Arbeiter der Peene Werft mit der Kiellegungsplatte Foto: BMVg

Arbeiter der Peene Werft mit der Kiellegungsplatte Foto: BMVg

Kiellegung des dritten Flottendienstbootes der Klasse 424

Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius kündigte ein viertes Flottendienstboot an

Verteidigungsminister Boris Pistorius schlaägt den Nagel in die Kiellegungsplatte Foto: BMVg
Verteidigungsminister Boris Pistorius schlägt den Nagel in die Kiellegungsplatte Foto: BMVg

Auf der Wolgaster Peene-Werft wurde in Anwesenheit von Boris Pistorius, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Rheinmetall Chef Armin Pappberger gemeinsam mit Vertretern des BAAINBw und der Deutschen Marine die Kiellegung des dritten Flottendienstbootes der Klasse 424 gefeiert. Damit ist die Fertigung der zukünftigen Aufklärungsschiffe voll im Zeitplan. Bereits am 16. April 2026 war der Brennbeginn vorzeitig erfolgt. Diese Geschwindigkeit ist aber auch der Streichung des Projektes Fregatte 126 geschuldet, die in der Wolgaster Peenewerft derzeit eigentlich ebenfalls gebaut werden sollte. Der Ausfall dieses großen Rüstungsprojektes war ein herber Rückschlag für die Werft, die für die Region nicht nur ein Arbeitgeber, sondern Tradition und Identität der Wolgaster ist. Umso mehr dürfte es für Arbeiter und Bevölkerung ein wichtiges Signal gewesen sein, dass Boris Pistorius in seinem Begrüßungsstatement ankündigte, für die Bundeswehr ein weiteres Flottendienstboot bestellen zu wollen. Wörtlich sagte er: „zuerst das Allerwichtigste, meinen ganz, ganz herzlichen Dank für die bisher geleistete Arbeit.“ Besser könne man sich es nicht wünschen. „Sie liefern hier wieder einen grandiosen Beweis für Ihre Leistungsfähigkeit, für Ihren Einsatz und dafür, dass dieser Standort ganz sicher eine Zukunft hat.“ Und diese Zukunft, so Pistorius, sei mit dem Bau eines dringend notwendigen vierten Bootes gesichert. Die Beschaffung eines vierten Schwesterbootes sei auf den parlamentarischen Weg gebracht. Das geschehe in Abstimmung mit den beiden Inspekteuren der Kommandos Marine Jan C. Kaack und Cyber-/Informationsraum Dr. Thomas Daum – stark eingesetzt habe sich besonders auch Manuela Schwesig. Ferner erläuterte Pistorius den strategischen Wert: Die Boote sollen ab 2029 die maritime Aufklärung der Bundeswehr garantieren und als „Augen und Ohren auf hoher See“ ein strategisch umfassendes Lagebild ermöglichen. Wegen wachsender hybrider, cyberbezogener und militärischer Bedrohungen sei diese Fähigkeit wichtig.

Dringender Bedarf

Design of the new fleet service boats
Design of the new fleet service boats

Die Flottendienstboote – oder FloDiBo’s wie die Belegschaft sie nennt – werden nach ihrer Indienststellung von Deutscher Marine und dem Cyber- und Informationsraum (CIR) gleichermaßen genutzt. Die rund 130 Meter langen Flottendienstboote werden alle in der Peene-Werft, in Bremen und in Hamburg gefertigt. Die Vorschiffe werden bei der Lürssen-Werft mit der hinteren Sektion verbunden und anschließend zur Endausrüstung nach Hamburg verlegt. Der Zulauf der Schiffe wird rund 2030 plus erfolgen. Die vereinbarte Beschaffung von ursprünglich drei Flottendienstbooten der Klasse 424 mit einer Ausbildungs- und Referenzanlage erfolgte im Juni 2021. Nun habe sich die Bedarfslage erheblich geändert.

Flottendienstboote der Deutschen Marine und dem CIR sind spezialisierte Einheiten zum Überwachen von See- und Küstengebieten mit elektronischen, hydro-akustischen und elektro-optischen Sensoren und dienen dem Abhören von Funkverkehr, dem Erfassen elektromagnetischer Signaturen und der Identifikation von Schiff und Gerät. Daher wurden diese Boote hin und wieder früher auch „Messboote“ genannt. Die Boote mit ihren spezialisierten Sensoren sind für die strategische Informationsgewinnung von zentraler Bedeutung. Ihr Einsatzgebiet hat sich seit Jahren aus der Ostsee heraus auch in andere Operationsgebiete verlagert.

Einsetzen der Kiellegungsplatte unter das dritte Boot. Foto: BMVg
Einsetzen der Kiellegungsplatte unter das dritte Boot. Foto: BMVg

Die neuen Boote mit einer Länge von etwa 132 Metern und einer Verdrängung zwischen 3500 und 4000 Tonnen sollen die bisherigen Flottendienstboote der Klasse 423 ablösen. Die Fahrbesatzung der Boote soll bei 50 Personen liegen, die einzuschiffende Aufklärungsmannschaft ebenfalls bei ca. 50 Personen.

Meist geheimer Auftrag

Sie stehen unter der operativem Führung der Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum und werden stets national geführt, man gibt diese wertvollen Fähigkeiten nie aus der Hand, noch nicht einmal NATO-Partnern. Die Ergebnisse sind aber für alle Verbündeten von großer Bedeutung. Im Kalten Krieg zum Beispiel waren die Fotos, die die „Messboote“ von Einheiten des Warschauer Paktes sogar in 3-D geschossen hatten, eine beliebte „Handelsware“ unter den Alliierten. Diese Schiffe bieten mehr als ein militärisches Lagebild zum Beispiel in der Ostsee, sie liefern eventuell auch eine wesentliche Entscheidungsgrundlage für die nationale Sicherheit in den Gremien der Bundesregierung.

Fleet service boat Alster. Photo: Michael Nitz
Fleet service boat Alster. Photo: Michael Nitz

Über Flottendienstboote verfügte die Marine nahezu seit ihrer Gründung. Die ersten Einheiten klärten hauptsächlich in der Ostsee die Flotten des Warschauer Paktes auf. Die aktuelle Generation Flottendienstboote der Marine ist bereits die dritte. Ihre Einsätze werden nicht öffentlich kommuniziert, sie operieren eher verdeckt, und was genau sie tun, davon wissen nur sicherheitsüberprüfte Personenkreise. Nicht nur beim Betrieb, auch beim Bau dieser Schiffe herrschen strenge Sicherheitsauflagen.

 

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