Patrouille zur Bekämpfung der Piraterie im Golf von Guinea. Foto: Marine Nationale

Patrouille zur Bekämpfung der Piraterie im Golf von Guinea. Foto: Marine Nationale

Piraterie 2026: Weltweit weniger Angriffe, Gefahr vor Somalia steigt

Gefahr vor Somalia bleibt bestehen

Die Zahl der weltweit gemeldeten Fälle von Piraterie und bewaffneten Überfällen auf Schiffe ist auf den niedrigsten Stand seit mehr als drei Jahrzehnten. Das geht aus dem aktuellen Bericht des International Maritime Bureau (IMB) der Internationalen Handelskammer (ICC) vom 15. Oktober 2026 hervor. Von Januar bis September 2026 wurden 51 Vorfälle registriert - weniger als halb so viele wie im Vorjahreszeitraum. Die erneute Zunahme der Piraterie vor Somalia zeigt jedoch, dass Seeleute weiterhin Gefahren ausgesetzt sind.meldete ICC Germany am 15. Oktober in Berlin. 

Insgesamt wurden 36 Schiffe geentert, acht entführt, vier beschossen und drei Enterungsversuche gemeldet. In 86 Prozent der Fälle gelang es den Tätern, an Bord zu gelangen. 105 Besatzungsmitglieder waren direkt betroffen, gegenüber 72 im Vorjahreszeitraum. In 53 Prozent der Vorfälle kamen Waffen zum Einsatz.

Piraterie vor Somalia bleibt ein Risiko

Somalische Piraten waren in den ersten neun Monaten des Jahres für acht Schiffsentführungen und 94 Prozent aller weltweit als Geiseln genommenen Besatzungsmitglieder verantwortlich. Die meisten der entführten Schiffe wurden mit ihren Besatzungen wieder freigegeben.

Die Vorfälle verdeutlichen, dass die Gefahr weiterhin anhält. Ende September berichteten die Behörden in Puntland, dass fünf Besatzungsmitglieder getötet und fünf weitere verletzt worden waren, bevor der unter der Flagge von Palau fahrende Produkttanker Honour 25 wieder freigegeben wurde. Das Schiff war am 21. April 2026 entführt worden. Zugleich konnten zahlreiche Schiffe, die die aktuellen Empfehlungen der Best Management Practices (BMP) umgesetzt hatten, Entführungen erfolgreich verhindern.

Rückgang in wichtigen Schifffahrtsregionen

Antipiraterie Einsatz im Golf von Guinea Foto: Marine nationale
Antipiraterie Einsatz im Golf von Guinea Foto: Marine nationale

Im Golf von Guinea wurden von Januar bis September lediglich zwei Vorfälle gemeldet. Auch in der Straße von Singapur ging die Zahl deutlich zurück, von 73 Vorfällen im Vorjahr auf 13 in diesem Jahr. Dennoch bleibt die Lage angespannt. Bei rund 70 Prozent der Vorfälle gelangten die Täter mit Schusswaffen oder Messern bewaffnet an Bord der angegriffenen Schiffe. Im indonesischen Archipel wurden sechs Vorfälle registriert, gegenüber neun im Vorjahreszeitraum. Auf den Philippinen wurden neun vor Anker liegende Schiffe geentert; im Vorjahr waren dort keine Vorfälle gemeldet worden. Das 1991 gegründete IMB Piracy Reporting Centre ist rund um die Uhr erreichbar, um Piraterie und bewaffnete Überfälle zu erfassen und bedrohte Schiffe zu unterstützen. Das IMB ruft Reeder und Kapitäne dazu auf, sämtliche Vorfälle zu melden, damit Behörden gezielt reagieren und die erforderlichen Schutzmaßnahmen ergreifen können.

Über das IMB Piracy Reporting Centre

Das Piracy Reporting Centre (PRC) des International Maritime Bureau (IMB) ist seit seiner Gründung im Jahr 1991 die zentrale, rund um die Uhr erreichbare Meldestelle für Piraterievorfälle weltweit. Es unterstützt bedrohte Schiffe, koordiniert die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden und informiert die Schifffahrt durch Warnmeldungen und E-Mail-Benachrichtigungen. Diese Maßnahmen tragen maßgeblich zur Sicherheit auf See bei. Darüber hinaus liefern die vom PRC erhobenen Daten wichtige Erkenntnisse über Umfang und Entwicklung der modernen Piraterie.

Das IMB ruft Kapitäne und Reedereien dazu auf, alle tatsächlichen, versuchten oder vermuteten Fälle von Piraterie und bewaffneten Überfällen auf Schiffe an das Piracy Reporting Centre zu melden. Eine umfassende Berichterstattung ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die zuständigen Behörden angemessene Ressourcen zur Bekämpfung der Seepiraterie bereitstellen können.

Über die Internationale Handelskammer (ICC)

Die Internationale Handelskammer (ICC) vertritt die Interessen von mehr als 45 Millionen Unternehmen in über 170 Ländern. Ihr Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für verantwortungsvolles und nachhaltiges Wirtschaften weltweit zu verbessern. Mit Interessenvertretung, praxisorientierten Lösungen und international anerkannten Standards fördert die ICC den globalen Handel, verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln und eine international abgestimmte Regulierung. Darüber hinaus zählt sie zu den weltweit führenden Anbietern von Streitbeilegungsdiensten. Zu ihren Mitgliedern gehören multinationale Unternehmen, kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Wirtschaftsverbände sowie Industrie- und Handelskammern.

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