Luftbildaufnahme - Firmengelände Damen Shipyards. Bild: Damen

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Niederlande - Ermittlungen bei Damen Shipyards

Anfang Dezember 2025 durchsuchte der niederländische Finanzinformations- und Ermittlungsdienst FIOD im Rahmen einer Sanktionsuntersuchung mehrere Geschäftsräume von Damen Shipyards sowie Privatwohnungen von Mitarbeitern. Dabei wurden zwei Direktoren des Unternehmens im Alter von 39 und 60 Jahren verhaftet und in Untersuchungshaft genommen, wie die niederländische Fernsehsendung Nieuwsuur berichtete.

Gegenstand der Ermittlungen ist der Verdacht, dass Damen Shipyards nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 und nach Inkrafttreten erster EU-Sanktionen weiterhin Waren in Drittstaaten geliefert haben könnte, über die diese anschließend nach Russland gelangten. Der FIOD stellte im Zuge der Durchsuchungen physische und digitale Unterlagen sowie Datenträger sicher, die nun ausgewertet werden.

Nach Recherchen von Nieuwsuur steht ein umfangreiches Schiffbauprojekt für den Krebsfang im Mittelpunkt der Untersuchung. Demnach sollen russische Werften über Zwischenstationen in der Türkei und in Hongkong Zugang zu sanktionierten Komponenten erhalten haben. Mehrere Hersteller erklärten, ihre Bauteile in Importdatenbanken wiedererkannt zu haben. Mindestens drei Unternehmen, darunter der deutsche Propellerhersteller Schottel, gaben an, die identifizierten Komponenten ausschließlich an Damen Shipyards in den Niederlanden geliefert zu haben.

Damen Shipyards weist die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen erklärte, uneingeschränkt mit den zuständigen Behörden zu kooperieren und in allen Geschäftsvorgängen die geltenden gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben eingehalten zu haben.

Die aktuellen Ermittlungen stehen nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit einem weiteren Verfahren gegen Damen Shipyards, das ebenfalls von der FIOD geführt wird. Dieses betrifft Vorwürfe der Bestechung, Urkundenfälschung und Geldwäsche in einem Zeitraum von 2006 bis 2017. Darüber hinaus existiert ein separater Fall möglicher Sanktionsverstöße im Zusammenhang mit der Lieferung mehrerer Kräne nach Russland.

Die Festnahmen auf Führungsebene und die parallelen Ermittlungsverfahren erhöhen den Druck auf den niederländischen Schiffbauer erheblich. Für staatliche Auftraggeber und internationale Kunden, insbesondere im sicherheitsrelevanten maritimen Umfeld, gewinnen Fragen der Compliance, der Lieferkettenkontrolle und der regulatorischen Verlässlichkeit weiter an Bedeutung; auch für Deutschland. Unabhängig vom Ausgang der Verfahren dürften die laufenden Untersuchungen die Bewertung des Unternehmens im internationalen Wettbewerbsumfeld nachhaltig beeinflussen.

kdk,

 

 

 

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