Anfang der Woche veröffentlichte Rheinmetall eine Pressemitteilung zum Entwurf der ersten eigenständigen Fregatte des Konzerns, der Guided Missile Frigate GMF140.
GMF140 soll der Pressemitteilung zufolge (Zitat) „neue Maßstäbe in der Einsatzflexibilität und Kampfkraft“ setzen. Sie sei „mit einer Länge von 140 Metern und einer Verdrängung von mehr als 6.000 Tonnen... speziell für die sich wandelnden Anforderungen der NATO sowie verbündeter Marinen entwickelt...“ (Zitatende).
Weiter heisst es (Zitat) „Die GMF140 ist für Einsätze in hochkomplexen Bedrohungsszenarien ausgelegt und vereint Fähigkeiten zur Luftverteidigung, ballistischen Raketenabwehr,
U-Boot-Bekämpfung sowie zum weitreichenden Präzisionsschlag in einer hochintegrierten, digitalisierten und auf einen reduzierten Personalbedarf ausgelegten Plattform. Das Schiff ist für den weltweiten Hochsee-Einsatz optimiert und eignet sich gleichermaßen für Operationen im Küstenvorfeld sowie für multinationale Einsätze im Bündnisrahmen.“ (Zitatende).
So mancher Leser mag hier eine Fregatte F127 herausgelesen haben. Was noch auffällt ist, dass der Entwurf von der Systemauslegung (Aegis / CMS330) und dem Waffenspektrum her sehr eng an den bisher bekannten Komponenten der F127 segelt. Es passt eigentlich alles, nur nicht die Größe. Der TKMS-Entwurf F127 ist mit über 12.000ts mittlerweile gut doppelt so gross wie das hier dargestellte Schiff. Wie geht das?
Rheinmetall schreibt es klar und deutlich: Man möchte die (Zitat) „GMF140 zunächst im Rahmen eines Beschaffungsvorhabens in Nordamerika anbieten. Darüber hinaus richtet sich das Angebot an weitere verbündete Marinen, die eine zukunftssichere, hochgradig interoperable Überwasserkampfeinheit suchen“ (Zitatende).
GMF140 als Ersatz für die Constellation-Klasse? Zum Ende des vergangenen Jahres hat die US Navy das Constellation-Fregattenbauprogramm gestoppt. Diese Klasse war als Mehrzweck-Fregatte konzipiert, um die Littoral Combat Ships (LCS) abzulösen und vielfältige Aufgaben (Geleitschutz, U-Boot-Jagd, Flugabwehr) zu übernehmen. Ihr Entwurf basierte auf der italienischen FREMM-Fregatte und wurde an die Anforderungen der U.S. Navy angepasst. Ursprünglich war der Bau einer Serie von bis zu 20 Schiffen vorgesehen. Die Gründe für den Abbruch sind vielschichtig: Nach außen werden anhaltende Verzögerungen und Kostensteigerungen kommuniziert. Der Programmstop setzt ein Signal: Die neue Priorität der US Navy heißt Tempo, Kosten- und Zeitdisziplin, Flexibilität bei der Plattform.
Mit ihrer Kombination aus integrierter Luft- und Raketenabwehr, ballistischer Raketenabwehr, leistungsfähiger U-Boot-Abwehr und weitreichenden Präzisionsschlagfähigkeiten zählt die GMF140 theoretisch zu den modernsten und leistungsfähigsten Fregatten ihrer Gewichtsklasse. Aber anders als die auf der bewährten FREMM basierende Constellation, existiert die Basis der GMF140 bislang nur auf dem Papier. Sie erfüllt damit nicht die zeitlichen Voraussetzungen als Ersatz im abgebrochenen Fregattenprogramm. Kommt also Kanada als Kunde in Frage ? Luftverteidigungsfregatten nach dem Abschluss des Type 26-Zulaufes?
Also doch keine Option für F127 ? Zu Beginn der Planungen in 2019 hatte F127 noch ganz ähnliche Dimensionen. Was sie am Ende so gigantische Ausmasse (170m lang, 12.500ts) annehmen läßt, ist der Deutsche Marine Standard (DMS). DMS bezeichnet ein System verbindlicher technischer Vorschriften, Sicherheitsregeln und Entwurfsrichtlinien für den Bau und Betrieb von Schiffen sowie U-Booten der Deutschen Marine. Bei der MEKO 200 DEU als Ersatz für die ebenfalls viel zu große und teure F126 U-Jagd-Fregatten hat das Verteidigungsministerium erstmals bewusst auf die volle Umsetzung des DMS verzichtet.
Doch ein Coupe D’Etat von Rheinmetall ? Wenn, dann sehr geschickt. Schon die Abbildung der Effektoren in der Grafik der GMF140 grenzt sich zur F127 ab: US 5-Inch-Turm auf der Back, SEARAM statt RAM vor der Brücke und auf dem Hangar. Und weil wir schon beim Französischen sind: Honi soit qui mal y pense. Allerdings: Der Zeitpunkt der Präsentation der GMF140 könnte kaum besser sein...
Technische Daten der GMF140 (alle Daten Rheinmetall)
- Länge: 140 Meter
- Verdrängung: über 6.000 Tonnen
- Haupteinsatzrollen: Luftverteidigung (Anti-Air Warfare – AAW), ballistische Raketenabwehr (Ballistic Missile Defence – BMD), U-Boot-Abwehr (Anti-Submarine Warfare – ASW) sowie weitreichende Präzisionsschläge
- Führungs- und Waffeneinsatzsystem: AEGIS Combat System, optional ergänzt durch CMS330
- Primärradar: US-amerikanisches Luftverteidigungsradar in verschiedenen Ausführungen bis hin zur vollständigen Fähigkeit zur Zielverfolgung ballistischer Flugkörper
- Vertikales Startsystem: 64 Strike-Length-VLS-Zellen
- Bewaffnung und Sensorik: Seezielflugkörper, Torpedowerfer, 5-Zoll-Hauptgeschütz, Laserwaffensystem, Sekundärbewaffnung, Nahbereichsverteidigungssystem (CIWS), elektrooptische Sensoren (EO), Systeme der elektronischen Kampfführung (EW), Rumpf- und Schleppsonar sowie Täuschkörpersysteme
- Flugkörperkompatibilität: Unterstützung des vollständigen Spektrums moderner Flugkörper für Luftverteidigung, ballistische Raketenabwehr und Landzielbekämpfung
- Konstruktionsphilosophie: Offene Systemarchitektur, hohe Zukunftsfähigkeit sowie NATO-Interoperabilität
Andreas Uhl/hsc
