Luftaufnahme des zukünftigen Marinehafens. Luftbild: NPorts/Falcon Crest

Luftaufnahme des zukünftigen Marinehafens. Luftbild: NPorts/Falcon Crest

Marinestützpunkt Emden: Zweiter Nordseehafen geplant

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies haben am 5. Oktober 2026 in Emden eine Absichtserklärung (Letter of Intent) für einen zweiten Marinestützpunkt an der niedersächsischen Nordseeküste unterzeichnet. Beim Pressetermin am Hauptschöpfwerk Knock auf dem Rysumer Nacken waren auch der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Wilhelm Tobias Abry, sowie der Erste Stadtrat der Stadt Emden, Horst Jahnke, anwesend.

Die Marine benötigt nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) eine Fläche von 40 Hektar; eine Erweiterung um weitere zehn Hektar soll möglich sein. Vorgesehen sind sieben Liegeplätze für Fregatten, zehn für Minenabwehreinheiten und zehn für Schlepper. Für den Betrieb wird eine vierstellige Zahl militärischer und ziviler Dienstposten erwartet. Nach Angaben des Bundesverteidigungsministers könnten langfristig bis zu 2.000 Dienstposten in Emden entstehen.

Aus Sicht von Pistorius erfordert die sicherheitspolitische Lage mit Blick auf Ostsee, Nordsee und Nordatlantik einen Ausbau auch der Marineinfrastruktur. Die Standortentscheidung begründete er mit der strategischen Lage, den verfügbaren Flächen sowie der günstigen Anbindung an die Nordsee und den Nordatlantik. Das vorgesehene Gelände ist nach den vorliegenden Angaben weitgehend unbebaut. Das Bauvorhaben Marinestützpunkt Emden sei eine Milliardeninvestition in die Region.

Verkündung der Standortentscheidung v.l. VAdm Abry, BM Boris Pistorius, MP Olaf Lies. Foto: NDR/Sebastian Duden
Verkündung der Standortentscheidung v.l. VAdm Abry, BM Boris Pistorius, MP Olaf Lies. Foto: NDR/Sebastian Duden

Pistorius verwies darauf, dass die Deutsche Marine bei einem umfangreichen Aufgabenspektrum gegenwärtig über die geringste Zahl an Einheiten ihrer Geschichte innerhalb der Bundeswehr verfüge. Der zusätzliche Stützpunkt soll nach seiner Bewertung die Flexibilität der Marine erhöhen, ihre operativen Möglichkeiten erweitern und zur Abschreckungsfähigkeit Deutschlands sowie der NATO beitragen.

Mit der Absichtserklärung ist die Standortentscheidung für den geplanten Bundeswehrstandort politisch vorbereitet. Nach den vorliegenden Planungen soll der Hafen Anfang der 2030er Jahre einsatzbereit sein.

Die Umsetzung soll nach Angaben von Lies durch die landeseigene Hafenbehörde Niedersachsen Ports (NPorts) erfolgen. Das Unternehmen verweist auf Erfahrungen mit der zügigen Realisierung komplexer Infrastrukturvorhaben: Während der Energiekrise setzte NPorts 2022 die LNG-Infrastruktur in Wilhelmshaven und 2023 den Anleger für verflüssigte Gase in Stade um. Diese Erfahrungen sollen nach Aussage von Holger Banik, Geschäftsführer der Niedersachsen Ports GmbH & Co. KG und der JadeWeserPort-Gesellschaften, in die weitere Entwicklung des Standorts einfließen.

Für die Marine schafft der geplante Hafen zusätzliche Liegeplatz- und Unterstützungsinfrastruktur an der Nordsee. Für die Bundeswehr setzt ein zusätzlicher Marinehafen die Bereitstellung weiterer Fähigkeiten voraus, darunter die seeseitige Sicherung, Luftverteidigung, logistische Anbindung und sanitätsdienstliche Versorgung. Maßgeblich wird sein, dass der Standort wie vorgesehen bis Anfang der 2030er Jahre in Betrieb genommen werden kann.

 

kdk, NDR, Die Zeit, NPorts

Displays

Leave a Reply

Your email address will not be published. Erforderliche Felder sind mit * markiert


en_GBEnglish