RFA Tankschiffe „Wave Knight“ und „Wave Ruler“. Bild: Royal Navy

RFA Tankschiffe „Wave Knight“ und „Wave Ruler“. Bild: Royal Navy

Royal Navy – Großbritannien trennt sich von Tanker-Duo

Im Zuge der laufenden Verkleinerung und Neuordnung der Royal Navy sowie der Royal Fleet Auxiliary (RFA) hat das Vereinigte Königreich den Verkauf der Flottentanker „Wave Knight“ und „Wave Ruler“ an die private Inocea Group abgeschlossen.

Die beiden großen Versorgungsschiffe befanden sich in den vergangenen Jahren nur noch in reduzierter Bereitschaft. Zwischenzeitlich waren sowohl ein Verkauf an eine andere Marine als auch die Verschrottung geprüft worden. Die 2003 in Dienst gestellten Einheiten sind jeweils 196 Meter lang, verdrängen rund 31.500 Tonnen und verfügen über eine Reichweite von mehr als 10.000 Seemeilen.

Wie Inocea Mitte Februar mitteilte, hat sich das Unternehmen verpflichtet, beide Schiffe entsprechend den Vorgaben ihrer Klasse und des jeweiligen Flaggenstaats wieder in einen voll einsatzfähigen Zustand zu versetzen und zu betreiben. Nach Angaben eines Miteigentümers der Unternehmensgruppe verfolgt Inocea damit ein klares Ziel: Beide Schiffe sollen auch in den kommenden Jahrzehnten alliierte Flotten unterstützen, deren operative Reichweite erhöhen und so zur maritimen Einsatzbereitschaft beitragen.

Inocea positioniert sich als Dienstleister für anspruchsvolle maritime Einsatzprofile und Produkte für maritime Anwendungen. Das Spektrum reicht vom Bau moderner Polar-Eisbrecher über die Unterstützung von NATO-Operationen mit einem eigenen Kampfunterstützungsschiff bis hin zu Cybersicherheitslösungen für die Handelsschifffahrt. Zudem ist die Gruppe über Beteiligungen und Werftaktivitäten in Kanada (Davie Shipbuilding), Finnland (Helsinki Shipyard) und den USA (Gulf Copper) präsent. Als wichtiger Referenzfall gilt dabei das unter kommerzieller Führung betriebene Kampfunterstützungsschiff „Asterix“, das seit 2018 NATO-Partner und verbündete Marinen unterstützt. Dieses Modell zeigt, dass Unterstützungseinheiten grundsätzlich auch unter privater Verwaltung erfolgreich eingesetzt werden können - zumindest in Friedenszeiten.

Inocea-Tanker „Asterix“ - betrieben für die Royal Canadian Navy. Bild: Inocea
Inocea-Tanker „Asterix“ - betrieben für die Royal Canadian Navy. Bild: Inocea

Der Verkauf steht zugleich im Kontext des wachsenden Spardrucks und der angestrebten Modernisierung der britischen Seestreitkräfte. Hinzu kommen Berichte über anhaltenden Personalmangel innerhalb der RFA. Das britische Verteidigungsministerium hatte daher Ende 2024 angekündigt, beide Schiffe im Rahmen einer „kosteneffizienten Entscheidung“ vorzeitig außer Dienst zu stellen. Nach Angaben der Royal Navy sollen durch die Stilllegung dieser Einheiten sowie weitere geplante Maßnahmen innerhalb von fünf Jahren Einsparungen von insgesamt 500 Millionen Pfund (etwa 578,6 Millionen Euro) erzielt werden.

Gleichwohl wirft das Modell von zivil betriebenen Flottenversorgern erhebliche praktische und sicherheitspolitische Fragen auf. Rein zivile Besatzungsvereinbarungen können in Friedenszeiten wirtschaftlich und flexibel sein. In einem Einsatzumfeld mit Bedrohungslage treten jedoch grundlegende Unsicherheiten zutage. Im Fall bewaffneter Auseinandersetzungen stellen sich unweigerlich Fragen nach Nationalität und Rechtsstatus der Besatzungen, nach Risikobereitschaft und Haftung sowie nach der Belastbarkeit vertraglicher Regelungen unter Gefechtsbedingungen. Ebenso offen bleibt, wie solche Schiffe im Kriegsfall in militärische Führungs- und Kommandostrukturen eingebunden werden können.

Unter dem Strich ist der Verkauf von „Wave Knight“ und „Wave Ruler“ daher mehr als nur ein weiterer Sparschritt der Royal Navy. Er steht exemplarisch für einen strukturellen Wandel in der maritimen Unterstützung: weg von staatlich betriebenen Reservekapazitäten, hin zu kommerziell geführten, flexibel einsetzbaren Lösungen. Ob dieses Modell langfristig tragfähig ist, wird sich jedoch erst dann zeigen, wenn wirtschaftliche Effizienz auf operative Realität trifft.

 

kdk, navylookout

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