{"id":56212,"date":"2026-07-09T16:56:05","date_gmt":"2026-07-09T14:56:05","guid":{"rendered":"https:\/\/marineforum.online\/?p=56212"},"modified":"2026-07-09T16:55:52","modified_gmt":"2026-07-09T14:55:52","slug":"schattenflotte-russlands-fehmarnbelt-kira-k-soobrazitelniy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marineforum.online\/en\/schattenflotte-russlands-fehmarnbelt-kira-k-soobrazitelniy\/","title":{"rendered":"Schattenflotte Russlands: Schlagabtausch bei Fehmarn"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zeit zu handeln: Deutschland getrieben von Russlands Schattenflotte<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_3085\" aria-describedby=\"caption-attachment-3085\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bpol_see_bp25-1.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3085\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bpol_see_bp25-1-300x225.jpg\" alt=\"BP 25 &quot;Bayreuth&quot; on patrol.\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bpol_see_bp25-1-300x225.jpg 300w, \/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bpol_see_bp25-1-768x576.jpg 768w, \/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bpol_see_bp25-1-750x563.jpg 750w, \/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bpol_see_bp25-1.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3085\" class=\"wp-caption-text\">BP 25 \"Bayreuth\" on patrol. Source: Website BPol See.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Am Fehmarnbelt funkt eine russische Korvette Bundespolizei und Greenpeace zur Seite, beide n\u00e4herten sich einem sanktionierten Tanker. Der Vorfall vom 30. Juni ist kein Einzelfall, sondern H\u00f6hepunkt einer seit zwei Jahren absehbaren Entwicklung. Frankreich, Gro\u00dfbritannien und Schweden handeln l\u00e4ngst. Und Deutschland?\u00a0Am 30. Juni passierte der Roh\u00f6ltanker \u201eKira K\" (IMO 9346720) den Fehmarnbelt westgehend. Am 2007 gebauten Aframax mit \u00fcber 115.000 Tonnen Tragf\u00e4higkeit weht Panamas Flagge, Eigner ist seit 2023 die auf den Seychellen registrierte Briefkastenfirma Eastern Shipping Inc. Windward rechnet das mehrfach umbenannte und umgeflaggte Schiff der Schattenflotte zu.\u00a0Als Greenpeace-Aktivisten die \u201eKira K\" nach NDR-Angaben auf vier Schlauchbooten umkreisten und sich die \u201eBayreuth\" der Bundespolizei See n\u00e4herte, funkte die heranst\u00fcrmende Korvette \u201eSoobrazitelniy\" (Hullnummer 531): \u201eHere speaks Russian war ship 531, stay away from the Kira K\".<\/p>\n<p><strong>Zunehmend milit\u00e4risch und provokativ <\/strong><\/p>\n<p>Abgesehen von der Rigorosit\u00e4t sollte der Vorfall nicht \u00fcberraschen. Seit Fr\u00fchjahr 2024 dokumentierte diese Zeitung die Kriegsschiff-Begleitung dubioser russischer Handelsschiffe \u2013 zun\u00e4chst im Kontext des \u201eSyrien-Express\", des Nachschubwegs zwischen russischen H\u00e4fen und dem syrischen Tartus. Frachter wie \u201eSparta IV\" oder \u201eBaltic Leader\" kehrten unter Schutz russischer Kriegsschiffe in die Ostsee zur\u00fcck. Im September 2024 war von einer \u201esich verfestigenden Vorgehensweise\" die Rede. Die \u201eSoobrazitelniy\" selbst eskortierte im Dezember 2024 \u201eSyrien-Express\"-Schiffe.\u00a0Aus der Syrien-Express Vorgehensweise ist die Absicherung einer sanktionsumgehenden \u00d6l-Schattenflotte geworden. Laut Le Monde begleitet die russische Marine sie in der Ostsee inzwischen \u201ev\u00f6llig offen\". Die zivile Grauzone \u2013 abgeschaltete Transponder, wechselnde Kennungen \u2013 wird milit\u00e4risch flankiert. Im \u00c4rmelkanal feuerte die einen<\/p>\n<figure id=\"attachment_29393\" aria-describedby=\"caption-attachment-29393\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/MFO-Header-Beitrag-840x428-px-\u2013-72.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-29393\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/MFO-Header-Beitrag-840x428-px-\u2013-72-300x153.jpg\" alt=\"&quot;Admiral Grigorovich&quot; in the Baltic Sea. Photo: Michael Nitz\" width=\"300\" height=\"153\" srcset=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/MFO-Header-Beitrag-840x428-px-\u2013-72-300x153.jpg 300w, \/wp-content\/uploads\/2023\/05\/MFO-Header-Beitrag-840x428-px-\u2013-72-768x391.jpg 768w, \/wp-content\/uploads\/2023\/05\/MFO-Header-Beitrag-840x428-px-\u2013-72-750x382.jpg 750w, \/wp-content\/uploads\/2023\/05\/MFO-Header-Beitrag-840x428-px-\u2013-72.jpg 840w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-29393\" class=\"wp-caption-text\">\"Admiral Grigorovich\" in the Baltic Sea. Photo: Michael Nitz<\/figcaption><\/figure>\n<p>Tanker eskortierende Fregatte \u201eAdmiral Grigorovich\" Mitte Juni Warnsch\u00fcsse in Richtung einer britischen Yacht. Estland ver\u00f6ffentlichte Bilder von Maschinengewehren und Sandsackstellungen auf dem LNG-Tanker \u201eMarshal Vasilevskiy\". Recherchen belegen Wagner- und GRU-nahe Sicherheitskr\u00e4fte an Bord von Handelsschiffen. Funkspruch und Heranschlie\u00dfen der \u201eSoobrazitelniy\" sind keine Ausrutscher, sondern f\u00fcgen sich in dieses Muster.<\/p>\n<p><strong>Wie die Partner handeln<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Deutschland beobachtet, handeln die Nachbarn. Frankreich brachte 2026 nach eigenen Angaben vier Schattenflotten-Tanker auf, Gro\u00dfbritannien enterte am 14. Juni die \u201eSmyrtos\" im \u00c4rmelkanal, Schweden boardete seit M\u00e4rz mindestens f\u00fcnf Tanker und ordnete die Einziehung der \u201eCaffa\" an, die baltischen Staaten sagten in der Sopot-Erkl\u00e4rung sch\u00e4rferes Vorgehen zu. Die Zugriffe erfolgen vor einem enger werdenden europ\u00e4ischen Rahmen, der sich weiter ausdehnen k\u00f6nnte. Die EU listet \u00fcber 630 Schiffe, wobei Windward die \u201edark fleet\" auf \u00fcber 2.100 Einheiten beziffert.\u00a0Unumstritten ist das h\u00e4rtere Vorgehen nicht: Estland fuhr sein Engagement wegen der Eskalationsgefahr zwischenzeitlich zur\u00fcck \u2013 Marinechef Kommodore Ivo V\u00e4rk nannte das Risiko \u201etoo high\". Und die Kabelf\u00e4lle \u201eEagle S\", \u201eYi Peng 3\" und \u201eNewnew Polar Bear\" zeigten, wie z\u00e4h die rechtliche Zuordnung in internationalen Gew\u00e4ssern ist \u2013 auch Paris, London und Stockholm brauchten Zeit.<\/p>\n<p><strong>Heikle, dennoch tragf\u00e4hige Rechtslage<\/strong><\/p>\n<p>Da EU-Sanktionen keine UN-Embargo-Ma\u00dfnahmen sind, darf ein gelisteter Tanker nicht allein wegen seiner \u00d6lladung aufgebracht werden. Der Belastungspunkt ist die Flagge: Wer \u00fcber den Flaggenstaat t\u00e4uscht oder staatenlos f\u00e4hrt, verliert den Schutz der friedlichen Durchfahrt und kann nach Artikel 110 des Seerechts\u00fcbereinkommens (SR\u00dc) \u2013 in der ausschlie\u00dflichen Wirtschaftszone \u00fcber Artikel 58 \u2013 angehalten und kontrolliert werden. Darauf st\u00fctzt sich die im Dezember 2025 vom EU-Rat gebilligte Doktrin, die Beobachter als bewusste \u201eNeuinterpretation\" des Seerechts einordnen. Nicht der Sanktionsversto\u00df tr\u00e4gt den Zugriff, sondern der Verdacht der Staatenlosigkeit \u2013 im Fall der \u201eBoracay\" st\u00fctzte Paris die Anklage auf \u201ed\u00e9faut de pavillon\". Au\u00dfenminister Jean-No\u00ebl Barrot: \u201eListen allein wirkt wenig, erst der Zugriff schmerzt\".<\/p>\n<p>Wie eng die Rechtsfindung bleibt, zeigt Finnland: Das Bezirksgericht Helsinki verwarf die Anklage gegen die \u201eEagle S\"-Besatzung unter Berufung auf Artikel 97 SR\u00dc. Die urspr\u00fcnglich f\u00fcr Schiffskollisionen gedachte Norm weist die Strafgerichtsbarkeit bei einem \u201eEreignis der Schifffahrt\" allein dem Flaggen- und dem Heimatstaat zu \u2013 der K\u00fcstenstaat bleibt au\u00dfen vor. Dass das Gericht das vors\u00e4tzliche Kappen von Kabeln als solches <em>Ereignis<\/em> wertete, ist umstritten. Der deutsche Fall um die \u201eEventin\" ist nur indirekt von Belang: Sie besch\u00e4digte kein Kabel und wurde nicht auf See aufgebracht. Sie trieb havariert in deutsche Gew\u00e4sser, wo der Zoll sie einzog, was letztlich gerichtlich widerrufen wurde. Zudem war sie zur Havarie <em>faktisch<\/em> l\u00e4ngst der Schattenflotte zuzurechnen, aber noch nicht EU-sanktioniert. Die Listung durch Br\u00fcssel folgte erst sechs Wochen sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Der Hebel aus Artikel 110\/58 SR\u00dc tr\u00e4gt bei sauberem Nachweis der Staatenlosigkeit, was Deutschland im Fall \u201eTavian\" (alias \u201eArcusat\") bereits nutzte. Die Bundespolizei See verweigerte dem unter falscher Flagge und gef\u00e4lschter IMO-Nummer fahrenden Tanker die Einfahrt ins K\u00fcstenmeer. Die Bundesregierung h\u00e4lt die bestehenden Befugnisse f\u00fcr \u201eausreichend\" (Drucksache 21\/6574).<\/p>\n<p><strong>Deutsche Gew\u00e4sser im Fokus<\/strong><\/p>\n<p>Die Geografie erh\u00f6ht den Handlungsdruck. Der fahrbare Tiefwasserweg f\u00fcr Gro\u00dftanker f\u00fchrt durch den Gro\u00dfen Belt und die Kadetrinne \u2013 der \u00d6resund eignet sich nicht. Deutschland liegt wie D\u00e4nemark unmittelbar am Weg des Ostsee-\u00d6ltankerverkehrs. Greenpeace z\u00e4hlte zwischen M\u00e4rz und Juni 136 Schattenflotten-Tanker, 42 davon entlang der deutschen Ostseek\u00fcste \u2013 im Vorjahreszeitraum keinen. Die von Greenpeace suggerierte Grenzverletzung liegt wegen der legalen Meerengen-Passage durch Fehmarnbelt und Kadetrinne allerdings nicht vor.<\/p>\n<p>Dabei ist Deutschland nicht unt\u00e4tig. Seit dem 1. Juli 2025 fragen Verkehrszentralen<em> ostgehende<\/em> Tanker \u2013 also die leer einlaufenden \u2013 auf H\u00f6he Fehmarn nach dem Versicherungsschutz gegen \u00d6lverschmutzungssch\u00e4den. Aufgrund des Meerengen Regimes bleibt es beim Abfragemechanismus ohne Zugriffsrechte. F\u00fcr die westgehende \u201eKira K\" trifft die Weisung des Bundesverkehrsministeriums nicht zu.<\/p>\n<p>Nach Greenpeace passierten seit dem 15. Dezember 2025 acht staatenlose Tanker elfmal die deutsche Ostsee, wobei in keinem Fall die Beh\u00f6rden an Bord gingen.<\/p>\n<p><strong>Handeln statt behandelt zu werden<\/strong><\/p>\n<p>Deutschland agiert \u2026 halbherzig \u2013 es fehlt weniger am Recht als am Willen. Dabei steigt der Druck dort, wo Deutschland die Kontrolle \u00fcber eine vielbefahrene Wasserstra\u00dfe h\u00e4tte \u2013 \u00fcbte es sie denn aus. Wer nur zusieht, \u00fcberl\u00e4sst maroden, unversicherten, teils flaggenlosen Tankern das Nadel\u00f6hr vor der eigenen K\u00fcste. Die Risiken eines h\u00e4rteren Vorgehens sind real: Boarden ist teuer, die Eskalationsgefahr bleibt. Doch Nichtstun \u00fcberl\u00e4sst Russland die Deutungshoheit und normalisiert das Geschehene. Es ist Zeit, dass Deutschland agiert \u2013 statt agiert zu werden.<\/p>\n<p><strong>Nicht mehr Frieden<\/strong><\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass die Korvette, die am Fehmarnbelt Greenpeace und Bundespolizei zum Abdrehen auffordert, die Schwelle markiert, an der aus verdeckter Sanktionsumgehung eine offene Machtdemonstration wird. Was hier geschah, tr\u00e4gt alle Merkmale hybrider Kriegf\u00fchrung: gezielt zur Einsch\u00fcchterung staatlicher wie ziviler Akteure, , milit\u00e4risch exekutiert, kalkuliert in einer Grauzone m\u00f6glicher Reaktionen und auf das Austesten unserer Reaktionsbereitschaft angelegt. Nach General Sollfrank ist Deutschland bereits Ziel (Bundeswehrtagung, November 2025).<\/p>\n<p>Wer bewaffneten Begleitschutz eines Schattenflotten-Tankers im eigenen Einflussbereich als Zwischenfall verbucht, verkennt, dass unser maritimer Hoheitsraum l\u00e4ngst Konfrontationsgebiet ist. Man muss es nicht Krieg nennen. Aber Frieden ist es auch nicht mehr.<\/p>\n<p>Text: Mergener<\/p>\n<p>Fotos. Nitz<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schattenflotte Russlands: Am Fehmarnbelt funkt eine russische Korvette Bundespolizei und Greenpeace zur Seite, beide n\u00e4herten sich einem sanktionierten Tanker. Der Vorfall vom 30. 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