Foto: So könnte die neue F 128 aussehen. Impression von TKMS

Foto: So könnte die neue F 128 aussehen. Impression von TKMS

MEKO Gefechtskehrtwende: Von der größten zu einer der kleinsten Fregatten der Welt

In Kürze: Das bei Damen Naval aus dem Zeitplan gelaufene Projekt Fregatte F126 wechselte zu NVL, der Finanzbedarf hätte bis zu 15,2 Milliarden Euro betragen. Bereits vor dem Aus waren rund 2 Milliarden Euro in das Projekt geflossen. Der Haushaltsausschuss hatte bereits bis zu 7,8 Milliarden Euro für eine Alternativplattform zur F126 bereitgestellt und Vorverträge abgesichert. Statt der sechs F126 sollen nun acht Einheiten der MEKO A-200 von TKMS beschafft werden, da diese schneller verfügbar und bislang kostengünstiger sind. Das hat Konsequenzen für die maritime Rüstungsindustrie, nicht nur in Deutschland.

Der Verteidigungsausschuss tagt nächste Woche 

Die Silhouette der F128 Grafik: Mohr
Die Silhouette der F128
Grafik: Mohr

Durch das von Verteidigungsminister Boris Pistorius verkündete Ende des Projektes Fregatte F126 wurde Ende Juni 2026 aus der ursprünglichen Brückenlösung MEKO A-200 DEU nun die Ersatzlösung Fregatte F128. Die Kosten für die ersten vier Schiffe liegen bei 6,3 Milliarden Euro. Mit der Option auf vier weitere Schiffe zum Preis von 5,3 Milliarden Euro wird das gesamte Projekt nahezu 12 Milliarden Euro benötigen. Bis 2032 wohlgemerkt. Politik und Marine streben nun den Kauf dieser insgesamt acht MEKO A-200-Fregatten an. Der Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestags wird sich am kommenden Mittwoch, 08. Juli, mit dem Bauvertrag über die Konstruktion, den Bau und die Lieferung von Fregatten der Klasse MEKO

Wer ist beteiligt und wer geht womöglich leer aus?

GNYK Kiel hatte bereits viel investiert
GNYK Kiel hatte bereits viel investiert

Die maritime Rüstungsindustrie schaut mit Spannung auf die Entwicklungen, denn die Ausrüstung der Schiffe soll sich eng an der Nachrüstung der F123 SdEV ("Sicherstellung der Einsatzverfügbarkeit") orientieren, womit sie für die Uboot-Jagd optimiert wären. Damit könnte man ableiten, wer neben TKMS als Auftragnehmer zudem auf der Liste der Vertragspartner unter anderem stehen könnte: Neben SAAB Deutschland, ATLAS Elektronik, Elbit Systems, Kongsberg, Leonardo und Rolls Royce ist dies auch die Stahlbau Nord GmbH der Heinrich Rönner Gruppe mit Sitz in Bremerhaven. Die USA sind mit Northrop Grumman und Lockheed Martin dabei. Wer somit leer ausgeht? Hensoldt und Thales, die für Radare und Combat Management Systeme (CMS) des Projektes F 126 auserkoren waren. Auch die Beteiligung von Rheinmetall Division Naval Systems (vordem Naval Vessels Lürssen - NVL) mit ihren beteiligten Werften ist nunmehr offen. In Wolgast auf der Peene Werft stehen bereits fertige Gewerke und bestellte Anlagen, die Milliarden sind also nicht wirklich „weg“. Fest in das Programm eingebunden war zudem German Naval Yards (GNY), die als letzter deutscher Bieter im damaligen Vergabeverfahren fest in das F126-Programm eingebunden waren. In einer öffentlichen Stellungnahme weist das Unternehmen darauf hin, dass bereits in Personal und Infrastruktur investiert worden ist. Das sind Fähigkeiten, die im Vertrauen auf das Programm F126 weiterhin zur Verfügung stehen. Es ist also nicht allein der Verlust von Steuergeld , sondern auch Verlust von Investitionen zu befürchten. Das ist vor dem Hintergrund der sicherheitspolitischen Lage nicht als unternehmerisches Risiko abzutun, denn Deutschland braucht alle Fähigkeiten des Marineschiffbaus – von Emden über Kiel bis Wolgast.

Zurück zu beherrschbarer Größe

Peene-Werft – Fertigung der F 126 Foto: NVL
Peene-Werft – Fertigung der F 126 Foto: NVL

Die F128 fügt sich mit ihren knapp 4 000 Tonnen Verdrängung am unteren Rand der aktuell laufenden westlichen und fernöstlichen U-Jagd-Fregattenprojekte ein. Sie ist damit in der aktuellen Stützpunktstruktur der Marine auch problemloser betreibbar als es die 10 000 Tonnen F126 gewesen wäre. Der deutsche Entwurf liegt zwischen der im Dienst befindlichen A-200 (fast 3 600 Tonnen) und der größeren A-210, die TKMS mit etwa 4 700 Tonnen vermarkten will. Die A-200 wird bereits von Algerien, Ägypten und Südafrika betrieben. Zweifellos aber bietet F128 deutlich weniger Aufwuchspotential als F126 dies getan hätte. In den erforderlichen Fähigkeiten aber soll das kleinere Schiff im Vergleich keine signifikanten Defizite aufweisen. Von ihren Leistungsdaten her segelt sie aber ganz oben am Wind mit!

Die seegestützte Uboot-Jagd ist innerhalb der NATO von höchster Relevanz. Die zeitgerechte und robuste Erfüllung der diesbezüglichen Verpflichtungen gegenüber der NATO ist durch die Beschaffung der Ersatzlösung F128 nun mutmaßlich sichergestellt. Der Bundestag hat bereits direkt nach der Entscheidung des Ministers grünes Licht für den Baustart der 121 Meter langen und 16,3 Meter breiten Schiffe gegeben. Eile ist geboten, das erste Schiff wurde der Marine für „Ende 2029“ versprochen.

Text: hsc

Quellen: u.a. VA, DIE Europe

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