Russische Hafennutzung in Tartus wird neu geregelt. Foto: SANA/CJRC

Russische Hafennutzung in Tartus wird neu geregelt. Foto: SANA/CJRC

Tartus – Russlands Syrien-Express läuft wieder

Nach 18-monatigen Verhandlungen einigten sich Damaskus und Moskau auf neue Bedingungen für die als Station 720 bezeichneten Hafenanlagen. Russlands Präsenz in Tartus bleibt nach der Neuordnung der Beziehungen zu Syrien begrenzt und in wesentlichen Punkten ungeklärt.

Russland soll den nördlichsten Pierbereich als Ausbildungs- und logistischen Stützpunkt behalten, während die Nutzung von Pier 4 im Innenhafen endet. Damit zeichnet sich zwar eine Fortsetzung der russischen Präsenz im östlichen Mittelmeer ab, die weitreichenden Sonderrechte aus der Assad-Ära sind jedoch beendet.

Fregatte "Admiral Kasatonov" der Gorshkov-Klasse. Foto: Michael Nitz
Fregatte "Admiral Kasatonov" der Gorshkov-Klasse. Foto: Michael Nitz

Wie weit die militärische Nutzung reicht, ist offen. Im Juni machte die Fregatte „Admiral Kasatonov“ der Admiral-Gorshkov-Klasse noch am Pier 4 fest. Das 135 Meter lange und rund 5.400 Tonnen verdrängende Schiff lag dort unter dem Schutz einer Anti-Drohnen-Barriere. Außerdem wurden ein Boot der Grachonok-Klasse, zwei Boote des Typs Raptor und mehrere Hafensicherheitsschiffe beobachtet. Die Präsenz belegt weiterhin russische Aktivitäten, lässt aber keinen sicheren Schluss auf die künftige Nutzung des Hafens zu. Als Gegenleistung für den zugestandenen Hafenplatz soll die russische Marine Ausbildungshilfe für syrische Marineanteile leisten.

Fregatte "Admiral Kasatonov" der Gorshkov-Klasse. Foto: Michael Nitz
Fregatte "Admiral Kasatonov" der Gorshkov-Klasse. Foto: Michael Nitz

Anfang September liefen der Ölprodukten-Tanker „General Skobelev“, der Ro-Ro-Frachter „Sparta“ und der Betriebsstoff-Tanker „Akademik Pashin“ erneut in Richtung östliches Mittelmeer. Begleitet wurden sie vom betagten U-Jagd-Zerstörer „Admiral Levchenko“ (163 Meter, 7500 Tonnen) der Udaloy-Klasse. Mitte September meldete die spanische Armada bei Gibraltar zudem einen weiteren ostwärts laufenden russischen Verband mit einem Landungsschiff der Ropucha-Klasse, einem Tanker und einem Frachtschiff. Die Rückkehr der Einheiten deutet darauf hin, dass Moskau die verbliebenen Anlagen wieder für die Versorgung und Instandsetzung seiner Mittelmeerkräfte nutzen will. Dafür spricht auch, dass aus dem Schwarzen Meer auf absehbare Zeit nur eingeschränkte Unterstützung zu erwarten ist. Ob die Schiffe in Tartus verbleiben und welche Reparatur- und Versorgungskapazitäten Russland tatsächlich nutzen darf, muss sich erst zeigen.

Russischer Öl-Produkten-Tanker "General Skobelev". Foto: Michael Nitz
Russischer Öl-Produkten-Tanker "General Skobelev". Foto: Michael Nitz

Auch wirtschaftlich wird der Hafen neu geordnet. Nach Angaben von „The Maritime Executive“ soll Pier 4 neben der militärischen Nutzung dem russischen Handelsverkehr dienen.

Russisches Ro-Ro-Frachtschiff "Sparta". Foto: Michael Nitz
Russisches Ro-Ro-Frachtschiff "Sparta". Foto: Michael Nitz

Das syrische Unternehmen Rus Line plant demnach zunächst einen monatlichen Güterumschlag von 250 000 Tonnen mit Getreide, Pflanzenölen, Holz, Stahl und Mineralölen. Vorgesehen sind zudem Anlagen zur Verarbeitung und zum Vertrieb russischer Waren. Fest steht, dass die bisherigen privilegierten Zugriffsrechte beendet sind und die Hafeneinnahmen an den syrischen Staat fließen.

Fregatte "Admiral Levchenko" der Udaloy-Klasse. Foto: Michael Nitz
Zerstörer "Admiral Levchenko" der Udaloy-Klasse. Foto: Michael Nitz

Der übrige Hafenbereich steht nach vorliegenden Angaben unter einer 30-jährigen Konzession von DP World aus den Vereinigten Arabischen Emiraten im Wert von rund 690 Millionen Euro. Das Unternehmen setzte sich 2025 gegen den bisherigen russischen Betreiber Stroytransgaz durch. Für Moskau bedeutet dies einen deutlichen Verlust wirtschaftlicher Einflussmöglichkeiten.

Fregatte "Admiral Levchenko" der Udaloy-Klasse. Foto: Michael Nitz
Zerstörer "Admiral Levchenko". Foto: Michael Nitz

Politisch ist die Verbindung zwischen Damaskus und Moskau jedoch nie abgerissen. Übergangsstaatschef Ahmed al-Sharaa reiste seit seinem Amtsantritt zweimal nach Moskau. Die Gesprächskanäle zwischen beiden Staaten bestehen damit trotz des politischen Bruchs nach dem Ende der Assad-Herrschaft fort. Dort lebt auch der ins Exil geflohene ehemalige syrische Präsident Baschar al-Assad.

Die Rückkehr russischer Schiffe nach Tartus spricht für eine begrenzte Fortsetzung der russischen Präsenz, nicht jedoch für eine Rückkehr zu den früheren Verhältnissen. Moskau dürfte weiterhin darauf angewiesen sein, seine Mittelmeerkräfte zumindest teilweise aus eigener Infrastruktur zu versorgen und instand zu setzen. Ob daraus wieder ein dauerhaft nutzbarer Marinestützpunkt entsteht oder lediglich ein eingeschränkter logistischer Zugang bestehen bleibt, wird die Umsetzung der Vereinbarungen zeigen. Der Syrien-Express läuft damit wieder, aber unter deutlich anderen Bedingungen als vor dem Sturz Assads.

kdk, ajs

Displays

Leave a Reply

Your email address will not be published. Erforderliche Felder sind mit * markiert


en_GBEnglish