Im Februar 2026 legte das Containerschiff „Zhifei" im automatisierten Terminal von Qingdao (China) unter autonomer Navigation an. Nach Unternehmensangaben von dem Entwickler und Betreiber Navigation Brilliance, absolvierte das Schiff erstmals einen vollständig unbemannten End-to-End-Hafenprozess – von Navigation und Positionierung über das Festmachen bis zum Containerumschlag.
Ein Vakuum-Festmachersystem fixierte die „Zhifei" mit Saugnäpfen innerhalb von weniger als 30 Sekunden am Liegeplatz; das Festmachen mit Leinen durch eine Besatzung entfiel. Anschließend steuerten das Automated Terminal Operating System (A-TOS) und das Automated Equipment Control System (A-ECS) die automatisierten Portalkräne und fahrerlosen Transportfahrzeuge des Terminals. Das rund 110 Meter lange Feederschiff fasst 300 TEU und verfügt über einen vollelektrischen Antrieb. Die Kapazität der Batteriezellen wurde nach Angaben des Herstellers von etwa 50 auf 80–90 Amperestunden gesteigert.
Das Schiff kann manuell, ferngesteuert oder unbemannt autonom betrieben werden. Als Demonstrations- und Erprobungsschiff dient die „Zhifei" der Weiterentwicklung autonomer Systeme, die künftig auch auf größeren Containerschiffen zum Einsatz kommen sollen. Damit zeigt sie das Potenzial einer integrierten autonomen Logistik auf.
Für die deutsche und europäische Hafen- und Marineplanung wirft diese Entwicklung zugleich neue Fragen auf. Mit zunehmender Automatisierung müssen die Schnittstellen zu militärischen Nutzern, die Kompatibilität mit automatisierten Liegeplätzen sowie die Verfügbarkeit digital vernetzter Hafeninfrastrukturen permanent neu bewertet werden. Im Krisen- und Verteidigungsfall gewinnen dabei Cybersicherheit und Resilienz weiter an Bedeutung: Hafenprozesse werden zunehmend von digitalen Steuerungs- und Kommunikationssystemen abhängig. Auch die Auswirkungen autonomer Logistik auf militärische Bewegungen, Personalbedarf und die Verfügbarkeit logistischer Knotenpunkte sind weiterzuentwickeln. Die „Zhifei" steht damit nicht für eine unmittelbar übertragbare Lösung für europäische Häfen, aber sie illustriert einen grundlegenden Wandel an der Schnittstelle von Schiff und kritischer Hafeninfrastruktur, so wie es die Nationale Hafenstrategie von 2024 beschreibt.
kdk, iMarine, The Maritime Executive

