{"id":48452,"date":"2025-05-20T12:30:27","date_gmt":"2025-05-20T10:30:27","guid":{"rendered":"https:\/\/marineforum.online\/?p=45400"},"modified":"2025-09-29T20:53:31","modified_gmt":"2025-09-29T18:53:31","slug":"u-boats-the-capital-ships-of-the-baltic-sea","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marineforum.online\/en\/u-boote-die-capital-ships-der-ostsee\/","title":{"rendered":"Submarines - the capital ships of the Baltic Sea"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bereits die m\u00f6gliche Anwesenheit von Unterseebooten in einem Seegebiet bindet die gegnerischen Kr\u00e4fte. Denn ihr Kernbeitrag zur modernen Seekriegfu\u0308hrung ist eindeutig.<\/strong><\/p>\n<p>Uboote sind gleicherma\u00dfen faszinierend wie r\u00e4tselhaft. Sie verschwinden in den Untiefen der Ozeane, wirken \u00fcberraschend und ohne Vorwarnung aus dem Verborgenen, sind extrem schwierig zu finden und operieren meist allein und nur sporadisch erreichbar. Fakten, die sich auch auf absehbare Zeit nicht \u00e4ndern werden . Dieses Bild f\u00f6rdert Debatten \u00fcber deren Rolle in der modernen Seekriegsf\u00fchrung, welche - insbesondere nach einer sicherheitspolitischen Z\u00e4sur - immer wieder ausbrechen. Wie bereits in den 1950er und 1990er Jahre bildet sich derzeit erneut ein Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen<!-- ds_preview --> potentiellen F\u00e4higkeiten und akutem Nutzen. Die Entsendung in mandatierte Eins\u00e4tze (zuletzt Sea Guardian und IRINI) zeugt von einem Wunsch nach Relevanz au\u00dferhalb des \u201eklassischen\u201c Seekrieges und immer wieder widmet sich auch das Marineforum der Allzweckwaffe Uboot: Die Leistungen des 1. Ubootgeschwaders zur Weiterentwicklung der ASW wurden plakativ dargestellt und Uboote als besonders geeignete Plattform f\u00fcr Deep Precision Strike (DPS) beworben. Ans\u00e4tze um \u201ealtes\u201c Eisen neu zu schmieden. Aber bedarf es tats\u00e4chlich einer \u201eneuen\u201c Rolle f\u00fcr deutsche Uboote?<\/p>\n<p>Die Entwicklung l\u00e4uft in die falsche Richtung. Die Tendenz das Uboot in eine \u201eEier legende Wollmilchsau\u201c zu verwandeln, resultiert schlussendlich in einem Schweizer Taschenmesser ohne wirklichen Nutzen. Sie basiert auf der falschen Annahme, die Rolle der Uboote im \u201eGreat-Power-Conflict\u201c m\u00fcsste erst gefunden werden und ignoriert v\u00f6llig deren existierenden Kernbeitrag im modernen Seekrieg: offensiver Seekrieg gegen \u00dcberwasserseestreitkr\u00e4fte. Dieser muss nach der Repriorisierung auf LV\/BV zwingend Bezugspunkt jeglicher Ableitungen sein.<\/p>\n<p>Von den angesprochenen Beitr\u00e4gen zur Weiterentwicklung der UJagd profitieren vor allem die Einsatzflottille 2 und die Marineflieger. Konventionelle Uboote dagegen sind und bleiben zur offensiven UJagd nicht das Mittel der Wahl. Sie sind langsam, haben vergleichsweise geringe Auffassreichweiten und sind r\u00e4umlich extrem eingeschr\u00e4nkt. Sie k\u00f6nnen daher ohne Unterst\u00fctzung Dritter nur begrenzt gegen andere Uboote eingesetzt werden. Die These \u201edas beste Mittel gegen Uboote sind Uboote\u201c stammt aus dem Konzept zur strategischen ASW der NATO und den Einsatz atomangetriebene Jagd-Uboote gegen die sowjetische SSBN Bastion in der Barentssee (vgl. hierzu) und ist auf konventionelle Uboote nicht \u00fcbertragbar. Die Argumente f\u00fcr Uboote als DPS Plattform sind rein strategischer Natur und vernachl\u00e4ssigen die taktische und operative Ebene. Selbstverst\u00e4ndlich hat \u201edistributed lethality\u201c in Kombination mit einem \u00dcberraschungsmoment -welches exklusiv durch Uboote erreicht werden kann- Vorteile gg\u00fc. anderen potentiellen F\u00e4higkeitstr\u00e4gern auf See, an Land oder in der Luft. Dies ist jedoch der einzige! Ein Uboot hat einen sehr begrenzten Waffenvorrat und kann nur wenige Flugk\u00f6rper zeitgleich verschie\u00dfen. Dies schr\u00e4nkt die Durchsetzungsf\u00e4higkeit stark ein, verhindert den Einsatz des Ubootes f\u00fcr andere Auftr\u00e4ge -mangels Wirkmitteln- und setzt das Uboot einer erheblichen Gefahr der Vernichtung aus. Der faktische Beitrag eines konventionellen Ubootes zu DPS auf der operativen Ebene ist gering, setzt diese Hochwerteinheit einem erheblichen Risiko aus und verhindert seine Wirkung auf der taktischen und operativen Ebene im Seekrieg.<\/p>\n<figure id=\"attachment_45406\" aria-describedby=\"caption-attachment-45406\" style=\"width: 423px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-45406\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/241021-N-VW723-1854-USN-300x214.jpg\" alt=\"Perus Marine besitzt Boote der deutschen Klasse 209, Foto: US Navy\/Keenan Daniels\" width=\"423\" height=\"302\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-45406\" class=\"wp-caption-text\">Perus Marine besitzt Boote der deutschen Klasse 209, Foto: US Navy\/Keenan Daniels<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dabei ergibt sich die Rolle konventioneller Uboote im Kontext von NATO Operationen in der deutschen Schwerpunktregion Ostsee nahezu von selbst. \u201e[Seestreitkr\u00e4fte m\u00fcssen] die linke Flanke der Landstreitkr\u00e4fte der NATO in Polen und im Baltikum [\u2026] decken [\u2026] [und] durchgehend unter hoher Bedrohung [in der Ostsee] operieren.\u201c Uboote sind f\u00fcr diese Aufgabe wie gemacht. Sie sind der einzige F\u00e4higkeitstr\u00e4ger der hier nahezu ungehindert operieren und gegnerische Plattformen, ohne effektive Abwehrm\u00f6glichkeiten, vernichten kann. Im Sinne Hughes sind sie einzig in der Lage die Maxime \u201eAttack effectively first\u201c im A2\/AD Gefechtsfeld der Ostsee umzusetzen. Dies ist unabh\u00e4ngig von den technologischen Mitteln.<\/p>\n<p>Uboote wirken hierbei prinzipiell auf zwei Ebenen. Erstens kinetisch, zweitens durch ihren psychologischen Effekt auf die gegnerische F\u00fchrungsf\u00e4higkeit. Die erste Wirkweise ist evident. Ein versenktes Schiff verringert die gegnerischen F\u00e4higkeiten unmittelbar. Die zweite ist vertrackter aber grunds\u00e4tzlich m\u00e4chtiger. Die vermutete oder nachgewiesene Pr\u00e4senz eines Ubootes im Operationsgebiet hat unmittelbaren Einfluss auf die gegnerischen Handlungsm\u00f6glichkeiten. Hierdurch wird seine F\u00e4higkeit taktische und operative Ziele zu erreichen beschr\u00e4nkt und die Allokation von Kr\u00e4ften in Raum und Zeit beeinflusst. Im Indisch-Pakistanischen Krieg von 1971 hat PNS Hangor durch einen k\u00fchnen Streich die offensiven Schl\u00e4ge der Indischen Marine gegen die pakistanische Flottenbasis in Karachi beendet. Im Falklandkrieg 1982 hat das argentinische Uboot ARA San Luis im gesamten Konflikt den Einsatz der britischen Seestreitkr\u00e4fte nachhaltig beeinflusst. Die britische Marine hat durch Versenkung des schweren Kreuzers ARA General Belgrano und den hierdurch bewirkten Schock, die argentinische Marine auf einen Schlag als Akteur ausgeschaltet. Das Uboot wirkt quasi als \u201eFleet in Beeing\u201c, unterl\u00e4uft die Wirkung des A2\/AD Ansatzes, verwehrt dem Gegner effektiv selbst die Nutzung der See (Sea Denial) und entscheidet den Seekrieg \u2013 ein \u201ecapital ship\u201c.<\/p>\n<figure id=\"attachment_45405\" aria-describedby=\"caption-attachment-45405\" style=\"width: 342px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" class=\" wp-image-45405\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/2025-Bahnemann-Foto-2-300x284.jpg\" alt=\"Blick durchs Sehrohr auf ein russisches Schiff, Foto: Bw\" width=\"342\" height=\"324\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-45405\" class=\"wp-caption-text\">Blick durchs Sehrohr auf ein russisches Schiff, Foto: Bw<\/figcaption><\/figure>\n<p>Uboote haben in der Vergangenheit eine Vielzahl zus\u00e4tzlicher Aufgaben \u00fcbernommen: Aufkl\u00e4rung, Minenkrieg, Unterst\u00fctzung von Spezialkr\u00e4ften, Strike, etc. Ein Uboot kann jedoch aufgrund seiner beschr\u00e4nkten Waffenkapazit\u00e4t, personellen Ressourcen und Mobilit\u00e4t effektiv nur eine Aufgabe zur gleichen Zeit erf\u00fcllen. Es ist wie ein S\u00e4bel, von Pferd und Reiter gut platziert und richtig eingesetzt - t\u00f6dlich. Nutzt man jedoch die Klingenr\u00fcckseite oder steht weit weg vom Gegner ist die Waffe nutzlos. Ein R\u00fcckblick in die Geschichte unterstreicht diese These. Uboote erzielten operative Effekte stets dann, wenn sie gegen den gegnerischen Schwerpunkt wirken konnten. Die Priorisierung anderer Aufgaben war nie wirkungsvoll und stand in keinem Verh\u00e4ltnis zu den Einbu\u00dfen an andere Stelle.<\/p>\n<p>Was ist nun die Rolle konventioneller deutscher Uboote? Die Neutralisierung der gegnerischen Flotte, durch Vernichtung oder Androhung dieser. Es w\u00e4re fatal, wenn ein deutsches Uboot bei Kriegsausbruch, mit nur wenigen Torpedos als DPS Plattform in See steht oder in der Hoffnung ein gegnerisches Uboot zu detektieren r\u00e4umlich gebunden ist und nicht im Schwerpunkt wirken kann. Deutsche Uboote sind im Sinne Keegans die \u201ecapital ships\u201c der Ostsee!<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur Eingangsfrage: Brauchen deutsche Uboote eine \u201eneue\u201c Rolle? Nein, denn sie haben eine und diese ist nach wie vor hoch relevant. Es ist zwingend erforderlich die Ubootwaffe f\u00fcr diese Rolle zu r\u00fcsten, ihr die Mittel an die Hand zu geben, um sie in einem ver\u00e4nderten technologischen Umfeld auszuf\u00fcllen und keine Ressourcen auf nachgeordnete F\u00e4higkeiten zu verschwenden.<br \/>\nWie viele Uboote braucht man um die gegnerische Operationsf\u00fchrung zu beeinflussen? - Eins! Und zwar in See und mit dem Willen und der F\u00e4higkeit seinen Auftrag zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Lars Bahnemann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits die m\u00f6gliche Anwesenheit von Unterseebooten in einem Seegebiet bindet die gegnerischen Kr\u00e4fte. Denn ihr Kernbeitrag zur modernen Seekriegfu\u0308hrung ist eindeutig. 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