Wie das Dezernat Marineschifffahrtleitung in Hamburg mitteilte, ist die Lage im Persischen Golf hochdynamisch.
Die US-Streitkräfte haben im letzten Berichtszeitraum mehrfach Ziele im Süden, im Rahmen von so genannten „Selbstverteidigungsschlägen“ gegen militärische Einrichtungen, beschossen. Zusätzlich haben die USA zwei Schiffe manövrierunfähig geschossen, um die Seeblockade iranische Häfen und Küstengewässer aufrechtzuerhalten. Der Iran hat wiederum ein Schiff vor der Küste des Iraks sowie den internationalen Flughafen in Kuwait getroffen. Weitere Angriffe auch auf Handelsschiffe konnten von den US-Streitkräften abgewehrt werden.
Danger of mines
Angaben zum Status der Verhandlungen sind widersprüchlich. Eine erneute verhandelte Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon, wobei die Konfliktpartei Hisbollah nicht mit einbezogen wurde, schürt Hoffnung auf ein Vorankommen auch in den Verhandlungen zwischen dem Iran und der USA. Dennoch droht der Iran mit weiteren Angriffen, der kompletten Sperrung der Straße von Hormus und wiederholt auch mit der Sperrung der Bab al-Mandab durch Verbündete. Die Einbeziehung der Meerenge Bab al-Mandab wurde bereits mehrfach angedroht, bislang aber noch nicht durchgesetzt. Durch das NCAGS Element der fünften US- Flotte wurden drei Orte mit möglichem Minenfund gemeldet. Zusätzlich haben Informationen zu Folge omanische Fischer eine treibende Mine gefunden. In mehreren Stellen wurden durch die US Marine Minen gemeldet, diese Positionen sind von deutscher Seite aus nicht verifizierbar: Eine Gefahr durch weitere Minen im Bereich der Straße von Hormus kann weiterhin nicht ausgeschlossen werden. Störungen von AIS und GPS sind immer noch vorhanden, jedoch gegenüber März deutlich reduziert. Die Störungen treten unregelmäßig und lokal auf. In den letzten Tagen traten vermehrt Störungen vor dem saudi-arabischen Hafen Yanbu im Roten Meer und in der Straße von Hormus auf.
Location
Seit Kriegsbeginn wurden im Persischen Golf insgesamt 35 Handelsschiffe angegriffen und haben teils schwere Schäden erlitten. Seit der letzten Lage vom 28.05.2026 gab es 1 bestätigten Angriff gegen Handelsschiffe. Bei dem in den Medien berichteten Angriff auf die MSC PANAYA im Hafen von Manama (Bahrain), handelt es sich nach Informationen des FRA MICA Centre (Rücksprache mit dem Kapitän) um eine Falschmeldung, wie sie zu Beginn des Konflikts bereits mehrfach vorkamen.
Die USA haben als Teil der Seeblockade des Irans die Schiffe SKYWAVE, MAJESTIC X und TIFANI beschlagnahmt. Am 30.05 haben die USA mit der LIANSTAR (9072692) ein fünftes Schiff und am 01.06.2026 mit der LEXI (9203277) ein sechstes Schiff – neben der TOUSKA, HASNA, SEASTAR III und der SEVDA -angeschossen, um die Seeblockade durchzusetzen. Der Iran hat die HUI CHUAN, JIN LI, EPAMINONDAS und die MSC FRANCESCA beschlagnahmt. Wie im letzten Berichtszeitraum sind die Schiffe EUREKA, HONOUR 25 und SWARD weiterhin in der Hand somalischer Piraten. Im Somalibecken und indischen Ozean herrscht derzeit ein südwestlicher Monsun mit einer Wellenhöhe um 2 m. Daher wird davon ausgegangen, dass in diesem Gebiet zurzeit kleine Boote nicht für Angriffe auf Handelsschiffe genutzt werden können. Im Golf von Aden gab es im letzten Berichtszeitraum mehrere verdächtige Annäherungen und es wird derzeit von zwei aktiven Piratengruppen ausgegangen.
Tatsächliche Angriffe wurden jedoch nicht gemeldet, die Warnstufe für Bab al-Mandab, Golf von Aden und südliches Rotes Meer wird seitens der Marineschifffahrtleitung immer noch als moderat angesehen.
Infrastructure
Im letzten Berichtszeitraum gab es keine Angriffe auf Häfen oder maritime Infrastruktur. Am 03.06.2026 wurde der internationale Flughafen in Kuwait vom Iran angegriffen und zum Teil schwer beschädigt mit Verletzten und einem Toten.
Der Betrieb in den Häfen von Fudschaira und Khor Fakkan läuft ohne Unterbrechungen. Auch die Terminals in Dschabal Ali, Hamriya, Schardscha, Khalifa, Abu Dhabi und Ruwais sind funktionsfähig, alle Häfen in Kuwait sind voll einsatzbereit; offizielle Meldungen über Betriebsunterbrechungen liegen nicht vor. Die Küstenwache hat jedoch die Erteilung von Einreisegenehmigungen für aus irakischen Häfen kommende ausländische Schiffe bis auf weiteres ausgesetzt. Alle omanischen Häfen sind voll betriebsbereit, wobei Schiffe vor dem Einlaufen offiziell bestätigen müssen, dass keine gefährlichen Güter geladen sind; andernfalls sind eine detaillierte Deklaration und die Genehmigung des Ministeriums abzuwarten.
Alle Häfen in Saudi-Arabien sind bei voller Kapazität ohne Einschränkungen oder Warnungen in Betrieb. Der Schiffsverkehr in Bahrain wurde wieder aufgenommen, der Betrieb bleibt jedoch aufgrund der aktuellen Lage eingeschränkt.
Laut dem Transportministerium von Qatar gibt es keine Einschränkungen mehr für den Seeverkehr. Dennoch sollen Schiffe sicher gehen, dass alle Sicherheitseinrichtungen vollständig sind und funktionieren.
Deutsche Interessen
Gemäß AIS-Daten und nach Rücksprache mit Reedereien sind etwa 155 Schiffe mit deutschem Bezug in der Region, davon 44 Schiffe im Persischen Golf. Es wurden bis jetzt 3 Schiffe mit deutschem Bezug angegriffen.
Die aktuelle Lage für die Schifffahrt im Persischen Golf und den angrenzenden Gewässern ist weiterhin von einer massiven Bedrohung geprägt. Der Iran hat erneut ein Schiff getroffen und weitere Schiffe angegriffen, diese konnten allerdings abgewehrt werden. Die Anzahl der Angriffe ist im letzten Berichtszeitraum wieder gestiegen, es wird allgemein jedoch nicht davon ausgegangen, dass es wieder zu flächendeckenden Kampfhandlungen kommt. Die Wahrscheinlichkeit für vereinzelte Schläge, wie auch in der letzten Woche, ist jedoch gestiegen.
Die Seeblockade der USA bleibt weiterhin bestehen. Es wird weiterhin davon ausgegangen, dass der Iran noch ausreichend Raketen und Drohnen, vor allem für Angriffe im Persischen Golf besitzt. Die Gefährdungslage für Schiffe und Besatzungen ist weiterhin komplex. Für die Straße von Hormus gilt jedoch weiterhin ein hohes Risiko.

