Fremm Evo Grafik Fincantieri

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FREMM Evo – Portugal plant Beschaffung über SAFE und OCCAR

Portugal bekundet Interesse an drei FREMM Evo - Abwicklung über SAFE und OCCAR

Mit der am 20. Juli erfolgten offiziellen Bekanntgabe in Rom durch Premier Luís Montenegro und seine italienische Amtskollegin Giorgia Meloni leitet Lissabon das finanziell volumenreichste Vorhaben der Marinha Portuguesa in der jüngeren Geschichte ein. Für rund 3,9 Milliarden Euro sollen drei Fregatten der Klasse FREMM Evolution (Evo) von Fincantieri beschafft werden.

SAFE und OCCAR als institutionelle Basis

Rechtlich handelt es sich bei dem Akt in Rom um eine politische Rahmenvereinbarung (Government-to-Government). Die finale vertragliche Abwicklung wird über die Rüstungsagentur OCCAR erfolgen, der Portugal im März 2026 als elfter Mitgliedstaat beigetreten ist. Der eigentliche technische Beschaffungsvertrag mit dem Hauptauftragnehmer Orizzonte Sistemi Navali steht damit im nächsten Schritt an.

Möglich wird die Milliardeninvestition durch das im Mai 2025 von der EU beschlossene Finanzierungsinstrument SAFE (Security Action for Europe). Aus diesem Topf greift Portugal auf ein Kreditvolumen von 5,8 Milliarden Euro zurück, wovon nun der Großteil in das Flottenerneuerungsprogramm fließt.

Europäisches Balzverhalten

Der Entscheidung ging ein intensiver Bieterwettstreit mit Frankreichs Naval Group und ihrer FDI (Frégate de Défense et d'Intervention) und der spanischen Navantia mit ihrer F-110-Klasse voraus.

Italian frigate Carabinieri
Italienische Fremm-Fregatte Carabinieri Foto: Marina Militare

Dass sich Fincantieri durchsetzte, liegt neben der raschen Verfügbarkeit an den von Rom gebotenen industriellen Gegengeschäften. Laut Kommuniqué des Verteidigungsministeriums ist die Revitalisierung der angeschlagenen Staatswerft Arsenal do Alfeite Bestandteil des Deals. Fincantieri soll eine Beteiligung der portugiesischen Werft bei der lebenszyklusbegleitenden logistischen Unterstützung (Through Life Support Management (TLSM)) angeboten haben.

Für Italien ist der Export ein industriepolitischer Erfolg: Er verlängert die Fertigungslinie in Riva Trigoso/Muggiano über die eigene Marine hinaus und stärkt Fincantieris Position als einer der europäischen Systemhäuser.

Navantia verliert einen möglichen Referenzkunden für die F-110-Exportstrategie in einem Markt, den man geografisch als natürliches Absatzgebiet betrachtete. Für Naval Group wiegt die Niederlage besonders, da die FREMM-Basisplattform gemeinsam mit Fincantieri entwickelt hatte, nun aber im Duell um einen NATO-Partner das Nachsehen hat. Obwohl Naval Group und Fincantieri seit 2020 über das Joint Venture Naviris strategische Partner sind, standen sich beide Unternehmen dennoch in Lissabon als Konkurrenten gegenüber.

Lösung eines drängenden Nachfolgeproblems

Mit der ca. 6.700 Tonnen verdrängenden FREMM Evo vollzieht die Marinha Portuguesa eine erforderliche Modernisierung in der zeitgemäßen Seekriegsführung. Die drei neuen Einheiten sollen die drei in den 1990ern in Dienst gestellten MEKO 200 PN der Vasco da Gama-Klasse sowie die zwei gebraucht aus den Niederlanden übernommenen M-Fregatten der Bartolomeu Dias-Klasse ersetzen. Beide stoßen trotz Upgrades an strukturelle, technologische und finanzielle Grenzen.

Aus portugiesischer Sicht erscheint die Überwachung des strategisch kritischen „Atlantischen Dreiecks“ (Festland – Madeira – Azoren) wichtig. Die Schiffe erhalten mit dem Schleppsonar CAPTAS-4 und einer Sonar-Suite moderne Fähigkeiten zur Anti-Submarine Warfare (ASW). Neben dem Führungs- und Waffeneinsatzsystem der italienischen PPA-Klasse sollen sie auch über das neue Kronos Dual-Band AESA-Radar von Leonardo und das Flugabwehrsystem FSAF-PAAMS (Aster 15/30) verfügen.

Strategische Einordnung

Mit dem Einklinken in die Fertigungslinie der Marina Militare, die im Juli 2024 zwei FREMM Evo geordert hatte, wird für Portugal eine schnelle Auslieferung im Zeitraum 2029 bis 2030 möglich. Die Baugleichheit schafft bilaterale Synergien: Von der Nutzung italienischer Simulatoren zur Besatzungsausbildung bis hin zu gemeinsamen Ersatzteilpools über die OCCAR reduzieren sich Kosten.

Über SAFE und OCCAR soll mit der FREMM Evo eine für Lissabon akut drohende Fähigkeitslücke bis 2030 geschlossen werden. Parallel bleibt Portugal im Rahmen der EDA am Projekt European Combat Vessel (ECV) beteiligt, um die Anforderungen an mittlere, modulare Plattformen für die Dekade 2040+ mitzugestalten.

Dennoch sind vor dem Zulauf noch andere Herausforderungen zu lösen. Die FREMM Evo überschreiten die Kapazitäten von Zufahrt und Trockendock im Arsenal do Alfeite, womit Lissabon um Infrastrukturmaßnahmen nicht umhinkommt, wie portugiesische Medien feststellen (FREMM Evo: Breite 20 Meter, Tiefgang 9 Meter bisherige Kanaltiefe ca. 6 m/Trockendock 18 m Breite).

Text: Mergener

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