Fregatten im Marinehafen Heppenser Groden in Wilhelmshaven. Bild: kdk

Fregatten im Marinehafen Heppenser Groden in Wilhelmshaven. Bild: kdk

Nordsee - Standortfrage für zweiten Marinestützpunkt weiter offen

Die Deutsche Marine soll an der Nordseeküste einen zweiten Marinestützpunkt erhalten. Als Standorte werden vor allem Emden in Niedersachsen und Bremerhaven in Bremen genannt. Trotz anderslautender Medienberichte, die bereits eine Finalisierung auf Emden verbreiten, ist eine abschließende Entscheidung noch nicht gefallen.

Die Deutsche Marine verfügt an der Nordseeküste bislang nur über einen einzigen eigenen Hafen, den Marinestützpunkt Heppenser Groden in Wilhelmshaven. Dort laufen umfangreiche Erweiterungs- und Baumaßnahmen. Dazu gehören auch zusätzliche Unterbringungskapazitäten für künftige Fregatten.

Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte, dass die Marine aufgrund der Vergrößerung der Streitkräfte neue maritime Standortoptionen prüfe. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) betonte bei einem Truppenbesuch im Juli in der Marineoperationsschule in Bremerhaven den Bedarf für einen zweiten Marinehafen an der Nordseeküste. Als Begründung nannte er die Absicherung im Ernstfall sowie die Möglichkeit des Ausweichens und des Sicherns von Erreichbarkeiten. Er gab an, die Entscheidung werde innerhalb der nächsten zwei bis drei Monate fallen. Einen verbindlichen Termin für eine öffentliche Bekanntgabe nannte er nicht. Er wolle sich nicht an Wasserstandsmeldungen beteiligen.

Rysumer Nacken mit Gasstation, Anleger und-Windkraftanlagen. Bild: N-Ports
Rysumer Nacken mit Gasstation, Anleger und Windkraftanlagen. Bild: N-Ports

Eine der Favoriten ist die Stadt Emden. Auch die niedersächsische Staatskanzlei hat sich öffentlich für den Standort ausgesprochen. Als mögliches Areal wird in Medienberichten der Rysumer Nacken westlich des Emder Hafens genannt. Das künstlich aufgeschüttete Areal bildet das Kerngebiet einer strategisch wichtigen Potenzialfläche zwischen internationaler Energieinfrastruktur, industriellen Zukunftsplänen und wertvollem Naturraum. Es bietet damit auch Entwicklungsmöglichkeiten für maritime Infrastruktur. Daneben werden freie Kaianlagen im Emder Hafen als mögliche Option genannt. Dem Vernehmen nach habe die Stadt Emden zugesichert, die Unterbringung von bis zu 1.600 Bundeswehrangehörigen im Stadtgebiet zu ermöglichen. Emden beheimatete bis 1997 das dortige Marinestützpunktkommando.

Der Bremer Senat hat sich für den zweiten Favoriten – Bremerhaven – stark gemacht. Als konkretes Areal für einen möglichen Marinehafen wird der Blexer Bogen genannt, nahe dem 2016 stillgelegten Verkehrslandeplatz Bremerhaven-Luneort. Dort ist zugleich ein weserseitiges Terminal des geplanten Energy-Ports vorgesehen, der unter anderem dem Umschlag von Offshore-Windenergieanlagen dienen soll. Für den Energy-Port bestehen jedoch bereits konkrete, allerdings wohl rechtlich noch nicht gesicherte Planungen. Nach Einschätzung von Akteuren aus Politik und Hafenwirtschaft würde ein Marinehafen am Blexer Bogen das dort geplante Energy-Port-Terminal verdrängen. Bereits im Januar 2026 wurde zudem über ein eigenständiges Vorhaben zur Stationierung von sechs Minenjagdbooten im Fischereihafen am ehemaligen Flugplatzgelände Luneort berichtet. Die Stationierung könne demnach 2029 erfolgen. Dieses Vorhaben ist jedoch vom Marinestützpunkt am Blexer Bogen zu unterscheiden. Davon zu unterscheiden ist auch der geplante maritime Logistik-Hub (NATO-Drehscheibe), für dessen Ausbau der Bund rund 1,35 Milliarden Euro bereitstellt. Das Vorhaben umfasst die militärisch nutzbare Weiterentwicklung der gesamten Bremerhavener Hafeninfrastruktur.

Energy-Port Bremerhaven. Grafik: Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation
Energy-Port Bremerhaven. Grafik: Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation/Bremen

Beide Städte verbinden mit der Ansiedlung wirtschaftliche Chancen, zugleich gibt es Widerstand gegen einen zweiten Marinehafen; vor allem aus friedenspolitischen Kreisen. In Emden wird zudem befürchtet, die Stadt könne durch die Stationierung von Marineeinheiten im Konfliktfall selbst zum militärischen Ziel werden. In Bremerhaven steht dagegen neben der grundsätzlichen militärkritischen Ablehnung vor allem der konkrete Flächen- und Infrastrukturkonflikt mit dem geplanten Energy-Port-Projekt im Mittelpunkt.

Daneben wurde auch Cuxhaven als weiterer möglicher Kandidat aufgeführt. Konkrete Details oder eine engere Auswahl wurden dabei nicht genannt.

Fischereihafen und Luneort in Bremerhaven. Bild: GoogleMaps 2026
Fischereihafen und Luneort in Bremerhaven. Bild: GoogleMaps 2026

Die Standortentscheidung ist politisch und planerisch eng mit bestehenden Hafenentwicklungen verbunden. In Bremerhaven besteht ein unmittelbarer Flächenkonflikt mit dem Energy-Port am Blexer Bogen. In Emden wird dagegen der Rysumer Nacken als verfügbare Fläche diskutiert, in der zivile und militärische Infrastruktur entwickelt werden kann.

Nach verschiedenen lokalen Medienberichten im August 2026, die sich auf „Informationen aus Marinekreisen“ berufen, habe sich die Marineführung intern bereits auf den Standort Emden festgelegt. Aber: die Entscheidung trifft die Politik und eine offizielle Bestätigung durch das Bundesministerium der Verteidigung steht weiterhin aus.

Damit ist diese Standortentscheidung weiterhin formal noch nicht abgeschlossen.

 

kdk, NDR, Tagesschau, NWZ, Nordseezeitung

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