Update der Lage durch das Dezernat Marineschifffahrtleitung in Hamburg:
Die Lage im Persischen Golf bleibt für die Handelsschifffahrt kritisch. Während politische Aussagen zur Waffenruhe widersprüchlich bleiben, bewertet die Marineschifffahrtleitung in Hamburg die operative Gefahrenlage für Schiffe und Besatzungen. Das aktuelle Lagebild nennt weiter ernsthafte Risiken durch Blockaden, Minengefahr, technische Störungen und mögliche Angriffe. Auch die Lage an den Zapfsäulen zu den Sommerferien bleibt damit ungewiss.
Wie sieht denn die Marineschifffahrtleitung in Hamburg die Gefahrenlage?
Schließlich bewertet die Dienststelle nicht die politischen Entwicklungen, sondern die Sicherheit für den Schiffsverkehr. Und letzteres wird bestimmen, ob sich an der Zapfsäule etwas tut.
Das erste Mal seit der ausgehandelten Waffenruhe zwischen USA, Israel und Iran, haben auch Israel und der Iran wieder Angriffe aufeinander ausgeübt. Daraufhin haben die Houthi am 08.06 erklärt, dass die Meerenge Bab al-Mandab für alle Schiffe mit einer Verbindung zu Israel geschlossen ist. Jedoch haben die Houthi schon mehrfach mit einer Aufnahme von Angriffen in der Bab al-Mandab und dem Roten Meer gedroht, doch bis dato gab es keine solcher Vorfälle in diesem Seegebiet.
Nach den letzten Angriffen der USA in der Nacht vom 10. Juni auf den 11. Juni berichtet Iran von einer erneuten kompletten Schließung der Straße von Hormus. Dies bedeute, dass alle Schiffe die durch die Meerenge fahren als Ziel genommen werden würden. Die USA dementieren diese Aussage und stellen dem entgegen, dass weiterhin Schiffe durch die Straße von Hormus fahren.
Die USA haben drei weitere Schiffe – MARIVEX (9464156), SETTEBELLO (9162916), JALVEER (9486283) – manövrierunfähig geschossen. Nach Aussage des indischen Schifffahrtsminister sind bei dem Angriff auf die SETTEBELLO drei indische Seeleute ums Leben gekommen. Zusätzlich wurde am 05.06 ein weiteres Schiff (DAVINA 92593679) von den USA beschlagnahmt worden sein. Dies soll mit iranischem Öl beladen gewesen sein. Die Anzahl der Beschlagnahmung im Zusammenhang mit dem Iran steigt somit auf vier.
In vier Positionen wurden Minen gemeldet, diese Positionen sind von deutscher Seite aus nicht verifizierbar. Eine Gefahr durch weitere Minen im Bereich der Straße von Hormus kann weiterhin nicht ausgeschlossen werden. Störungen von AIS und GPS sind immer noch vorhanden, gegenüber März deutlich reduziert. Jedoch zeigen eigene Auswertungen, dass die AIS-Position von Schiffen im Bereich der Straße von Hormus wiederholt gestört werden.
Lage- und Warnhinweise Persischer Golf
Seit Kriegsbeginn wurden im Persischen Golf insgesamt 35 Handelsschiffe angegriffen und haben teils schwere Schäden erlitten. Seit der letzten Lage vom 04.06.2026 gab es keine bestätigten Angriffe gegen Handelsschiffe mehr.
Der Iran hat vier schiffe beschlagnahmt, drei Schiffe sind weiterhin in der Hand somalischer Piraten. Am 10.06. berichtet ein Massengutfrachter von einem Skiff aus beschossen worden zu sein. Das Feuer wurde vom an Bord befindlichem Sicherheitsteam erwidert, worauf hin die möglichen Piraten ihren Angriff abgebrochen haben. Weiterhin sind die Witterungsbedingungen nur in Küstennähe für Piraterie-Angriffe mit kleinen Booten günstig. Die Warnstufen der Marineschiffahrtleitung für das Arabische Meer, den Golf von Aden, Die Bab al-Mandab, das Rote Meer, die somalische Küste und das Somali Becken bleibt gemäßigt.
Zur Infrastruktur und zum Hafenstatus veröffentlicht die Dienststelle eine nahezu normale Situation, sieht man von Wartezeiten und zusätzlichen Risikozuschlägen ab.
Deutsche Interessen
Gemäß AIS-Daten und nach Rücksprache mit Reedereien sind etwa 142 Schiffe mit deutschem Bezug in der Area of Interest (siehe Anlage), davon 41 Schiffe im Persischen Golf. Es wurden bis jetzt 3 Schiffe mit deutschem Bezug angegriffen.
Die aktuelle Lage für die Schifffahrt im Persischen Golf und den angrenzenden Gewässern ist weiterhin von einer massiven Bedrohung geprägt. Die Seeblockade der USA bleibt weiterhin bestehen und mit dem Beschuss der drei Schiffe (MARVIX, SETTEBELLO und JALVEER) trägt diese weiter nicht zu einer Harmonisierung bei. Weiterhin bleibt das operative Risiko durch technische Störungen hoch. Die massiven GPS-Manipulationen im gesamten Sektor sind im Vergleich mit März zurück gegangen sind, dennoch zeigen aktuelle Information eine erneute Aufnahme von lokalisierten Störungen. Es wird weiterhin davon ausgegangen, dass der Iran noch ausreichend Raketen und Drohnen, vor allem für Angriffe im Persischen Golf besitzt.
Conclusion
Die Gefährdungslage für Schiffe und Besatzungen ist weiterhin komplex. Operativ bleibt die Lage durch die verfestigten Blockaden und die Möglichkeit weiterer Angriffe in der Straße von Hormus kritisch. Dennoch konnten eine höhere Anzahl an Schiffen über die südliche Route das gefährdetet Gebiet verlassen. Daher wird das Gefährdungspotenzial auch für die Straße von Hormus heruntergesetzt. Das Gefährdungspotenzial für den Persischen Golf, dem Golf von Oman und der Straße von Hormus stuft die Marineschiffahrtleitung aber weiterhin als ernst ein.
