Türkisches U-Boot Typ 209/1400 NG. Foto: Türkische Marine

Türkisches U-Boot Typ 209/1400 NG. Foto: Türkische Marine

U-Boote – Argentinien braucht eine neue Unterwasser-Komponente

Der südamerikanischen Atlantik-Marine fehlt seit gut einem Jahrzehnt eine funktionierende Unterwasser-Komponente. Nicht erst seit dem Verlust der „San Juan“ vor fast neun Jahren verkümmern die verbliebenen operativen Fähigkeiten des 40-jährigen Schwesterschiffes „Santa Cruz“ (TR 1700, 66 Meter, 2300 Tonnen getaucht) und der 50 Jahre alten „Salta“ (Typ 209/1200, 56 Meter, 1200 Tonnen).

Diverse Programme zum Weiterbau zweier halbfertiger TR-1700-Boote auf nationalen Werften oder zur Übernahme gebrauchter Boote von Brasilien oder Norwegen tauchten in den letzten Jahren immer wieder auf. Auch Neubaupläne für französische Scorpène- oder deutsche U-209-Boote machten die Runde – so auch erneut im Juni. Als hätte TKMS nicht genug Bauvorhaben in den Auftragsbüchern stehen: Der letzte Kieler Vorschlag zu drei Booten, gebaut als Typ 209NG (Neue Generation) mit neuestem Wein in alten Schläuchen, scheint in Südamerika großen Gefallen zu finden.

Das Modell hat einen den finanziellen Möglichkeiten entsprechend bescheiden kleinen Rumpf, besteht aus langjährig und international bewährter, konventioneller Technik, dazu begrenzte Waffenoptionen, aber mit neuester Systemtechnologie wie auf den großen 212CD-Booten. Und weil es auf den Helgen in Kiel und Wismar etwas eng werden könnte, wären vielleicht auch ein Technologietransfer und der Bau auf argentinischen Werften vorstellbar. Überzeugend vernünftig.

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2 responses

  1. Mit Verlaub, ziemlich unvernünftig! Es ist nicht die Zeit, Argentinien mit modernen U-Booten auszustatten oder gar der Fähigkeit, diese selbst herzustellen. Die Regierung Milei hat die Rhetorik um die „Rückeroberung“ der Falklands entscheidend verschärft, verlegt Militärstützpunkte, rüstet auf und sucht die Unterstützung von Trump in dieser Frage. Das Thema ist kein „No-go“ mehr unter nationalistisch gesinnten Argentiniern, wie auch bei der Fussball-WM zu beobachten war. Bereits im Falklandkrieg hatte die ‚San Luis‘ (dt. Typ 209) nur knapp den englischen Träger ‚Invincible‘ nicht versenkt, weil die Besatzung die Torpedo-Lenkdrähte falsch angeschlossen hatte. Der neue britische PM Burnham ist heute auf Antrittsbesuch – als erstem EU-Land – in Berlin und lanciert daheim eine Diskussion um den Rücktritt vom Brexit. Man möchte sich die Konsequenzen gar nicht ausmalen, wenn bspw. die HMS Queen Elisabeth in einem zukünftigen Falklandkrieg durch ein U-Boot dt. Herkunft, ggf. auch noch mit einem dt. Torpedo, mit 1500 Seeleuten an Bord versenkt würde; weder vor noch nach Wiedereintritt in die EU. Bei aller Freude über Exporterfolge der dt. maritimen Industrie darf man schon mal überlegen, wen man mit solchen Waffensystemen ausstattet und was sie in den falschen Händen anrichten können. Wenn die Franzosen oder andere da keine Skrupel haben, lasst denen den Vortritt, man muss nicht alles machen. Und zur Produktionskapazitäten: „Und weil es auf den Helgen in Kiel und Wismar etwas eng werden könnte, …“ hat TKMS dieses Jahr sowohl mit Navantia also auch Fincantieri Kooperationsabkommen im Exportbootbau aufgelegt, da braucht wohl es keinen unnötigen Technologietransfer.

    1. Vielen Dank für den ergänzenden Blick auf die „dunkele Seite der Macht“. Geschäftspartner bleibt nicht immer gleich Wertepartner, – Rüstungsverkäufe beinhalten ständig dieses Restrisiko. Und wie schnell das alles kommen kann, das haben wir in den vergangenen 50 Jahren mehrfach gesehen. Argentinien wird jedoch den Aspekt der Kostengünstigkeit betonen – und da ist TKMS dann wieder schnell aus dem Rennen raus. Restrisiko hier: Südeuropäische Staatswerften. Allerdings wird man wohl auch eine ungewisse Zeit warten müssen, bis das politische Pendel seinen nationalistischen Schwung verliert und sich zur Trendwende bequemt.
      Auch der Hecht – hat recht.
      Your editorial team

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