Vizeadmiral Jan C Kaack, Inspekteur der Deutschen Marine

Vizeadmiral Jan C Kaack, Inspekteur der Deutschen Marine

MS&D 2026: Kaacks öffentlicher Abschied – die Marine muss schneller werden

Deutsches Maritimes Institut präsentiert die MS&D Konferenz während der Messe SMM in Hamburg

Konteradmiral a.D. Karsten Schneider eröffnet die MS & D Foto.: Schlüter

Wie können Europas Seestreitkräfte auf wachsende sicherheitspolitische Spannungen, hybride Bedrohungen und den rasanten technologischen Wandel reagieren? Das war die zentrale Frage der Konferenz MS&D, die am 3. und 4. September 2026 im Rahmen der SMM in Hamburg stattfand. Unter dem Leitmotiv „Maritime Security and Defense in a Rapidly Changing World“ trafen sich Repräsentanten aus Streitkräften, Politik, Industrie und Forschung. Zum Auftakt richtete sich der Blick auf Europas maritime Handlungsfähigkeit. Konteradmiral Karsten Schneider, Präsident des DMI, begrüßte Fachleute aus europäischer Sicherheitspolitik, Schiffbau und Handelsschifffahrt.

Schon Tage zuvor war die Rede des Inspekteurs der Marine mit Spannung erwartet worden. Man sprach von seiner „legacy“ zum Abschluß seiner Karriere, die als Schnellboot-Wachoffizier im Kalten Krieg begann und als Inspekteur in erneute Konfrontation mit Russland infolge des Angriffskriegs gegen die Ukraine endete. Vizeadmiral Jan Christian Kaack war nicht der erste Inspekteur der Marine, der mit Bedrohungen aus dem Osten konfrontiert wurde. Ein Vizeadmiral Zenker, zweiter Inspekteur nach Gründung der Bundesmarine, hatte 1962 13 Tage die Kubakrise, Vizeadmiral Hans-Joachim Mann saß 1989 angespannt im Lagezimmer, als die Mauer gottlob gewaltlos fiel.

Foto: Gäste warten auf die Keynote vom Inspekteur der Marine auf der MS&D 2026. EBX/MS
Foto: Gäste warten auf die Keynote vom Inspekteur der Marine auf der MS&D 2026. EBX/MS

Er musste auch Marineeinheiten in eine gefährliche Mission in den Persischen Golf entsenden. Aber Jan Christian Kaack ist der erste Inspekteur der Deutschen Marine, der während eines Krieges in Europa Verantwortung trug. In seine Amtszeit fiel der scharfe Waffeneinsatz der Fregatte „Hessen“ bei Aspides 2024. Seine Rede zeichnete seine Karriere anhand des Weges der Deutschen Marine nach: Beginnend im Kalten Krieg über Auslandseinsätze und jahrzehntelange Abrüstung von Material, Strukturen und Personal, bis 2014, als die Deutsche Marine gleichzeitig internationale Verpflichtungen erfüllen und ihre Fähigkeiten zur Landes- und Bündnisverteidigung wieder aufbauen sollte – wofür sie allerdings nicht mehr hinreichend ausgestattet war. Er erinnerte an die Zeitenwende und seinen ersten Befehl, noch als Befehlshaber der Flotte: „Alles, was schwimmt, muss raus!“ Seit 2025 gibt es den „Kurs Marine“, eine strategische Leitlinie zur

Claus Ulrich Selbach, Vice President Exhibitions Maritime & Energy bei der Hamburg Messe und Congress Foto: Schlüter

konsequenten Wiedererlangung der Verteidigungsfähigkeit. Er sieht die Zukunft in der Kombination aus konventionellen Kräften und neuen unbemannten Systemen. Entscheidend für den Erfolg seien neben moderner Technik vor allem engagierte und einsatzbereite Menschen. Menschen, so Kaack, die ihr ganzes Berufsleben nur Abbau kannten und jetzt wieder aufbauen sollen. Das benötige klare politische Prioritäten und gute internationale Partnerschaften. In einem anschließenden Gespräch mit der Sicherheitsexpertin Sarah Kirchberger wurden diese Fragen vertieft. Am Ende seines letzten öffentlichen Auftritts vor der Pensionierung wurde Jan Kaack vom Publikum mit stehendem Applaus verabschiedet. Respekt für einen Offizier, der in schwerer Zeit geführt hat.

Weitere Debatten widmeten sich den Anforderungen moderner Seekriegsführung und der strategisch bedeutenden Unterwasserwelt. Vertreter der französischen und niederländischen Marine trafen dabei auf Fachleute für Sonartechnik, Ozeanbeobachtung und künstliche Intelligenz. Im Mittelpunkt standen nicht nur klassische Plattformen, sondern auch die Erkennung von Gefahren unter Wasser, der Schutz kritischer Infrastruktur und der Einsatz neuer datenbasierter Systeme.

Am letzten Tag der SMM rückten mit der Keynote von  Vizeadmiral Carsten Stawitzki die Rüstungsbeschaffung, Cyberrisiken sowie das Zusammenspiel bemannter und unbemannter Systeme in den Fokus. Anschließend berieten Experten aus Bundeswehr und Wirtschaft über digitale Angriffe, Informationssicherheit und die Resilienz maritimer Infrastruktur. Zum Abschluss ging es um autonome Plattformen und ihre Rolle in künftigen Einsatzkonzepten.

Die zweitägige Veranstaltung sollte herausstellen, dass maritime Sicherheit keine militärische Frage allein ist. Sie betrifft auch die Häfen, die Energieversorgung und die Knotenpunkte für Handel, Verkehr und Kommunikation. Die MS&D wurde 2026 zum zweiten Mal durch das Deutsche Maritime Institut ausgerichtet. Sein Präsident, Konteradmiral Karsten Schneider, fasst in seiner Abschlussrede zusammen, wie bedeutsam sich das Thema im Rahmen der SMM entwickelt habe und freute sich, auch für die nächste SMM das DMI als Ausrichter ankündigen zu dürfen.

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