Kieler Woche, Foto: hsc

Kieler Woche, Foto: hsc

Traditionssegler bei der Kieler Woche

Marineeinheiten aus aller Welt, Sportboote, Kreuzfahrtschiffe, Regatten, Prominenz aus Sport, Politik und Gesellschaft: aber was wäre die Kieler Woche ohne Traditionssegler?

Es sind die wahren Helden der Sportseeschifffahrt: Eigner, Skipper, Bootsleute und Vereine, die die alten Schiffe am Leben halten – und nicht nur Schwimmen ist damit gemeint – sondern sie der Öffentlichkeit zugänglich machen und dadurch etwas Geschichte in die Gegenwart holen. Es sind die alten Traditionen und handwerklichen Fertigkeiten, die Leidenschaft und die Erzählungen hinter alten Schotten, Hellegatts und Bilgen, die das historische Kulturgut so faszinierend macht. Allen Widrigkeiten zum Trotz, die Schiffe in Bewegung zu halten, halten alte Kapitäne daran fest, ihre Oldtimer von früher erzählen zu lassen: Von Stürmen, Kriegen, Havarien und Rekorden. Aber nicht nur die Reparaturbedürftigkeit, den Zeitaufwand und das Finden der Handwerker, die ihr Metier noch beherrschen, macht Schwierigkeiten. Zunächst sind es vor allem die Kosten, die solche alten Boote verursachen. Daher werden Ausfahrten verchartert. Deshalb suchen auch von Fern kommend Holländer und Skandinavier die Veranstaltungen auf, um damit etwas Geld in die Kasse zu bekommen. Hält man Einhundert Euro für eine Mitfahrt etwa für viel Geld? Ist es nicht, denn das reicht manchmal nur für einen „Pott“ Farbe oder Dichtungsmittel.  Und behördliche Auflagen tun ein Übriges, es den Schiffern schwer zu machen, denn Brandschutz und Sicherheitsvorkehrungen würden ohne Augenmaß den alten Schiffen schnell ein Ende setzen.

Aber es gibt Zugeständnisse und Regelungen. Wie im August 2019 die Bekanntmachung der Förderrichtlinie über Zuwendungen für den Erhalt und sicheren Weiterbetrieb der Traditionsschifffahrt durch das BMDV (Bundesministerium für Digitales und Verkehr). Diese Förderrichtlinie benennt Anreize für eine Umsetzung von Bau- und Ausrüstungsmaßnahmen auf Traditionsschiffen. Es soll das Wissens- und Kulturgut „Traditionsschiff“ dauerhaft erhalten und ein angemessenes Sicherheitsniveau schaffen. Trotzdem ist der Fortbestand gefährdet, seit 2019 sind schätzungsweise 30 bis 40 Traditionsschiffe verloren gegangen. Daran sind nicht nur behördliche Auflagen Schuld, auch bürokratische Hürden und die Corona Pandemie. Umso schöner, dass die Redaktion marineforum auf der „Nordwind“ mitsegeln durfte. Hier ein paar Eindrücke von der alten Ketsch. Die „Nordwind“ gehörte zu einer geplanten Serie von Kriegsfischkuttern, die als Vorposten- und Warnboote eingesetzt werden sollten. Mit Eiche beplankt und als Ketsch getakelt, wurde die Nordwind 1945 bei der Burmester Werft Bremen auf Kiel gelegt, 1948 fertiggestellt und 1951 vom neuen Seegrenzschutz erworben, der sie als Schulboot nutzen wollte. Da es damals weder eine Deutsche Marine und daher auch noch keine „Gorch Fock“ gab, wurde sie auch protokollarisch genutzt, z.B. durch Bundespräsident Theodor Heuss 1953 während der Kieler Woche. Seit über 70 Jahren ist die "Nordwind" also ständiger Gast in Kiel. Als 1956 die Bundesmarine aufgestellt wurde, ging die „Nordwind“ zur Marine und wurde von 1958 bis 2006 an der Marineschule Mürwik als Segelschulschiff für Offizieranwärter eingesetzt. Auf Druck des Bundesrechnungshofes musste die Ketsch dann außer Dienst gestellt werden. Zwischen der Deutschen Marine und dem Militärgeschichtlichen Forschungsamt bestand Einvernehmen, dass man die "Nordwind" erhalten müsse, deshalb übernahm das Deutsche Marinemuseum Wilhelmshaven das Schiff und betreibt es bis heute. Den Traditionssegler mit seiner ehrenamtlichen Besatzung kann man für Tagesfahrten und mehrtägige Touren chartern. Schauen Sie auch hier mal rein – bei unseren Freunden vom Deutschen Marinemuseum: www.marinemuseum.de

Zwei weitere lesenswerte Artikel zur „Nordwind“ finden Sie hier:
 
 

Fotos: hsc

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