DragonFire in Aktion: Ein heller Lichtstrahl bekämpft eine Drohne. Foto: MoD UK

DragonFire in Aktion: Ein heller Lichtstrahl bekämpft eine Drohne. Foto: MoD UK

Royal Navy: Mit "Drachenfeuer" gegen Drohnen

Das britische Verteidigungsministerium hat am 20. November einen Vertrag über GBP 316 Millionen (rund 359 Millionen Euro) mit MBDA UK bekanntgegeben. Gegenstand ist die Auslieferung des Laserwaffensystems DragonFire, das künftig auf Schiffen der Royal Navy eingerüstet werden soll. Der erste wirkliche Flotteneinbau ist ab 2027 vorgesehen – zunächst auf einem Zerstörer Type 45, Daring-Klasse (152 Meter, 8.500 Tonnen).

Type 45 Zerstörer HMS Dragon mit Wildcat-Helo auf dem Flugdeck. Foto: Royal Navy/Crown Copyright
Type 45 Zerstörer HMS Dragon mit Wildcat-Helo auf dem Flugdeck. Foto: Royal Navy/Crown Copyright

Die Entscheidung folgt einer Serie von Tests, bei denen ein Laser der 50-kW-Leistungsklasse unbemannte Flugziele mit Geschwindigkeiten von bis zu 650 km/h erfolgreich bekämpft haben soll. In London wird vor allem der Kostenfaktor hervorgehoben: Der Energieverbrauch eines Schusses wird mit etwa 10 Pfund Sterling (etwa 12 Euro) beziffert – kein Vergleich zu Flugabwehrraketen, bei denen schnell sechsstellige Beträge pro Schuss erreicht werden.

Gerade vor dem Hintergrund massenhafter Drohnenangriffe (Schwarm) erscheint ein Laser für die Royal Navy attraktiv: Keine Munitionslogistik, keine Explosivstoffe, hohe Präzision und im Prinzip unbegrenzte Einsatzbereitschaft, solange Strom vorhanden ist.

Vorreiter in Europa – global aber kein Pionier

Mit dieser Rüstungsmaßnahme nimmt Großbritannien in Europa eine Vorreiterrolle ein. Während die US Navy bereits vor Jahren erste Laser auf einzelnen Einheiten erprobte und aus China Berichte über testweise installierte Systeme kursieren, strebt die Royal Navy als erste europäische Marine eine Serienlösung an. Andere NATO-Seestreitkräfte – darunter die Deutsche Marine – befinden sich weiterhin im Stadium von Tests, Technologiestudien, oder Industriekooperationen.

HMS Diamond. Foto: Royal Navy/Dan Rosenbaum
HMS Diamond. Foto: Royal Navy/Dan Rosenbaum

Type 45 als Plattform

Die Wahl der Type 45-Zerstörer kommt nicht überraschend: Mit ihrer vollelektrischen Antriebsanlage und einer Gesamtleistung von mehr als 50 MW erscheint die Klasse – besonders nach Abschluss eines umfassenden Power-Improvement-Programms (PIP) – grundsätzlich geeignet, eine Hochenergiewaffe zu versorgen. Im Zusammenwirken von SAMPSON-Radar, S1850M-Sensorik und Sea-Viper-Gefechtsführungssystem könnte die Laserwaffe als Nahbereichskomponente der Luftverteidigung sinnvoll eingebunden werden. Sie ersetzen auf absehbare Zeit weder Flugkörper noch Artillerie. Sie bilden, wenn die Technik hält, was sie verspricht, eine zusätzliche Schicht im Verteidigungsverbund.

Feuerprobe lauert bei der Betriebsrealität auf See

Gerade im maritimen Umfeld spielen atmosphärische Bedingungen eine zentrale Rolle für die Leistungsfähigkeit von Laserwaffen. Nebel, Regen, Gischt und Schneefall reduzieren die effektive Reichweite, weil sie den Laserstrahl streuen und abschwächen können. Hinzu kommen Turbulenzen bei starkem Seegang („Beam-Wobbling“) sowie Einschränkungen der Sichtlinie durch hohe Masten oder Antennen. Womit sich die dauerhafte Leistungsfähigkeit des Lasers unter den realen Einsatz- und Wetterbedingungen in Nordatlantik und Ostsee erst erweisen muss.

Nicht unwesentliche Voraussetzung dafür ist auch eine nachhaltige Lösung der Stabilitätsprobleme des Energie- und Antriebssystems der Type 45-Klasse im Rahmen des Power-Improvement-Projects (PIP) – Hintergrund sind Schwachstellen im Kühlkreis der WR 21-Gasturbinen, die bereits zu Leistungseinbrüchen und kompletten Energieausfällen in tropischen und arktischen Gewässern führten.

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