Führung durch die USA
Das Manöver Baltic Operations (BALTOPS) startet - dieses Jahr in Gdynia, Polen. Mehr als 30 Einheiten aus 15 Nationen beteiligen sich mit rund 6.000 Soldatinnen und Soldaten daran. Das alljährliche Marinemanöver der NATO-Partner in der Ostsee wird von der US Navy geführt. Diese multinationale Übung dauert rund zwei Wochen und findet dieses Jahr zum 55. Mal statt. BALTOPS endet traditionell zu Beginn der Kieler Woche in Kiel.
Deutscher Anteil ist hoch

Die Deutsche Marine beteiligt sich mit der Fregatte "Sachsen-Anhalt", den Korvetten "Braunschweig" und "Erfurt", U-Boot "U 34" sowie einem Seefernaufklärer P-8A Poseidon. Mit dem Commander Task Force Baltic (CTF) übernimmt die Deutsche Marine erneut eine Führungsrolle. Die NATO-Partner bringen ein breites Spektrum an Fähigkeiten ein. "Alle BALTOPS Einheiten erhöhen die Präsenz der NATO im Seegebiet und unterstützen somit auch die NATO-Aktivität Baltic Sentry. Dabei werden Schiffe, Boote und Marineflieger sowie unbemannte Systeme im Einsatz sein", so Konteradmiral Stephan Haisch, kommandierender Offizier des CTF.
Der alte Auftrag ist nicht der neue

BALTOPS ist ein Manöver, welches es bereits seit 1971 gibt, also mitten im Kalten Krieg. Bereits damals ging es um die Sicherung des freien Seeverkehrs in der Ostsee bei gleichzeitiger Demonstration einer robusten Abschreckung. Die USA bemühten sich, ihren Beitrag zur Sicherheit und Stabilität im baltischen Raum zu zeigen. Man wählte das Mittel der multinationalen maritim-militärische Zusammenarbeit. Im Mai 1971 fuhr der Flugzeugträger USS "Intrepid" zusammen mit drei Zerstörern in die Ostsee. Man fuhr bis auf 20 Seemeilen an die sowjetische Küste heran und wurde rund um die Uhr von sowjetischen Aufklärungsflugzeugen beobachtet. Der Schwerpunkt von BALTOPS lag damals auf dem Schutz der dänischen Inseln und Meerengen. NATO-Flottenverbände sollten gegnerischen Kriegsschiffen der Weg in die Nordsee und damit in den Atlantik verwehrt bleiben.

Nach Jahren der Entspannung bleibt das Interesse der USA an einer stabilen baltischen Lage nach wie vor sehr hoch. BALTOPS war über Jahrzehnte ein Manöver, welches die ursprüngliche Absicht der Zusammenarbeit erhielt, sich aber in friedlicher Koexistenz befand. Sogar zur Kieler Woche waren einst russische Einheiten eingeladen.
Die Bedrohungslage hat sich geändert, der alte Auftrag ist plötzlich wieder aktuell, aber die Umstände sind anders. Ehemals Sowjetische Gebiete sind heute NATO-Partner, ebenso Schweden und Finnland. Die Ostsee ist somit im erweiterten Interesse der Landes- und Bündnisverteidigung. Und: im Kalten Krieg war die Bedrohung konfrontativ, heute ist sie unterschwellig – hybrid wie man sagt. Und es gab vor 55 Jahren weder so viel kritische Infrastruktur noch eine Schattenflotte.


