China's secret navy - a Deutsche Welle report in English. Photo: DW

China's secret navy - a Deutsche Welle report in English. Photo: DW

China's fishing militia as a power-political factor

Während im Nahen Osten die Präsidenten der USA und Israels die Luft brennen lassen, verändert China fernab im Ostchinesischen Meer mit seiner maritimen Miliz aus tausenden von paramilitärisch besetzten Fischerbooten zeitweilig die Topografie ganzer Seegebiete. Zwischen Taiwan und Japan – mitten in der East China Sea (ECS) – ließ die chinesische Marine mit Hilfe von etwa 2.000 ziemlich baugleicher Fischereifahrzeuge in einer Art „Ocean Flashmob“ eine 300 Seemeilen lange Nord-Süd-Linie entstehen, die sich sehr gut aus dem Weltall beobachten ließ. Wie ein ferngesteuerter Insektenschwarm konzentrierten sich am 26. Dezember 2025, am 11. Januar und am 3. März 2026 tausende Boote auf oder nahe der chinesisch-japanischen Trennlinie der Wirtschaftszonen und formten eine präzise gezogene Linie wie eine undurchdringlich erscheinende Barriere auf der Meeresoberfläche. Diese „Ocean Wall“ darf man als Übung und durchaus auch als Demonstration der Machbarkeit einer „groß angelegten, militärisch koordinierten Operation“ betrachten.

Satellitenauswertung der Schiffsbewegungen am 26. Dezember 2025. Grafik: ingeniSPACE
Satellitenauswertung der Schiffsbewegungen am 26. Dezember 2025. Grafik: ingeniSPACE

Solange es um Fischfang geht, ist ein solches Verhalten nach dem Japanisch-Chinesischen Fischerei-Abkommen nicht illegal, aber die „kleinen blauen Männchen“ hatten in dieser halbmilitärischen Grauzonen-Operationen wohl eine ganz andere Absicht, die sehr viel mehr mit den chinesischen Machtansprüchen gegenüber Taiwan und den südlichen Ausläufern Japans, den Senkaku-Inseln, zu tun hat. Nach internationalem Recht japanischer Verwaltung zugeordnet, ist China sehr daran gelegen, diese fünf versprengten und unbewohnten Inselchen und drei Felsenriffe nordöstlich von Taiwan für sich zu beanspruchen, um einen Keil zwischen Japan und Taiwan treiben und prospektiv auch auf die Bodenschätze zugreifen zu können. Alle ausländischen Unternehmen, die in der Volksrepublik China Handel treiben, sind übrigens angewiesen, in ihren Dokumentationen diese Inseln mit dem chinesischen Namen „Diaoyu“ zu bezeichnen. 

Satellitenauswertung der Schiffsbewegungen am 11. Januar 2026. Grafik: ingeniSPACE
Satellitenauswertung der Schiffsbewegungen am 11. Januar 2026. Grafik: ingeniSPACE

Weiter südlich dieser Inseln versperrt noch die Kette der Ryukyu-Inseln (Regierungsbezirk Okinawa) den uneingeschränkten Zugang der chinesischen Marine zum offenen Pazifik. Im Hafen von Ishigaki, dem südlichsten und größten Stützpunkt der militärischen Japan Coast Guard, sind ein Dutzend von Japans substanzielleren Patrouillenschiffen stationiert. Da sie jedoch in ihrem ausgedehnten Zuständigkeitsgebiet meist einzelschiffsweise operieren, kann insbesondere die Konfrontation mit massenweise und koordiniert auftretenden, zivil markierten Schiffen zu kritischen Situationen führen. Derartige Schwärme wähnen das Recht des Stärkeren auf ihrer Seite und können jederzeit eine japanische Abwehr als bewaffneten Übergriff darstellen. Indem sie das Narrativ umkehren, sind sie in der Lage, die japanischen Kräfte ihrer legalen Handlungsmöglichkeiten im eigenen Hoheitsgebiet zu berauben. 

Wie allerdings die Doppel-Flugzeugträger-Operation der chinesischen Marine Mitte 2025 gezeigt hat,

China's aircraft carrier manoeuvre off Japan: carrier group in a double pack

geht Chinas Expansionsbewegung durchaus bis zur „Second Island Chain“ (Japan - Guam - Papua Neu Guinea) und auch darüber hinaus. So hat sie sich in der Lage gezeigt, Taiwan auch von der pazifischen Seite her zu bedrohen. Um jedoch eine derartige Zangenbewegung gesichert durchführen zu können, müssen dazu im Vorlauf alle anderen maritimen Zugangswege nach Taiwan für fremde Kräfte unpassierbar gemacht werden – möglichst unterhalb einer Eskalationsschwelle (Grauzone), kostengünstig und jederzeit verfügbar. Hier kommt die Maritime Militia zum Tragen. Was diese als paramilitärischer Anteil der chinesischen Streitkräfte zu bewirken in der Lage ist, hat man in den letzten zehn Jahren in der South China Sea verfolgen können. Wenn dann noch die größeren weißen Schiffe der bewaffneten China Coast Guard eingreifen, braucht es innerhalb der First Island Chain keine reguläre Marine mehr – die graue Marine operiert dann bereits außerhalb dieser Inselkette.

So zeigt sich die Maritime Militia Chinas in der Südchinesischen See. Foto: Philippine Coast Guard
So zeigt sich die Maritime Militia Chinas in der Südchinesischen See. Foto: Philippine Coast Guard

Die im letzten Vierteljahr mit den maritimen Flashmobs und ihrer „Ocean Wall“ unverkennbar gezeigte Drohgebärde Chinas gegenüber Japan ist eine Herausforderung für die gesamte westpazifische Region – weit über die „First Island Chain“ hinaus. Und auch nicht zu verachten: Die Boote der Maritime Militia lassen sich in kürzester Zeit aufrüsten mit fliegenden und unter Wasser einsetzbaren Drohnen sowie Sendegeräten zur Störung des elektromagnetischen Spektrums (Jamming, GPS-Spoofing, etc.). 

Das 10-Minuten-Video der Deutschen Welle (englischer Text) geht umfänglich auf die Problematik ein.

Houston – we have a problem.

ajs, dw

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