Deutsches U-Boot "U 33", Typ 212A. Foto: Michael Nitz

Deutsches U-Boot "U 33", Typ 212A. Foto: Michael Nitz

U-Boote oder U-Kreuzer? Terminologie und Tradition

Moderne U-Boote wie die amerikanischen SSBN der Ohio-Klasse erreichen deutlich über 15 000 Tonnen Verdrängung bei einer Gesamtlänge von 171 Metern.

Warum heißen sie weiterhin U-Boote? Was steckt hinter den Bezeichnungen U-Boot, U-Kreuzer, SSBN oder SSN? Eine Analyse der historischen, traditionellen und organisatorischen Gründe.

Kurz erklärt: Die Bezeichnung U-Boot hängt nicht von Länge oder Verdrängung ab, sie ist eine historisch gewachsene Gattungsbezeichnung. In der Deutschen Marine kommt eine organisatorische Unterscheidung hinzu: Ein Boot wird von einem Kommandanten oder einer Kommandantin auf der truppendienstlichen Ebene einer Kompanie geführt – ein Schiff steht organisatorisch auf der Bataillonsebene und hat deshalb zusätzlich einen Ersten Offizier.

SSBN 730 "Henry M. Jackson", Ohio-Klasse, abtauchend. Foto: U.S. Navy/Victoria Foley
SSBN 730 "Henry M. Jackson", Ohio-Klasse, abtauchend. Foto: U.S. Navy/Victoria Foley

Maritimer Sprachgebrauch – woher kommt der Begriff U-Boot?

In der Terminologie der Seefahrt entstand der Begriff Untersee-Boot (kurz: U-Boot) zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die ersten militärischen Unterwasserfahrzeuge entwickelt wurden. Damals handelte es sich noch um kleine, experimentelle Konstruktionen. Sie verfügten nur über sehr begrenzte Reichweiten und boten nur geringen Raum für eine minimale Besatzung. Um sie zu erproben, mussten sie als Decksladung von größeren Schiffen in ausreichend tiefes Wasser transportiert werden. Und da man im maritimen Sprachgebrauch derartige von Tenderschiffen, von Kriegsschiffen, oder von größeren Frachtschiffen transportierte und ausgesetzte kleinere Fahrzeuge als „Boote“ oder „Beiboote“ bezeichnet, übertrug sich dieser Begriff auf die frühen Untersee-Boote und wurde wohl auch wegen der technischen und physischen Besonderheit dieser unter Wasser fahrenden Röhren einfach beibehalten. Ohnehin war der Begriff „Unterwasserschiff“ bei Überwassereinheiten bereits belegt für den unter Wasser befindlichen Teil eines jeden Schiffsrumpfes, der schon immer besonderer Pflege und Instandhaltung bedurfte, um seine Wasserdichtigkeit zu erhalten.

Als sich U-Boote nach dem Ersten Weltkrieg zu eigenständigen Kampfeinheiten und im Zweiten Weltkrieg auch zu erheblicher Größe entwickelten, wäre die Bezeichnung "Schiff" technisch angemessener gewesen. Deutsche U-Boote erreichten zu der Zeit Verdrängungen von über 1000 Tonnen. Dies ist das Gewicht des Wassers, das vom getauchten Gegenstand verdrängt wird und entspricht je nach Salzgehalt in etwa auch dem Volumen des U-Boots.

Dennoch wurde im westlich orientierten Sprachgebrauch der Begriff "Boot" beibehalten und mit den Jahren zur Tradition. Diese Kontinuität setzte sich auch bei den U-Booten der Nachkriegszeit fort: Obwohl moderne atomgetriebene und mit ballistischen Raketen bestückte U-Boote mit Verdrängungen im Tauchzustand von 15 000 bis über 20 000 Tonnen an Größe nur noch von Flugzeugträgern übertroffen werden, bezeichnen fast alle Marinen sie traditionell weiterhin als Boote. Im angelsächsischen Sprachraum (Großbritannien und USA – und damit nahezu weltweit) entkoppelte sich der Begriff „Submarine“ vom Zusatz „Boat“ und verstetigte sich als eigenständige Gattungsbezeichnung (wie Zerstörer oder Fregatte).

Russisches SSBN "Dimitri Donskoi" der Typhoon-Klasse. Foto: Michael Nitz
Russisches SSBN "Dimitri Donskoi" der Typhoon-Klasse. Foto: Michael Nitz

Es sei daran erinnert, dass die größten je gebauten strategischen U-Boote der sowjetischen Typhoon-Klasse (1981 bis 2023) bis zu 48 000 Tonnen im Tauchzustand verdrängten – ebenso viel wie 50 Jahre zuvor das Schlachtschiff „Bismarck“. Diese Boote wurden als Relikte des Kalten Krieges von der Marine der Russischen Föderation in den vergangenen zwanzig Jahren sukzessive außer Dienst gestellt. Das letzte Boot, die „Dimitri Donskoi“, soll wohl als Museums- und Ausbildungsobjekt in Sankt Petersburg erhalten bleiben.

Schiffstypen – was bedeuten SSN, SSGN, SSBN und SSK

Das konventionelle Untersee-Boot wurde anfänglich für den verdeckten Einsatz gegen Schiffe und U-Boote sowie zur Aufklärung entwickelt und war primär mit Torpedos bewaffnet. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist durch Nutzung von Atomreaktoren zur Erzeugung der Antriebsenergie die Fähigkeit zur Ausdauer unter Wasser enorm angewachsen. Mit eingebauten Vertikalstartsilos (VLS) für Flugkörper und Atomwaffen unterschiedlichster Art sowie durch den Einsatz von Marschflugkörpern, die in Torpedohüllen verpackt im getauchten Zustand aus Torpedorohren ausgestoßen und beim Durchbrechen der Wasseroberfläche gestartet werden, ist die Auswahl bekämpfbarer Ziele heute nahezu unbegrenzt. Das macht eine klare Abgrenzungen von Typen und Klassen bei den aktuellen U-Booten schwierig. Im angelsächsischen Sprachraum hat sich jedoch eine Typisierung der U-Boote in Form von 3- oder 4-buchstabigen Abkürzungen entsprechend der „Hull Classification“ wie in der U.S. Navy etabliert.

Amerikanisches Angriffs-U-Boot "Massachusetts" der Virginia-Klasse. Foto: Huntington Ingalls Industries
Amerikanisches Angriffs-U-Boot "Massachusetts" der Virginia-Klasse. Foto: Huntington Ingalls Industries

Angriffs- oder Jagd-U-Boote mit nuklearem Antrieb, Schiffstypen-Kürzel SSN (Ship, Submersible, Nuclear Propulsion), meist als „Atom-U-Boot“ bezeichnet, im Verdrängungsbereich von 6000 bis 10 000 Tonnen, als Träger unterschiedlichster konventioneller Bewaffnung zur Bekämpfung von Schiffen, U-Booten und Landzielen; dazu zählen auch die SSGN (G = Guided Missile) als Marschflugkörper-Träger mit nuklearem Antrieb, die bis zu 154 Tomahawks in den Silos mitführen.

Strategische U-Boote mit nuklearem Antrieb, Schiffstypen-Kürzel SSBN (Ship, Submersible, Ballistic Missile, Nuclear Propulsion), mit ballistischen Raketen und Nuklearsprengköpfen bestückt, beispielsweise die amerikanische Ohio-Klasse (19 000 Tonnen), die britische Vanguard-Klasse (16 000 Tonnen), die französische Triomphant-Klasse (14 000 Tonnen);

Konventionelle U-Boote mit nichtnuklearem Antrieb, Schiffstypen-Kürzel SSK (K = Conventional Propulsion), im Größenbereich von 1000 bis 3000 Tonnen als „Patrol Submarines“ bezeichnet, wobei bislang keine Unterscheidung getroffen wird zwischen Diesel- oder außenluftunabhängigem Antrieb (AIP = Air Independent Propulsion). Als Beispiel für konventionelle U-Boote mit modernster Technologie an Bord können der deutsche Typ 212A und die Nachfolgeentwicklung Typ 212CD gelten, die mit Brennstoffzellenantrieb ausgerüstet sind (AIP).

Hier geht es zu entsprechenden Berichten:  U212CD-Beitrag and Modernisierung der Klasse 212A

Chinesisches U-Boot der Jin-Klasse. Foto: Volksbefreiungsarmee-Marine
Chinesisches U-Boot der Jin-Klasse. Foto: Volksbefreiungsarmee-Marine

Anders dagegen die Terminologie der russischen U-Boote, die ähnlich der oben dargestellten Typisierung unterscheidet, allerdings für die größeren Boote auch auf den Begriff "Kreuzer" zurückgreift: Für strategische Boote wie die Borei-Klasse (ca. 19 000 Tonnen), lässt sich auch die Bezeichnung RPKSN finden (Raketny Podwodny Krejser Strategitscheskowo Nasnatschenija), übersetzt: Raketen-Untersee-Kreuzer mit strategischer Ausrüstung. Endlich ein Kreuzer!

Für die Einheiten der chinesischen Jin-Klasse (11 000 Tonnen) als strategische U-Boote sind bei bekannt strikter Geheimhaltung chinesischer Rüstungsprojekte bisher keine verwertbaren Angaben zur Terminologie der Boots-Typen zu finden.

Gab es überhaupt U-Kreuzer?

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde wegen der Rohstoffverknappung eine deutsche Reederei aufgestellt, um mit noch zu bauenden, tauchfähigen Frachtschiffen die britische Seeblockade unterlaufen zu können. Mit staatlicher Förderung wurden zwei extrem reichweitenfähige Handels-U-Boote (bis zu 12 000 Seemeilen) in Auftrag gegeben und nach gut sechs Monaten Bauzeit Mitte 1916 als Blockadebrecher zum Wareneinkauf nach Amerika geschickt. Das Typschiff „Deutschland“ (65 Meter, 1500 Tonnen, getaucht 1900 Tonnen Verdrängung), kam mit etwa 12 Knoten Fahrt (5 Knoten getaucht) und einer Ladung von 350 Tonnen Metallen aus Baltimore zurück. Das Schwesterschiff „Bremen“ ging bereits auf seiner ersten Fahrt verloren. Trotzdem wurden sechs weitere Boote geordert. Mit Kriegseintritt der USA Anfang 1917 wurden U 151 und die sechs Neubauten umgehend für militärische Zwecke umgebaut und mit vier, später sechs Torpedorohren sowie zwei 15-cm-Kanonen an Oberdeck für das Aufbringen von Handelsschiffen und das Gefecht mit Überwasser-Einheiten aufgerüstet. Sie wurden als U-Kreuzer U 151 bis U 157 in der Kaiserlichen Marine in Dienst gestellt. Viel Zeit blieb ihnen nicht für den Handelskrieg vor der amerikanischen Küste bis zum Waffenstillstand im November 1918. Trotzdem waren diese sieben Boote ungewöhnlich erfolgreich und versenkten während eines Jahres im Nordatlantik von der Ostküste der USA bis zur Westküste Afrikas 165 Schiffe und beschädigten viele weitere mehr.

U-Kreuzer U 139 der Kaiserlichen Marine. Foto: Wikipedia/unbekannt
U-Kreuzer U 139 der Kaiserlichen Marine. Foto: Wikipedia/unbekannt

Anders erging es den drei von Anfang an als veritable U-Kreuzer für Langstreckeneinsätze im Handelskrieg nach Prisenordnung konzipierten Booten U 139 bis U 141 (Projekt 46). Mit 92 Metern Länge, 1900/2500 Tonnen Verdrängung und 15 Knoten (7 Knoten getaucht) Fahrt sowie einem eingeschifften Prisenkommando von 20 Mann kam lediglich U 139 vor Kriegsende noch zu einer einzigen Feindfahrt und konnte drei Handelsschiffe versenken. 

Beide U-Kreuzer-Typen gehörten in ihrer Zeit zu den größten U-Booten weltweit. Sie konnten auch ohne nennenswerte militärische Erfolge den alliierten Seeverkehr bedrohen und die gegnerischen Marinen zum Ausweichen und zum Bilden von Konvois zwingen. Drei größere und schnellere Nachfolgeboote (U 142 bis U 144) waren als Projekt 46a geplant, wurden aber vom Kriegsende überholt. Auch Jahrzehnte später wurden in Deutschland keine größeren U-Boote gebaut. Mit der deutsch-norwegischen Gemeinschaftsproduktion der Klasse 212CD erreichten deutsche U-Boote erstmals wieder Verdrängungen von über 2500 Tonnen.

Andere Nationen folgten dem deutschen Beispiel und bauten ebenfalls einzelne U-Kreuzer, aber auch zu spät und in zu geringer Stückzahl. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurden kaum größere U-Boote gebaut, die der Bezeichnung „U-Kreuzer“ wert gewesen wären. Ausnahmen hierzu waren spezialisierte U-Boote, wie kleinere U-Minenleger oder größere U-Versorger, die gelegentlich unter der Bezeichnung U-Kreuzer kursierten. Dieser Begriff fand jedoch keinen dauerhaften Eingang in den Sprachgebrauch.

Strategisches U-Boot "USS Wyoming" (SSBN 742) der Ohio-Klasse. Foto: U.S. Navy/Rex Nelson
Strategisches U-Boot "USS Wyoming" (SSBN 742) der Ohio-Klasse. Foto: U.S. Navy/Rex Nelson

Warum tragen U-Boote Kennungen wie USS, HMS oder FGS vor dem Namen?

Unabhängig von der Gattungsbezeichnung "Submarine", tragen in der United States Navy alle U-Boote (und Schiffe) die formelle Nationalitäts-Kennzeichnung USS (United States Ship) als Präfix vor ihrem eigentlichen Namen. Wie auch beispielsweise HMS für "His Majesty's Ship" (Großbritannien) oder FGS für "Federal German Ship" (Deutschland). Dieser vielfach im Funkverkehr verwendete nationale Kennungs-Präfix für bewaffnete Einheiten der Marinen unterscheidet nicht in Schiffe oder Boote. Ohnehin wird In offizieller Dokumentation, in Gesetzen und in der Rechtsprechung ganz allgemein der Begriff „Schiff“ auch für Boote angewendet.

Was unterscheidet Schiffe und Boote in der Deutschen Marine?

Die Definition in der Deutschen Marine richtet sich nach der militärischen Organisation an Bord. Danach ist ein Boot die kleinere von zwei unterschiedlichen Einheiten der Marine unter Führung eines Kommandanten oder einer Kommandantin, vergleichbar mit einer Kompanie an Land. Ein Schiff ist truppendienstlich auf der Bataillonsebene eingeordnet und hat deshalb zusätzlich einen Ersten Offizier, der oder die sich um die Disziplin an Bord kümmert sowie den Inneren Dienst und die Arbeitsroutine leitet. Die Bezeichnung „Boot“ für Korvetten, Minenjäger und Tender in der Deutschen Marine ist damit organisatorisch begründet und hat nichts mit der Größe eines Wasserfahrzeugs zu tun. 

U-32 auf Periskoptiefe. Foto: Bundeswehr
U-32 auf Periskoptiefe. Foto: Bundeswehr

Wenn es läuft – laufen lassen!

Die Bezeichnung Unterseeboot, U-Boot oder Submarine ist somit eine traditionell etablierte Gattungsbezeichnung. Die Übernahme grundlegend anders gelagerter Einsatzrollen (nukleare Abschreckung, Zweitschlagsfähigkeit) und Bewaffnungen (Marschflugkörper, ballistische Raketen) und der damit verbundenen Zunahme der Verdrängungs-Tonnage musste nicht zwingend eine Umbenennung auslösen – und hat sie auch nicht.

Redaktioneller Kommentar

Ein „U-Boat" (nach International Phonetic Alphabet: juːboʊt) hört sich immer noch viel seemännischer an, als ein „U-Ship". Die Terminologie in der Seefahrt folgt eben nicht nur der gradlinigen Logik, sondern gerne auch historisch verwobener Tradition – und manchmal auch dem Klang der Sprache. Ein Film mit dem Titel „U 96 – ein Unterwasserschiff“ hätte doch niemals das Zeug für einen Klassiker gehabt!

Kommentare

Die Redakteure des marineforum können nicht immer alles wissen, und wir sind uns bewusst, dass einige unserer Leserinnen und Leser über weitergehende Kenntnisse verfügen. Deshalb freuen wir uns über Korrekturen und Ergänzungen in den Kommentaren.

Text: ajs, kdk

Tabelle der U-Boot-Typen

Kürzel Bezeichnung Kennzeichen
SSBN Ballistic Missile Submarine, Nuclear-powered Strategisches, nuklear angetriebenes U-Boot mit ballistischen Raketen
SSGN Guided Missile Submarine, Nuclear-powered Nuklear angetriebenes U-Boot mit Marschflugkörpern
SSN Attack Submarine, Nuclear-powered Nuklear angetriebenes Angriffs- oder Jagd-U-Boot
SSK Conventionally powered Attack Submarine Konventionell angetriebenes Jagd- oder Patrouillen-U-Boot
SSC Coastal Submarine Kleine Küsten-U-Boote
AIP Air-Independent Propulsion Außenluftunabhängiger Antrieb, etwa mittels Brennstoffzellen

Glossary

Begriff Erklärung
Nuclear submarine U-Boot mit nuklearem Antrieb; die Bezeichnung sagt nichts über seine Bewaffnung aus
Ballistische Rakete Flugkörper mit ballistischer Flugbahn, bei SSBN Teil der strategischen Bewaffnung
Marschflugkörper Über längere Strecken gelenkter Flugkörper gegen Land- oder Seeziele
Außenluftunabhängiger Antrieb Antriebssystem, das längere Tauchfahrten ohne Ansaugen von Außenluft ermöglicht
Displacement Masse des vom Fahrzeug verdrängten Wassers; bei U-Booten werden Über- und Unterwasserverdrängung unterschieden
U-Kreuzer Historische deutsche Unterkategorie besonders großer, reichweitenstarker U-Boote mit zusätzlicher Decksartillerie
Prisenordnung Historische Regeln für das Anhalten, Kontrollieren und Aufbringen gegnerischer Handelsschiffe
Zweitschlagsfähigkeit Fähigkeit, auch nach einem gegnerischen Nuklearangriff noch einen Vergeltungsschlag ausführen zu können
Erster Offizier Stellvertreter des Kommandanten auf Schiffen der Deutschen Marine; auf organisatorisch als Boot geführten Einheiten nicht vorhanden

 

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8 responses

  1. Den beiden Autoren einen herzlichen Dank von einem Ubootfahrer. Schön strukturiert, werden hier gute Erklärungen gegeben.

    1. Moin Herr Setzer,
      herzlichen Dank für Ihre anerkennenden Worte. Das freut uns besonders und adelt uns – umso mehr, weil das Lob von einem ausgewiesenen Ubootfahrer und dem Präsidenten des Verbands Deutscher Ubootfahrer e. V. kommt.
      Beste Grüße, Ihre Redaktion

  2. Im 2.Weltkrieg war in der alliierten Terminologie (in englischer Sprache) ein „U-Boat“ grundsätzlich der Feind, eigene Einheiten hiessen immer „Submarine“.
    Zur Abkürzung „SSK“: wieso wird „Conventional“ mit dem Buchstaben K abgekürzt? Weil „SSC“ noch von früher her „Submarine, Coastal“ bedeutet?
    MfG Matthias Roesner

    1. Guten Tag Herr Roesner,
      eine gewisse „Verwirrung“ der Begriffe, ihrer Zuordnung und ihrer Übersetzungen zieht sich durch das ganze Thema. Das fiel uns beim Verfassen des Beitrags auch auf. Allerdings fanden wir viele erwähnenswerte Hintergründe und Erklärungen – aber das hätte den verfügbaren Rahmen des Artikels gesprengt. Ihr Einwand zielt schon genau in diese Richtung – deshalb danke für Ihre Nachfrage.

      Zur unterschiedlichen Verwendung der Bezeichnung „U-Boot“ in verschiedenen Sprachräumen folgende Ergänzung:
      Während wir in der deutschen Terminologie heute nur vom „U-Boot“ sprechen, verwendet man im angloamerikanischen (alliierten) Sprachraum fast ausschließlich den Begriff „Submarine“ für fast alles, was sich besetzt und/oder bewaffnet unter Wasser bewegt. Zur Abgrenzung des „Submarine“ vom „U-Boat“ als der Übersetzung des deutschen Begriffs – und zu seiner notorischen Konnotation mit dem „Schrecklichen und Bewundernswerten“ – hat wahrscheinlich der englische Politiker, Marineoffizier und Autor Sir Winston Leonard Spencer Churchill (30. November 1874 – 24. Januar 1965) ganz wesentlich beigetragen.
      Am 30. Oktober 1939 soll er sich in seiner Funktion als First Lord of the Admiralty (Marineminister, Mitglied Kriegskabinett) zu einer Besprechung an Bord des Schlachtschiffes HMS „Nelson“ befunden haben, um mit dem Admiral of the Home Fleet und dem First Sea Lord der Royal Navy die zwei Wochen zuvor erfolgte Versenkung der HMS „Royal Oak“ vor Scapa Flow durch ein deutsches U-Boot (U-47) unter dem Kommando von Günther Prien zu erörtern. Der Kampfverband der Home Fleet lief westlich der Orkneys dem einzeln operierenden U-56 in optimales Torpedo-Schussfeld, aber als zwei der drei gefeuerten Torpedos an der Bordwand der HMS „Nelson“ anklopften, versagte der Zünder – der dritte Torpedo verfehlte sein Ziel. Hätten die Zünder funktioniert, wäre dies möglicherweise einer der größten Was-wäre-wenn-Momente des Zweiten Weltkrieges gewesen.
      Zum anderen war Churchill anschließend als Premierminister maßgeblich daran beteiligt, das Konvoi-System für die dringend notwendigen Lebensmittel- und Rohstoffanlieferungen über den Atlantik einzurichten, um der Bedrohung der Handelsschiffe durch deutsche U-Boote entgegenzutreten.
      In seinen Erinnerungen ist der Satz zu finden: „The only thing that ever really frightened me during the war was the U-boat peril.“ Er bestand darauf, die feindlichen deutschen U-Boote, deren heimtückische Aufgabe das Aushungern Englands war, als „U-Boats“ zu bezeichnen, dagegen die ehrenwerten und nobel kämpfenden alliierten Unterseeboote „Submarines“ zu nennen. Das hat sich eingeprägt.
      Zum konventionellen U-Boot und seiner Kennung:
      Das K in der Kennung SSK steht nicht für „Conventional“, sondern für „Killer“ im Sinne von Hunter-Killer, sozusagen für das „antisubmarine-submarine“. Es war eine Funktionsbezeichnung der U.S. Navy, die in den späten 1940er Jahren ihre leisen, speziell mit Sensoren und Waffen gerüsteten dieselelektrischen Jagd-U-Boote als SSK klassifizierte. Laut U.S. Naval Institute verzichtete die USA auf das Kürzel SSK bereits ab 1960, weil die kleineren konventionell angetriebenen Jagd-U-Boote von den größeren atomangetriebenen U-Booten (SSN) an Schnelligkeit, Ausdauer und Wirkungsreichweite deutlich übertroffen wurden. Erst später etablierte sich SSK international als Bezeichnung für konventionell angetriebene Jagd-U-Boote, um es vom atomgetriebenen SSN zu unterscheiden und weil die Küsten-U-Boote bereits das Kürzel SSC (Coastal Submarine) nutzen; insofern ist Ihre Vermutung richtig.
      Your editors

    1. Moin Herr Dr. Bruns,
      und herzlichen Dank! Wir freuen uns, wenn wir das Thema verständlich und nachvollziehbar vermitteln konnten.
      Your editors

  3. In den 1980er Jahren hatten wir auf den deutschen Schnellbooten der Klasse 143 einen 1. Wachoffizier ( 1 WO ), der die gleichen Aufgaben wie ein 1. Offizier auf einem Schiff der deutschen Marine innehatte. Mit freundlichen Grüßen. Ein blinky.

    1. Hallo Herr Budde, das stimmt selbstverständlich!
      Nur weil der Dienstposten „Erster Offizier“ auf Booten nicht ausgebracht ist, heißt das natürlich nicht, dass derartige Aufgaben nicht „erledigt“ werden müssen. Es ist auch heute noch so, dass diese Aufgaben in Personalunion durch einen Wachoffizier wahrgenommen werden. Genauso wie die Aufgaben eines Schiffswachtmeisters, den es auf Booten ebenfalls als eigenständigen Dienstposten nicht gibt. Danke für den Hinweis.
      Your editors

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