USA und China: Tauziehen um die Insel Taiwan

USA und China: Tauziehen um die Insel Taiwan

USA und China: Tauziehen um die Insel Taiwan

Flugzeugträger und Sperrgebiete: USA und China lassen im Tauziehen um die Insel Taiwan ihre "Muskeln" spielen.

Nach den mittlerweile unterbrochenen chinesischen Militärübungen in der Taiwanstraße und um den Inselstaat herum (mit scharfer Munition – worauf man immer wieder gerne hingewiesen hat) versichert nun auch die amerikanische Seite, gerade dort nicht auf ihre üblichen Freedom-of-Navigation-Operations (FONOPS) verzichten zu wollen. Anfang August bestätigte das Pentagon, dass in den kommenden Wochen die Fahrten der U.S. Navy durch umstrittene internationale Gewässer zum „Schutz der Freiheit der Schifffahrt“ weiter erfolgen sollen. Derzeit ist aber die Gesamtsituation auch durch den nicht unumstrittenen Taiwan-Besuch der Parlamentsführerin der Demokraten im US-Kongress, Nancy Pelosi, so aufgeheizt wie noch nie.

USA und China: Tauziehen um die Insel Taiwan

USS Ronald Reagan (CVN 76) im Pazifischen Ozean. Foto: U.S. Navy

Amerikanische Kräfte

Flankiert vom amphibischen Angriffsträger USS Tripoli steht die Trägergruppe der USS Ronald Reagan im Seegebiet zwischen Japan und Taiwan, im japanischen Stützpunkt Sasebo selbst soll sich die Expeditionary Strike Group der USS America befinden.

 

 

USA und China: Tauziehen um die Insel Taiwan

Taiwanesische Neubau-Korvette "Tou Jiang" bei Probefahrten. Foto: RoC-MoD

Innovation bei der Marine Taiwans

Taiwans Marine macht sich den Vorteil der Innovation in kleinem Rahmen zunutze und erprobt derzeit weiter seinen Korvetten-Neubau „Tou Chiang“ auf der Basis einer katamaranähnlichen Doppelrumpf-Plattform. Etwas klein geraten, aber schnell, wendig und kompakt. Bei dem immer wieder gezeigten Einfallsreichtum der taiwanesischen Schiffbauer wird in dem Rupf alles verpackt sein, was in Küstengewässern gebraucht wird und was die exponierte Lage der Insel benötigt.

Chinesisches Vorgehen

China seinerseits hält die beiden verfügbaren Träger “Liaoning“ und „Shandong“ im Gebiet, diese waren aber bisher noch nicht in die Übungen eingebunden, sollen es aber in der nächsten Stufe der Eskalation. Dabei muss festgehalten werden, dass China seine Übungsgebiete in internationalen Gewässern derart platziert, dass sie – zeitweise als Sperrgebiete erklärt – die freie Zufahrt zur Insel Taiwan von Osten her deutlich einschränken, wenn nicht sogar blockieren. Dies wären nämlich die Routen einer eventuellen amerikanisch geführten Unterstützung der demokratisch regierten Insel im Ernstfall, und das will China unter allen Umständen verhindern. Und was die FONOPS der U.S. Navy angeht, so werden die Grenzen der chinesischen Sperrgebiete an Ein- und Ausgang der Taiwanstraße so gezogen, dass nur noch die Hoheitsgewässer frei bleiben – wenn überhaupt. Nun heißt das nicht, dass man in diese Gebiet auf keinen Fall hineinfahren dürfte, aber es könnte dort ohne Warnung Munition eingesetzt werden, was ohne erklärten Kriegszustand natürlich rechtlich umstritten ist. Aber wen interessiert das, wenn es wirklich zur kriegerischen Auseinandersetzung gekommen ist. Ein neuer taktischer Zug zur effektiven Störung der Sperrungen wäre auch der Einsatz von Fischereifahrzeugen in größeren Gebinden – wie erst Anfang des Jahres vor Irland gezeigt. Allerdings liegt da ganz deutlich der Vorteil auf chinesischer Seite mit den schier unerschöpflichen Beständen an milizartig organisierten, staatlichen Fischfang-Geschwadern.

Internationales Gewässer

USA und China: Tauziehen um die Insel Taiwan

Amphibischer Angriffsträger USS America (LHA 6) versorgt von der USNS Washington Chambers (T-AKE 11). Foto: U.S. Navy

China wiederholt gebetsmühlenartig, dass die etwa 100 Kilometer breite Taiwanstraße aus seiner Sicht keine internationale Wasserstraße sei, sondern als chinesische Territorialgewässer betrachtet werden müssten. Nach dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen vom Dezember 1982 bleiben aber 55 Kilometer Internationalität zwischen den Hoheitsgebieten. China hat das SRÜ ratifiziert – Taiwan und die USA übrigens nicht. Auch nicht zur Entschärfung beitragen können derzeit die amerikanisch-chinesischen Gesprächskanäle auf Regierungs- und Marineebene, die nach Pelosis Besuch schlagartig eingefroren sein sollen. Im Schatten des russischen Ukraine-Krieges und den damit verbundenen Verschiebungen der strategischen Einschätzung von Russlands militärischer Stärke eröffnen sich Spielräume für folgenreiche Über- und Unterschätzungen.

Simulation der Vernichtung

Kritiker in dieser Situation warnen bereits, dass die bisher lediglich vorhandene Möglichkeit einer militärischen Auseinandersetzung USA-China nun zu einer Wahrscheinlichkeit geworden sei. Um die Dimensionen einer solchen Konfrontation abzuschätzen habe die Asien-Abteilung der Londoner Denkfabrik International Institute of Strategic Studies (IISS) ein vierwöchiges Szenario (ohne Einsatz von Atomwaffen) durchgerechnet und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass dies die verlustreichste Auseinandersetzung der USA seit dem Zweiten Weltkrieg werden könnte. Das Wall Street Journal berichtete darüber. Im erweiterten Dreieck China-Japan-Guam würden die USA die Hälfte ihrer schwimmenden und fliegenden Verbände verlieren und China einen entsprechenden Umfang – wobei dann auf chinesischer Seite keine nennenswerten Kampfbestände mehr übrig wären. Das würde natürlich die Kräfteverteilung global und vor allem regional erheblich verschieben – ganz neue Player würden auf der Bildfläche erscheinen! Soweit zum Material – verlorenes Leben wurde nicht berechnet, oder wohl eher: nicht benannt. Also wozu das ganze festlandchinesische Theater um Taiwan zum jetzigen Zeitpunkt, wo die Marine noch nicht volles Potenzial erreicht hat? Eine Milchmädchenrechnung mit höchstem Einsatz! Das wird es auch noch eine Zeit lang so bleiben.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.