{"id":56578,"date":"2026-07-28T12:31:00","date_gmt":"2026-07-28T10:31:00","guid":{"rendered":"https:\/\/marineforum.online\/?p=56578"},"modified":"2026-07-28T12:34:33","modified_gmt":"2026-07-28T10:34:33","slug":"ins-drakon-u-boot-isreale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marineforum.online\/en\/ins-drakon-u-boot-isreale\/","title":{"rendered":"INS Drakon U-Boot \u2013 Israel \u00fcbernimmt letztes Boot der Dolphin-II-Klasse"},"content":{"rendered":"<p><strong>Stille \u00dcbergabe eines Drachen: Fast unbemerkt hat TKMS das modernste U-Boot der israelischen Marine ausgeliefert. Die \u201eDrakon\u201c schlie\u00dft die Dolphin-II-Klasse ab und weist bereits auf die Dakar-Klasse hin.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_56580\" aria-describedby=\"caption-attachment-56580\" style=\"width: 506px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-56580\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/INS_Drakon_Handing_Over_to_the_Israeli_Navy_22_July_2026_19-300x200.jpg\" alt=\"Am \u00dcbergabetag lag das Boot versteckt am Ausr\u00fcstungsliegeplatz. 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Foto: Michael Nitz, Naval Press Service<\/figcaption><\/figure>\n<h4><strong>Flaggenwechsel ohne \u00d6ffentlichkeit<\/strong><\/h4>\n<p>Lediglich die Patrouille der \u201eFalsh\u00f6ft\u201c, ein Streifenboot der Wasserschutzpolizei, vor der Kieler Werft am Morgen des 22. Juli deutete auf ein ungew\u00f6hnliches Ereignis hin. Auf dem Werksgel\u00e4nde von TKMS wechselte unterdes die \u201eDrakon\u201c zur israelischen Marine. Weder TKMS noch der Kunde informierten dar\u00fcber. Am Folgetag verlie\u00df das U-Boot erstmals unter israelischer Flagge den Werftliegeplatz. Bei den Fahrten in der Kieler Bucht mit unterschiedlichen Fahrtstufen und Betriebszust\u00e4nden waren erstmals alle sechs Ausfahrger\u00e4te, zeitweise gleichzeitig, zu sehen.<\/p>\n<h4><strong>Das R\u00e4tsel im Turm<\/strong><\/h4>\n<p>Die 73 Meter lange \u201eDrakon\u201c wird der als kampfstark geltenden Dolphin-II-Klasse zugerechnet. Sie unterscheidet sich jedoch merklich von ihren Schwestern und ist eigentlich ein Einzelst\u00fcck. Die 2014 und 2016 in Dienst gestellten Boote \u201eTanin\u201c und \u201eRahav\u201c messen 68,6 Meter. Bei der seit 2012 in Kiel gebauten \u201eDrakon\u201c erhielt der Rumpf eine Verl\u00e4ngerung, auch ist der Turm gr\u00f6\u00dfer als bei den beiden Vorg\u00e4ngern.<\/p>\n<p>Die Vergr\u00f6\u00dferung der Turmsektion schafft erkennbar zus\u00e4tzliches Volumen, die internationale Fachmedien mit einer m\u00f6glichen vertikalen Startanlage f\u00fcr Flugk\u00f6rper (VLS) in Verbindung bringen. Die Spekulationen reichen von maximal drei ballistischen Flugk\u00f6rpern bis zu acht senkrecht startenden Marschflugk\u00f6rpern, untergebracht in gro\u00dfen Sch\u00e4chten oder mehreren kleineren Startzellen. Denkbar w\u00e4ren auch Vielzwecksch\u00e4chte f\u00fcr unbemannte Systeme, Aufkl\u00e4rungsmittel oder Spezialkr\u00e4fte. Weder Israel noch TKMS haben Existenz, Zahl oder Best\u00fcckung solcher Zellen best\u00e4tigt. Israels Verteidigungsministerium spricht von \u201eeinzigartigen Systemen\u201c und \u201ebahnbrechenden Technologien\u201c, ohne sie zu erl\u00e4utern. Analysen von Fotos der Erprobung deuten auf zwei \u201aSch\u00e4chte\u2018 hin.<\/p>\n<p>Nach \u201eAuftauchen!\u201c, dem Magazin des Verbands Deutscher Ubootfahrer (VDU), k\u00f6nnten die anzunehmenden senkrecht eingebrachten Startrohre in den Druckk\u00f6rper des Ubootes hineinragen, womit sich so auch Spezialkr\u00e4fte und Unterwasserdrohnen verbringen lie\u00dfen (Ausgabe 309, 2025). Zu einer \u00e4hnlichen Einsch\u00e4tzung gelangt der auf Unterwasserkrieg spezialisierte Open-Source-Analyst H. I. Sutton auf seiner Website Covert Shores.<\/p>\n<p>Zur gesicherten Bewaffnung geh\u00f6rten zehn im Bug befindliche Torpedorohre: sechs mit 533 und vier mit 650 Millimetern Durchmesser. Die gr\u00f6\u00dferen k\u00f6nnen neben Flugk\u00f6rpern auch Spezialausr\u00fcstung oder Unterwasserfahrzeuge aufnehmen. Offizielle Angaben zur einger\u00fcsteten Bewaffnung fehlen.<\/p>\n<p>International wird seit Jahrzehnten angenommen, dass Israels Dolphin-U-Boote eine seegest\u00fctzte nukleare Zweitschlagf\u00e4higkeit bereitstellen. Israel best\u00e4tigt oder dementiert weder den Besitz von Kernwaffen noch deren Stationierung auf U-Booten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_56581\" aria-describedby=\"caption-attachment-56581\" style=\"width: 596px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-56581\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/INS_Drakon_first_sortie_under_Israeli_Navy_Command_23_July_2026_192-300x200.jpg\" alt=\"Turm der INS Drakon mit ausgefahrenen Sensoren. Foto: Michael Nitz, Naval Press Service\" width=\"596\" height=\"397\" srcset=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/INS_Drakon_first_sortie_under_Israeli_Navy_Command_23_July_2026_192-300x200.jpg 300w, \/wp-content\/uploads\/2026\/07\/INS_Drakon_first_sortie_under_Israeli_Navy_Command_23_July_2026_192-1024x683.jpg 1024w, \/wp-content\/uploads\/2026\/07\/INS_Drakon_first_sortie_under_Israeli_Navy_Command_23_July_2026_192-768x512.jpg 768w, \/wp-content\/uploads\/2026\/07\/INS_Drakon_first_sortie_under_Israeli_Navy_Command_23_July_2026_192-1536x1024.jpg 1536w, \/wp-content\/uploads\/2026\/07\/INS_Drakon_first_sortie_under_Israeli_Navy_Command_23_July_2026_192-18x12.jpg 18w, \/wp-content\/uploads\/2026\/07\/INS_Drakon_first_sortie_under_Israeli_Navy_Command_23_July_2026_192.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 596px) 100vw, 596px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-56581\" class=\"wp-caption-text\">Turm der INS Drakon mit ausgefahrenen Sensoren. Foto: Michael Nitz, Naval Press Service<\/figcaption><\/figure>\n<h4><strong>Strategisches Signal<\/strong><\/h4>\n<p>Unabh\u00e4ngig von den unbekannten Details sieht die israelische Marine in der \u201eDrakon\u201c eine Erweiterung ihrer operativen M\u00f6glichkeiten. Bei der Namensgebung im November 2024 bezeichnete Marinebefehlshaber Vizeadmiral David Saar Salama das Boot als Verst\u00e4rkung des \u201elangen Arms\u201c Israels, der lange in entfernten und verborgenen R\u00e4umen operieren k\u00f6nne. \u201e\u2018Drakon\u2018 wird als Schlussstein f\u00fcr die Gew\u00e4hrleistung der Sicherheit des Staates Israel dienen, sehend und unsichtbar, in fernen und unbekannten R\u00e4umen lebend, f\u00fcr eine lange Zeit. Ein U-Boot, das ein zus\u00e4tzlicher Kr\u00e4ftemultiplikator f\u00fcr die F\u00e4higkeiten und die St\u00e4rke der Marinewaffe, der IDF und des Staates Israel ist \u2013 angesichts komplexer Herausforderungen, auf der strategischsten und wichtigsten Ebene des Staates Israel\u201c. Beobachter sehen darin eine Best\u00e4tigung der Hypothese, dass der \u201eDrakon\u201c und deren Folgeserie von drei \"Dakar\"-Booten eine gr\u00f6\u00dfere verteidigungspolitische Bedeutung zukommt, hin zu einer Zweitschlagsf\u00e4higkeit mit ballistischen Flugk\u00f6rpern.<\/p>\n<p>Die jetzige \u00dcbergabe hat vor allem r\u00fcstungs- und industriepolitische Bedeutung. F\u00fcr Israels Abschreckung, ma\u00dfgeblich gegen\u00fcber Iran, wird das Boot erst nach Herstellung seiner Einsatzbereitschaft und Stationierung vor Ort relevant.<\/p>\n<p>Unstrittig ist dagegen, dass Israel seine U-Boote f\u00fcr Operationen weit \u00fcber das \u00f6stliche Mittelmeer hinaus vorsieht. Dolphin-Boote wurden wiederholt im Golf von Aquaba\/Eilat beobachtet. Zuletzt am Sonntag, 19. Juli 2026. Ein Video von Badeg\u00e4sten wurde nach Freigabe durch die israelische Milit\u00e4rzensur ver\u00f6ffentlicht. Damit demonstriert die israelische Marine, dass sie bei Bedarf auch den Zugang zum Indischen Ozean und damit in Richtung Iran nutzen kann. Ein best\u00e4tigter Kampfeinsatz eines von einem israelischen U-Boot gestarteten Marschflugk\u00f6rpers ist \u00f6ffentlich jedoch nicht bekannt.<\/p>\n<h4><strong>Vom Drachen zum Schwertfisch<\/strong><\/h4>\n<p>Mit der \u201eDrakon\u201c endet die Dolphin-Beschaffung. Zugleich gilt das stark modifizierte Boot als technologische Br\u00fccke zu den drei bestellten Einheiten der Dakar-Klasse, die TKMS als vollst\u00e4ndig neuen, auf Israel zugeschnittenen Entwurf bezeichnet. Auch dort f\u00e4llt eine gro\u00dfe Turmsektion auf und, wie Werner Sonne aus der Beobachtung eines Modells schlu\u00dffolgert (Europ\u00e4ische Sicherheit und Technik, April 2025), achterlich des Turms \u201evier vertikale Abschussrohre\u201c. Womit Israel mit der \u201eDrakon\u201c nicht einfach ein sechstes Dolphin-U-Boot erhalten hat, sondern den Vorl\u00e4ufer seiner n\u00e4chsten U-Bootgeneration.<\/p>\n<p>Deren Produktion wurde im November 2024 zeitgleich zur Taufe der \u201eDrakon\u201c aufgenommen. Auslieferungen sind zu Beginn des kommenden Jahrzehnts vorgesehen. \u00dcber welche F\u00e4higkeiten der Schwertfisch, die deutsche \u00dcbersetzung von \u201aDakar\u2018, verf\u00fcgen wird, bleibt geheim. Geheimhaltung ist Teil der Abschreckung.<\/p>\n<p>Autoren: H. Uwe Mergener und Michael Nitz<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>INS Drakon U-Boot: Fast unbemerkt hat TKMS das modernste U-Boot der israelischen Marine ausgeliefert. 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