Foto: Satellitenbild der Straße von Hormus und JMIC Advisory Note No. 011-26 vom 27.06.2026 (UKMTO)

Foto: Satellitenbild der Straße von Hormus und JMIC Advisory Note No. 011-26 vom 27.06.2026 (UKMTO)

Straße von Hormus – aktuelles Lagebild nach vier Monaten Sperrung und Blockade

Update der Lage durch das Dezernat Marineschifffahrtleitung in Hamburg vom 2. Juli 2026: 

Seit der Unterzeichnung der Absichtserklärung am 17. Juni 2026 gab es für eine Woche keine Waffeneinsätze im Persischen Golf oder in der Straße von Hormus; auch die Blockade von iranischen Häfen durch die US Navy wurde beendet. Allerdings führten iranische Angriffe auf Handelsschiffe am 25. und 27. Juni erneut zu gegenseitigen Schlägen zwischen Iran und USA über mehrere Tage. Am 28. Juni haben sich beide Parteien abermals darauf geeinigt, die gegenseitigen Angriffe einzustellen.

The Verhandlungen für einen endgültigen Frieden haben am 21. Juni 2026 in der Schweiz nahe Luzern begonnen. Nach anfänglich relativer Beruhigung halten vereinzelte schwere Gefechte zwischen Israel und Hisbollah trotz international vermittelter Waffenruhe die Lage im Süden des Libanon weiterhin instabil, was weitere Verhandlungsrunden erschwert, weil Iran dafür eine funktionierende Waffenruhe als Bedingung aufrecht erhält. Die Gespräche werden aktuell auf technischer Arbeitsebene fortgesetzt, um Details zum iranischen Nuclear programme und den westlichen Sanctions zu klären.

Vertreter des Irans und der USA sind am 30. Juni in die katarische Hauptstadt Doha gereist, um indirekte Gespräche – also ohne bilaterale Kontakte – zu einem Ende der Kriegshandlungen zu führen. Im Vordergrund stehen technische Absprachen über den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus mit dem Streitpunkt der iranischen Forderung nach einer Einführung von Servicegebühren für Durchfahrten der Meerenge. Der Iran, vor allem der IRGC, hält weiter daran fest, dass alle Schiffe nur die iranisch kontrollierte nördliche Route die Straße von Hormus befahren sollen. 

Dennoch wurde die südliche Route nun ausgeweitet, sodass auch ein Begegnungsverkehr  im schmalen Korridor innerhalb omanischer Hoheitsgewässer möglich ist. Allerdings wurde gerade im Gebiet des westlichen Ausgangs dieser Routen seitens der 5. US-Flotte an fünf Positionen nahe der omanischen Küste eine Minengefährdung gemeldet, die von unabhängiger Seite jedoch nicht verifiziert werden kann.

Insgesamt hat der Verkehr in der Straße von Hormus seit Unterzeichnung der Absichtserklärung zugenommen. Die IMO zusammen mit dem UKMTO (United Kingdom Maritime Trade Operations Centre, Portsmouth) und dem MICA Center (Maritime Information Cooperation & Awareness Center, Brest) wollen die Schiffspassagen zum Verlassen des Persischen Golf koordinieren, um die navigatorische Sicherheit zu erhöhen und Staus zu vermeiden. Dabei soll die Anzahl der Durchfahrten pro Tag auf ein Niveau wie vor dem Krieg gebracht werden – dies waren um die 130 Schiffspassagen täglich.

Schiffsführer berichten allerdings während der Fahrt durch die Straße von Hormus von teilweise so starken Störungen des GPS und von Starlink, dass selbst Kreiselkompasssysteme betroffen waren. Es besteht weiterhin die Gefahr von Minen.

Verfahren zum Verlassen des Persischen Golf 

Der IMO Evakuierungsplan ist derzeit nicht aktiv, da noch diplomatische Absprachen getroffen werden müssen. Das Verfahren soll bei Aktivierung wie folgt ablaufen:

1. Jeden Tag gibt die IMO eine Liste mit 40 Schiffen an UKMTO und das MICA Centre.

2. MICA/UKMTO werden anschließend Kontakt zu den Reedereien/Schiffen aufnehmen und das weitere Vorgehen und Verlassen des Persischen Golf mitteilen. Bei der Kommunikation mit UKMTO und MICA wird empfohlen, auch US-NCAGS (NAVCENT/Bahrein) in Kopie zu beteiligen.

3. MICA und UKMTO erstellen eine Liste mit allen Schiffen den Persischen Golf verlassen wollen, um eine Koordination dieser Schiffe vorzunehmen.

Südpassagen Straße von Hormus gemäß JMIC Advisory Note No. 011-26 vom 27.06.2026 (UKMTO)
Südpassagen Straße von Hormus gemäß JMIC Advisory Note No. 011-26 vom 27.06.2026 (UKMTO)

Valuation (Marineschifffahrtleitung)

Eine Passage durch die Meerenge sollte nur über die Südroute durch die Territorialgewässer des Oman stattfinden. Von der Nutzung der durch den Iran kontrollierten Nordroute wird zwingend abgeraten. Reedereien wird geraten, die Planung ihrer Passagen aus den Persischen Golf über US CENTCOM/US-NCAGS zu koordinieren. Die Koordination über die PGSA/Iran wird nicht empfohlen. Die anhaltenden Störungen von GPS und Internet müssen in einer Routenplanung beachtet werden. Die Gefahr von Minen ist weiterhin akut.

 

 

 

The Gefährdungspotenzial für den Persischen Golf und den Gulf of Oman bleibt bei:

MODERATE

The Gefährdungspotenzial for the Straße von Hormus wird heraufgesetzt auf:

MARITIME RISK LEVEL – SUBSTANTIAL

Conclusion

Die Lage in der Straße von Hormus und den anliegenden Seegebieten hat sich durch die gegenseitigen Angriffe Ende Juni wieder verschlechtert, auch wenn es seit Anfang Juli und einer Einigung zum Stopp der Angriffe vorerst keinen weiteren Waffeneinsatz gab.

Seit Kriegsbeginn wurden im Persischen Golf insgesamt 38 Handelsschiffe angegriffen und haben teils schwere Schäden erlitten. 

Durch die Erweiterung der Südroute hat sich dort die Passagenkapazität erhöht, auch wenn die letzten Angriffe wieder zu einem leichten Einbruch geführt haben.

Es bestehen weiterhin Gefahren durch Minen, technische Störungen (GPS) und navigatorische Herausforderungen durch zunehmenden Schiffsverkehr. 

The Absichtserklärung vom 17. Juni 2026 bedeutet noch keinen absehbaren Frieden – der Konflikt kann im Laufe der Verhandlungen jederzeit erneut aufflammen. Ein Normalisieren des Durchgangsverkehrs wird sich also frühestens nach einer kompletten Minenräumung und einem vollständigen Friedensvertrag wieder einstellen können.

Quellen: UKMTO, MSLtSt HH, hsc, ajs

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