Foto: Landnahme auf chinesisch – 2015. Mischief Reef/US-Navy

Foto: Landnahme auf chinesisch – 2015. Mischief Reef/US-Navy

Balikatan – Großübung auf den Philippinen mit Signal an China

Die amerikanisch-philippinische Großübung „Balikatan“ (deutsch: Schulter-an-Schulter) fand dieses Jahr zum Großteil wieder auf der Insel Palawan statt, vor deren Küste innerhalb der 200 Meilen-Zone wirtschaftlicher Ausschließlichkeit sich die Spratly-Inseln befinden. Es ist der hochumstrittene südliche Bogen der South China Sea, wo China eine Vielzahl von kleinsten Riffen zu großen Inseln aufgeschüttet und zu militärischen Stützpunkten mit Flugplätzen ausgebaut hat. China vertritt hier seinen vermeintlichen Gebietsanspruch mit aller Macht und schert sich nicht um internationale Schiedssprüche.

Die bis vor wenigen Jahren noch recht schwachen Seestreitkräfte der umliegenden Nationen hatten ohnehin kaum Mittel, gegen die chinesische Übermacht angehen zu können. Das ändert sich zwar derzeit erkennbar, und auch die Marinekräfte des Inselstaates wachsen zügig auf – es dürfte aber gerne noch schneller gehen. Hier setzt das von den USA, Australien und Neuseeland unterstützte Manöver an, das die Philippinen befähigen soll, zumindest einen Teil ihres Anspruchs geltend zu machen.

Geübt wurden die Abwehr von Anlandungen und von Drohnenangriffen gegen Palawan, so, als wären es Angriffe auf eigens beanspruchtes Riffland im Südchinesischen Meer. Mit 17.000 beteiligten Soldaten – davon 10.000 US-Truppen – gehörte das Manöver zu einem der intensivsten in der Geschichte des Landes. In einer weiteren Übungsphase im Norden der Hauptinsel Luzon – nur 300 Kilometer von Taiwan entfernt – schlossen sich erstmals auch japanische Truppenteile in Stärke von 1.400 Soldaten dem Manöver an.

Quezon. Foto: Michael Nitz
LIMA 2009 off Langkawi, Malaysia, December 2009

Dabei wurde ein bisher strikt geltendes Tabu gebrochen: Die japanischen Streitkräfte zündeten erstmals außerhalb des eigenen Staatsgebietes einen landgestützten Typ-88 Marschflugkörper! Der Anti-Schiffs-FK zielte auf das ausgemusterte philippinische Patrouillenschiff „Quezon“, ein Weltkriegsveteran, der für das Sinkex etwa 50 Seemeilen vor der nördlichsten Philippinen-Insel positioniert worden war. Die „Quezon“ war in ihrem ersten Leben das 1942 in Seattle auf Kiel gelegte Minensuchboot „USS Vigilance“ (67 Meter, 1.300 Tonnen), das im Zweiten Weltkrieg gegen Japan gefahren ist – ein Schelm, der dabei Hintergedanken hegt. Jedenfalls suchen Tokio und Manila die sicherheitspolitische Annäherung. Das zeigt sich neben den Truppenübungen auch in den laufenden Rüstungsverhandlungen, bei denen es sowohl um den Bau von fünf 97-Meter-Patrouillenschiffen für die Küstenwache, als auch um die Übernahme von drei der sechs angebotenen Abukuma-Fregatten (109 Meter, 2.600 Tonnen). Die sollen nach 35 Dienstjahren ersetzt werden, sind aber nach Überarbeitung noch gut zu gebrauchen für philippinische Präsenz- und Aufklärungs-Operationen in dem von China beanspruchten, aber den Philippinen zugesprochenen Anteilen des Südchinesischen Meeres. Hinzu kommen auch noch einige kleinere King Air TC-90 Patrouillenflugzeuge als Unterstützungsleistung unter Partnern. China reagierte „verschnupft“.

Möglich machte dies alles ein Abkommen über gegenseitige Truppeneinsätze aus dem Jahr 2024 und das Streichen der Beschränkungen bei Rüstungsverkäufen durch Tokyo, das die Länder der First-Island-Chain näher zusammenrücken lässt.

 

 

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