{"id":57343,"date":"2026-09-01T08:00:00","date_gmt":"2026-09-01T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/marineforum.online\/?p=57343"},"modified":"2026-09-01T08:26:50","modified_gmt":"2026-09-01T06:26:50","slug":"die-neue-transatlantische-balance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marineforum.online\/en\/die-neue-transatlantische-balance\/","title":{"rendered":"Die neue transatlantische Balance"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das unerh\u00f6rte Stakkato<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_57449\" aria-describedby=\"caption-attachment-57449\" style=\"width: 236px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/2026-National-Defense-Strategy-USA.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-57449\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/2026-National-Defense-Strategy-USA-236x300.jpg\" alt=\"\" width=\"236\" height=\"300\" srcset=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/2026-National-Defense-Strategy-USA-236x300.jpg 236w, \/wp-content\/uploads\/2026\/08\/2026-National-Defense-Strategy-USA-9x12.jpg 9w, \/wp-content\/uploads\/2026\/08\/2026-National-Defense-Strategy-USA.jpg 641w\" sizes=\"(max-width: 236px) 100vw, 236px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-57449\" class=\"wp-caption-text\">2026 National Defense Strategy USA<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Das zweite Amtsjahr von Trump II hat mit einem selbst f\u00fcr seine Verh\u00e4ltnisse unerh\u00f6rten Stakkato internationaler Aktivit\u00e4ten begonnen: Umsturz in Venezuela, Gr\u00f6nlandkrise, Kubablockade und schlie\u00dflich der Irankrieg. F\u00fcr Europa war die Gr\u00f6nlandkrise am bedrohlichsten, weil es um<\/strong> nicht weniger ging als die Besetzung von Teilen eines NATO-Mitgliedsstaats durch die USA. Kaum war diese Krise beigelegt, begann der Irankrieg, der die Weltwirtschaft bis heute belastet. Angesichts der Halbzeit dieser erratischen US-Pr\u00e4sidentschaft stellt sich die Frage, welche langen Linien in der amerikanischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik trotz aller Unsicherheiten zu erkennen sind.<\/p>\n<p>Die Grundrichtung ist schon seit Obamas Pivot to Asia 2011 unver\u00e4ndert. Noch \u00e4lter sind amerikanische Forderungen nach gr\u00f6\u00dferen europ\u00e4ischen Verteidigungsbeitr\u00e4gen. Stets hatte sich Europa diesem Ansinnen gegen\u00fcber meisterlich taub gestellt, und auch nach der Besetzung der Krim \u00e4nderte sich das nicht ernsthaft. Selbst nach dem russischen \u00dcberfall auf die Ukraine 2022 blieben die Konsequenzen halbherzig. Allein der Begriff Sonderverm\u00f6gen zeigte, dass es nach diesem Unfall schnellstm\u00f6glich zur\u00fcck zur Normalit\u00e4t gehen sollte.\u00a0Erst als der polternde Trump vom Verb\u00fcndeten zum potentiellen Gegner mutierte, wurde Europa wach. Es kaufte sich nicht nur mit viel Geld amerikanische Garantien ein, sondern begann eine wirkliche eigene Verteidigungsf\u00e4higkeit aufzubauen und zugleich einen gewissen Schulterschluss mit den USA zu wahren.<\/p>\n<p><strong>\"Limited Support from the US\"!<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_57448\" aria-describedby=\"caption-attachment-57448\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Presentation-Trump-Class-Foto-White-House-e1787571187383.webp\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-57448\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Presentation-Trump-Class-Foto-White-House-e1787571187383-300x208.webp\" alt=\"Vorstellung der &quot;Trump-Class&quot; Schlachtschiffe Foto: White House\" width=\"300\" height=\"208\" srcset=\"\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Presentation-Trump-Class-Foto-White-House-e1787571187383-300x208.webp 300w, \/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Presentation-Trump-Class-Foto-White-House-e1787571187383-768x532.webp 768w, \/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Presentation-Trump-Class-Foto-White-House-e1787571187383-18x12.webp 18w, \/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Presentation-Trump-Class-Foto-White-House-e1787571187383.webp 802w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-57448\" class=\"wp-caption-text\">Vorstellung der \"Trump-Class\" Schlachtschiffe Foto: White House<\/figcaption><\/figure>\n<p>Diese haben im Januar 2026 eine neue Defense Strategy ver\u00f6ffentlicht, die naturgem\u00e4\u00df bereits vor der Gr\u00f6nlandkrise entstanden ist. Sie d\u00fcrfte die Grundhaltung der besonneneren Strategen in der US-Administration zum Ausdruck bringen. Insofern ist davon auszugehen, dass sie eine gute Orientierung f\u00fcr die k\u00fcnftige Zusammenarbeit mit den USA ist. Die wesentliche Aussage dazu ist:\u00a0\u201eIn Europe and other theaters, allies will take the lead against threats that are less severe for us but more so for them, with critical but more limited support from the United States.\u201c<\/p>\n<p>Dieser Satz hat es in sich. Er kn\u00fcpft die kritische Unterst\u00fctzung durch die USA an gr\u00f6\u00dfere Leistungen der Verb\u00fcndeten. Das bedeutet nichts anderes, als dass der amerikanische Atomschirm von der Bereitschaft der Europ\u00e4er abh\u00e4ngig ist, ihrerseits die konventionelle Verteidigung ihres Kontinents weitgehend allein zu \u00fcbernehmen. Wie die Gr\u00f6nlandkrise gezeigt hat, bezieht sich das nicht nur auf den europ\u00e4ischen Kontinent selber, sondern auch auf den Nordatlantik.\u00a0Somit h\u00e4ngt der Fortbestand der Allianz davon ab, dass die Europ\u00e4er die aus dem NATO-Gebiet in Richtung Pazifik abgezogenen konventionellen US-Kr\u00e4fte kompensieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_28444\" aria-describedby=\"caption-attachment-28444\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MFO-Header-Beitrag-840x428-px-\u2013-52.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-28444\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MFO-Header-Beitrag-840x428-px-\u2013-52-300x153.jpg\" alt=\"European naval power cannot do without the German Navy: here the Charles de Gaulle aircraft carrier group with German, British and French ships, Photo: Bundeswehr\/Marine Nationale\/Cindy Luu\" width=\"300\" height=\"153\" srcset=\"\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MFO-Header-Beitrag-840x428-px-\u2013-52-300x153.jpg 300w, \/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MFO-Header-Beitrag-840x428-px-\u2013-52-768x391.jpg 768w, \/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MFO-Header-Beitrag-840x428-px-\u2013-52-750x382.jpg 750w, \/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MFO-Header-Beitrag-840x428-px-\u2013-52.jpg 840w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-28444\" class=\"wp-caption-text\">Europ\u00e4ische Seemacht: Flugzeugtr\u00e4gerverband<br \/>Charles de Gaulle mit deutschen,<br \/>britischen und franz\u00f6sischen Schiffen, Foto: Marine Nationale\/Cindy Luu<\/figcaption><\/figure>\n<p>Schon fr\u00fch wurde \u00fcber den Abzug von etwa 5000 Heeressoldaten aus Deutschland berichtet. Au\u00dferdem wurde die zuvor angek\u00fcndigte Stationierung von Tomahawk-Marschflugk\u00f6rpern gestoppt. Bei den \u00fcbrigen Kr\u00e4ften handelt es sich im Wesentlichen um solche Luft- und Seestreitkr\u00e4fte, die in der indopazifischen Region gegen den Rivalen China ben\u00f6tigt werden.\u00a0Die Anzahl der Jagdflugzeuge und Tanker sinkt um ein Drittel, die der strategischen Bomber um die H\u00e4lfte. Ein Drittel der Seefernaufkl\u00e4rer wird abgezogen und au\u00dferdem das einzige Atom-U-Boot mit Marschflugk\u00f6rpern. Schlie\u00dflich wird eine Flugzeugtr\u00e4gergruppe in den Pazifik verlegt einschlie\u00dflich ihrer Flugzeuge und Geleitfahrzeuge, d.h. acht von 17 AEGIS-Zerst\u00f6rern f\u00fcr die Luftverteidigung.\u00a0Diese K\u00fcrzungen sind bereits eingeleitet, w\u00e4hrend die europ\u00e4ischen Bem\u00fchungen um Ersatz noch Jahre in Anspruch nehmen werden. Wie angespannt die daraus resultierende Lage ist, zeigt eine Meldung des Befehlshabers der US-Marine in Europa. Er hat nicht mehr genug AEGIS-Schiffe, um gleichzeitig die Luftverteidigung f\u00fcr Israel und Europa sicherzustellen.<\/p>\n<p><strong>Europa reagiert langsam, aber es reagiert<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_47704\" aria-describedby=\"caption-attachment-47704\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hessen-mit-Harry-S-Truman-US-Navy-Kopie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-47704\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hessen-mit-Harry-S-Truman-US-Navy-Kopie-300x200.jpg\" alt=\"German Class 124 frigates took part in the protection of US aircraft carrier groups on several occasions, photo: US Navy\/Scott Swofford\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hessen-mit-Harry-S-Truman-US-Navy-Kopie-300x200.jpg 300w, \/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hessen-mit-Harry-S-Truman-US-Navy-Kopie-1024x684.jpg 1024w, \/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hessen-mit-Harry-S-Truman-US-Navy-Kopie-768x513.jpg 768w, \/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Hessen-mit-Harry-S-Truman-US-Navy-Kopie.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-47704\" class=\"wp-caption-text\">German Class 124 frigates took part in the protection of US aircraft carrier groups on several occasions, photo: US Navy\/Scott Swofford<\/figcaption><\/figure>\n<p>Auch wenn Europa noch Zeit braucht, um diese Kr\u00e4fte zu kompensieren, so ist es doch nicht unt\u00e4tig geblieben. Deutschland hat zum Beispiel inzwischen die Tomahawk-Marschflugk\u00f6rper auf eigene Rechnung bestellt. Au\u00dferdem beteiligt es sich an einer europ\u00e4ischen Initiative, um den Abzug der Tankflugzeuge auszugleichen.\u00a0Bei den Seestreitkr\u00e4ften wird sich Deutschland weder bei den Flugzeugtr\u00e4gern noch bei den Atom-U-Booten beteiligen k\u00f6nnen. Es plant jedoch bereits die Beschaffung von acht AEGIS-Schiffen. Bei den Seefernaufkl\u00e4rern werden sich die europ\u00e4ischen Nationen sicherlich ebenfalls auf eine Kompensation einigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was bedeuten diese Ver\u00e4nderungen f\u00fcr das transatlantische Verh\u00e4ltnis? Auch wenn es bisweilen so klingt, ziehen die USA ihre Kr\u00e4fte nicht aus Ver\u00e4rgerung \u00fcber die Europ\u00e4er ab. Vielmehr sehen sie sich im Pazifik einer Bedrohung gegen\u00fcber, auf die sie alle ihre verf\u00fcgbaren Kr\u00e4fte konzentrieren wollen. Anders als fr\u00fchere Regierungen droht die Trump-Administration nicht nur mit Truppenabzug, sondern sie setzt ihn um.<\/p>\n<p>Dadurch wird Europa unter Zugzwang gesetzt, seine Verteidigungsinteressen in erheblich gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe und vor allem schnell selber wahrzunehmen. Es ist gefordert, nicht nur sich selbst zu sch\u00fctzen, sondern zugleich einen erheblichen Beitrag im Nordatlantik zu leisten. Die Europ\u00e4er \u00fcbernehmen erstmals Verantwortung f\u00fcr die Sicherheit der US-Atlantikk\u00fcste, weil es den USA hierf\u00fcr schlichtweg an Kr\u00e4ften fehlt. An die Stelle eines einseitigen US-Schutzschirms tritt eine gegenseitige Abh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p>Damit gewinnt der europ\u00e4ische Verteidigungsbeitrag eine neue strategische Dimension, vorausgesetzt Europa h\u00e4lt sich an seine Versprechen. Wenn dieses Arrangement unter einer US-Regierung zu Stande kommt, die nicht f\u00fcr ihre Europafreundlichkeit bekannt ist, dann zeigt es, wie fundamental das amerikanische Interesse an einer stabilen Zusammenarbeit mit Europa in Wirklichkeit ist. Es ist an Europa, diese Gelegenheit zu ergreifen.<\/p>\n<p>Karsten Schneider, Pr\u00e4sident des Deutschen Maritimen Instituts<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Transatlantische Balance: Das zweite Amtsjahr von Trump II hat mit einem selbst f\u00fcr seine Verh\u00e4ltnisse unerh\u00f6rten Stakkato internationaler Aktivit\u00e4ten begonnen. 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