Großer Flottenbau: Doppelstrategie bei Fregattenprogramm entschieden
Gestern – am 28. Januar 2026 – fand in Berlin die Sitzung des Verteidigungsausschusses statt. Nach einigen Berichterstattungen zur aktuellen Lage rundum waren unter Tagesordnungspunkt 7 (BMF-Vorlagen) auch Tagesordnungspunkte mit Bezug zum Fregatten-Projekt F126 der Deutschen Marine zu finden. Es ging um nicht weniger als die Entscheidung, die Fortführung des gestockten Fregattenprogramms F 126 zu entscheiden oder eine Alternative Plattform aufzuzeigen. Dazu erwartete man eine Berichterstatung des "Bundesministeriums der Verteidigung zum Vorhaben Beschaffung von Fregatten auf Basis von Alternativ-Plattformen."
Zuvor hatte jedoch NVL B.V. & Co. KG (NVL) mit einer Pressemitteilung für Aufmerksamkeit gesorgt, denn - so der Text - man arbeite daran, "das F126-Projekt in wenigen Wochen als Generalunternehmer zu übernehmen". dem Team sei es gelungen, "den Gordischen Knoten zu lösen und die Konstruktionsdaten der niederländischen DAMEN erfolgreich ins eigene System zu übertragen." Damit habe man die Schnittstelle zwischen Konstruktion und Fertigung geschlossen". Wörtlich dazu Tim Wagner, CEO der NVL: „Das war eine echte Herausforderung und wahrscheinlich der kritischste Meilenstein für eine mögliche Übernahme.“ Wie man erfährt, war die zeitliche Nähe zur parlamentarischen Befassung rein zufällig und nicht - wie man unterstellen könnte - platziert. Dazu passt die Tatsache, dass die Arbeiten bereits in vollem Gange weiterlaufen.
Der Haushaltsausschuss billigte am selben Tag einen Vorvertrag mit TKMS über die Beschaffung von voraussichtlich vier Fregatten der Klasse MEKO A-200. Dafür wurden 50 Millionen Euro freigegeben, um Fertigungsslots zu sichern und Material mit langen Lieferzeiten zu bestellen. Ziel ist es, bereits Ende 2029 ein erstes Schiff zulaufen zu lassen. Zusätzlich wurden zwei in Verbindung mit dem Projekt F 126 im Verteidigungshaushalt ausgebrachte Sperren aufgelöst. Womit das politische Signal lautet: Der technische Neuanfang ist machbar. Verteidigungsminister Boris Pistorius soll sich dahingehend eingelassen haben: „Wir geben die F126 nicht auf. Aber wir wollen zweigleisig fahren.“
Das ist zwar ein Fortschritt, gleichwohl beträgt der Zeitverzug des F126-Programms nahezu zwei Jahre. Die diskutierte MEKO-A200-Plattform ist ein Ausweg: sie gilt als verfügbar, industriell beherrschbar und mit geringerem Entwicklungsrisiko versehen. Gleichzeitig sind die Investitionen in das F 126 Programm "errettet", denn ein Abbruch wäre politisch und finanziell kaum vermittelbar. Nach unseren Berechnungen sind bereits rund 1,8 Milliarden Euro investiert, Fähigkeiten eingeplant und industrielle Zusagen gegeben. Die Zulieferer erfüllen ihre vertraglichen Verpflichtungen nach wie vor. Der eingeschlagene Kurs – technischer Neustart bei gleichzeitiger Vorbereitung einer Alternativlösung – ist bei all seiner Fragilität rational begründbar. Zeitlich ist der Plan ambitioniert, aus "gut unterrichteten Kreisen" hört man, dass bereits im Frühjahr Vertragsabschlüsse erfolgen sollen. Wer was baut, ist derzeit rein spekulativ, aber die Werftkapazitäten in Deutschland werden allesamt gebracuht werden!
Ein Nebeneinander von F126 und MEKO A200 plus F 127?
Drei große Überwasserkampfschiffprojekte greifen parallel auf begrenzte Ressourcen zu: Konstruktion, Werftkapazitäten, Zulieferketten und Abnahmeprozesse. Herausfordernd wird die Werft- und Personalfrage: Reichen Ingenieure, Facharbeiter und Dockplätze für drei Programme. Schon heute hat die Marine Personalprobleme. Nachwuchsgewinnung wird ein limitierender Faktor, unabhängig vom Schiffstyp. Eine Lösung wird hinter den Kulissen erwogen: die Ausphasung der Korvetten Klasse 130 würde Kapazitäten an Logistik und Personal freisetzen. Die MEKO quasi als Ersatz für das erste Los 130. Das ist noch nicht alles, was der Marineschiffbau wird leisten müssen und wollen, denn weitere Einheiten sind in der Ableitung des Bedarfes möglich: drei statt zwei zivil besetzte Betriebsstoffversorger, vier statt drei Flottendienstboote sind denkbar. Und über Nachfolger für Tender und Minensuchboote ist auch noch nicht entschieden.
Wir werden berichten.
Text: Schlüter / Mergener / Stephenson

