f\u00fcr <strong>HDW<\/strong> nur einer von vielen Exportprojekten war.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_4171\" aria-describedby=\"caption-attachment-4171\" style=\"width: 860px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-4171 size-full\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bildschirmfoto-2020-11-26-um-11.50.34.jpg\" alt=\"COLLINS-Klasse, Type 471 der schwedischen Kockums-Werft, gebaut bei ASC , Adelaide\" width=\"860\" height=\"288\" srcset=\"\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bildschirmfoto-2020-11-26-um-11.50.34.jpg 860w, \/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bildschirmfoto-2020-11-26-um-11.50.34-300x100.jpg 300w, \/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bildschirmfoto-2020-11-26-um-11.50.34-768x257.jpg 768w, \/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bildschirmfoto-2020-11-26-um-11.50.34-750x251.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 860px) 100vw, 860px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4171\" class=\"wp-caption-text\">COLLINS-Klasse, Type 471 der schwedischen Kockums-Werft, gebaut bei ASC , Adelaide (Grafik: ASC)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Propagandakrieg um den Zuschlag f\u00fcr SEA 1000 hat schon lange begonnen. Den Japanern werden un\u00fcberbr\u00fcckbare kulturelle Unterschiede und mangelnde Exporterfahrung vorgeworfen, den Deutschen, dass sie noch nie ein derart gro\u00dfes Boot realisiert h\u00e4tten. TKMS ist gut beraten, keine Kosten zu scheuen, um an der Medienfront die Nase vorn zu haben und sich starke politische Flankierung zu sichern. 1987 waren die Schweden auch an dieser Front die Besseren und ein traditionell germanophobes britisches Blatt konnte unwidersprochen titeln: \u201eDeutsche <strong>U-Boote<\/strong> verkaufen sich wie japanische Autos\u201c, was damals noch herabsetzende Bedeutung hatte und auf billige und minderwertige Massenware anspielte.<\/p>\n<p>Eines ist sicher: Wer sich bei SEA 1000 durchsetzt und mit Australien das FSM realisieren darf, wird den nicht-nuklearen U-Boot-Markt bis in die Jahrhundertmitte hinein dominieren.<\/p>\n<p>Kapit\u00e4n z. See a.D. Wallner war w\u00e4hrend des Wettbewerbs um COLLINS 1986\/87 Referent f\u00fcr U-Boot-R\u00fcstung im F\u00fc M VII. Als SEA 1000 ab 2008 begann, war er Referatsleiter f\u00fcr Unterwassersysteme in der R\u00fcstungsabteilung des BMVg,und in die amtsseitige Unterst\u00fctzung der deutschen Industrie eingebunden.<\/p>\n<p>Autor: Raimund Wallner<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Australien er\u00f6ffnet Wettbewerb um weltweit gr\u00f6\u00dftes nicht-nukleares U-Boot-Projekt \u2013\u00a0Seit am 20. Februar dieses Jahres das australische Verteidigungsministerium seine \u201eStrategische Direktive des zuk\u00fcnftigen U-Boot-Programms\u201c ver\u00f6ffentlichte, steht fest, dass Frankreich, Deutschland und Japan potenzielle Partner im Projekt SEA 1000 sind, d.h. zur Entwicklung und Beschaffung von bis zu 12 neuen U-Booten f\u00fcr die Royal Australian Navy (RAN). 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