Foto: Verteidigungsministerium der russischen Föderation

Hyperschall Marschflugkörper Zirkon, Foto: Verteidigungsministerium der russischen Föderation

Russisches U-Boot testet Hyperschall-Marschflugkörper Zirkon

Am 5. Oktober bestätigte das russische Verteidigungsministerium zwei erste, erfolgreich verlaufene Testschüsse der Hyperschall-Rakete Zirkon von einem U-Boot aus. Die beiden 3M22-Marschflugkörper (SS-N-33) wurden in der Barents-See von der SEWERODWINSK (K-560) aus gestartet, dem Typboot der atomar getriebenen YASEN-Klasse (Projekt 885).

Während der erste Schuss wohl noch vom aufgetauchten Angriffs-U-Boot aus abgefeuert wurde, soll tags darauf der zweite aus einer Tauchtiefe von 40 Metern erfolgt sein. Beide Flugbahnen seien wie berechnet verlaufen und das vorgegebene Ziel erreicht worden. Bei den bereits mehrfach durchgeführten Testschüssen in See wurden Mach 8 gemessen und Ziele in 450 Kilometer angeflogen, allerdings nur stationäre Objekte. Damit könnte sich das Zirkon-Erprobungsprogramm seinem Ende nähern und den Weg frei machen für eine Serienproduktion. Eine querschnittliche Ausrüstung der Über- und Unterwasserkräfte der russischen Föderation mit diesem Marschflugkörper wäre wohl ab 2023 im Rahmen des Möglichen, weil er sich aus den gleichen Silos starten lässt, in denen auch die FK-Standardwaffe Kalibr (SS-N-27/30) mitgeführt wird.

Der Seeziel-Marschflugkörper Zirkon soll als see- und landzielfähige Hyperschall-Waffe neunfache Schallgeschwindigkeit (11.000 km/h) erreichen und eine Distanz von bis zu 1.000 Kilometern zurücklegen können. Dazu verfügt er über einen zweistufigen Antrieb. Der abtrennbare Booster hat einen Feststoff-Treibsatz zum Erreichen der notwendigen Überschall-Geschwindigkeit für den erst dann einsetzenden Scamjet (Supersonic Combustion Ramjet – Staustrahltriebwerk mit Luftatmung), der mit einem synthetischen Flüssig-Treibstoff auf Maximalgeschwindigkeit beschleunigt und sie hält. Auch in großer Höhe werden dabei an Kopf und Steuerflächen des Flugkörpers Temperaturen erreicht, die völlig neuartige Werkstoffe erforderlich machten. Allein die kinetische Energie bei Geschwindigkeiten über Mach 7 erzeugt beim Auftreffen auf ein festes Ziel eine beachtliche Explosion – oder ein entsprechendes Durchschussloch in einer Schiffsstruktur. Ein vermuteter Sprengsatz von bis zu 200 Kilogramm ist zwar nicht ausreichend, um gehärtete Ziele zu zerstören, aber die hohe Geschwindigkeit lässt bisher bekannte Abwehrmethoden erfolglos erscheinen – was wiederum strategisch einen destabilisierenden Effekt zur Folge hat.

Da ist es fast unerheblich, dass es kaum Konkretes über den Suchkopf des Zirkon zu berichten gibt und auch zur Zielgenauigkeit keine Angaben vorliegen. Anders als der auf amerikanischer Seite entwickelte Hyperschall-Flugkörper soll das russische Muster zudem auch einen atomaren Sprengsatz tragen können. Weitere Entwicklungen Russlands deuten auf strategische Hyperschall-Raketen mit interkontinentalen Reichweiten bei bis zu 20-facher Schallgeschwindigkeit hin. Eine Gleichung mit vielen Unbekannten! Trotzdem: Befindet sich derzeit die Büchse der Pandora vielleicht in russischen Händen?

Zum Testschuss von Bord der Fregatte ADMIRAL GORSHKOV (Projekt 22350) vom 19. Juli 2021 siehe Video.

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