Bild: Auch viele Container werden zur Schädlingsbekämpfung begast. Reustli/CC BY-SA 4.0

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Phosphinvergiftung – Ladung mit tödlichen Folgen

London:  Bereits geringe Undichtigkeiten beim Transport begaster Ladung können lebensgefährlich sein. Treten an Bord gleichzeitig Krankheitssymptome bei mehreren Besatzungsmitgliedern auf, muss nach Auffassung des Nautical Institute zunächst eine Vergiftung durch das Begasungsmittel vermutet werden.

Nach der Verladung von Sheanüssen brachten Fachkräfte ein Phosphin (PH3) freisetzendes Begasungsmittel aus. Die Besatzung des Stückgutfrachters erhielt jedoch keine Informationen über dessen Eigenschaften, erforderliche Schutzmaßnahmen oder das Verhalten während der Reise. Während der Begasung wurde ein stechender Geruch wahrgenommen, der nach dem Schließen der Luken verschwand.

Bereits in der ersten Nacht nach dem Auslaufen erkrankten mehrere Besatzungsmitglieder mit Bauchschmerzen, Erbrechen, Schwäche und starkem Kältegefühl. Zunächst wurde fälschlicherweise eine Lebensmittelvergiftung vermutet. Erst nachdem der Erste und der Dritte Offizier im angelaufenen Hafen trotz Wiederbelebungsmaßnahmen verstorben waren, wurde bei den übrigen 15 Besatzungsmitgliedern eine Phosphinvergiftung festgestellt.

Die Seeunfalluntersuchung ergab, dass das Begasungsmittel durch Undichtigkeiten im Lüftungssystem aus dem Laderaum in die Unterkünfte gelangt war. Für das extrem toxische Phosphin beträgt der Arbeitsplatzgrenzwert lediglich 0,1 ppm (parts per million). Nach Angaben des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung sind bei Menschen Konzentrationen ab 7,2 ppm für 30 bis 60 Minuten lebensbedrohliche Wirkungen nicht auszuschließen.

Das Nautical Institute leitet daraus ab, dass Besatzungen vor Reisebeginn umfassend über Begasungsmittel und Schutzmaßnahmen informiert werden müssen. Fehlen diese Informationen, darf die Reise nicht angetreten werden. Schiffe mit begaster Ladung sollten über geeignete Gasmessgeräte, Atemschutzgeräte sowie den aktuellen „Medical First Aid Guide for Use in Accidents Involving Dangerous Goods“ verfügen. Während der Reise sind regelmäßige und dokumentierte Gasmessungen in kurzen Abständen in den häufig frequentierten Aufenthalts- und Arbeitsbereichen der Besatzung erforderlich.

Das Nautical Institute ist eine gemeinnützige Bildungs- und Mitgliederorganisation mit Beraterstatus bei der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO). Seit mehr als 25 Jahren sammelt und veröffentlicht sie Seeunfälle aller Art im Rahmen des „Mariners’ Alerting and Reporting Scheme“ (MARS). In der frei zugänglichen MARS-Datenbank werden Erkenntnisse aus Unfällen für die Verbesserung der Sicherheit in der Schifffahrt bereitgestellt.

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