Aus einer Pressemitteilung des ICC Germany zum IMB-Jahresbericht 2025.
Die Weltmeere sind 2025 unsicherer geworden. Das International Maritime Bureau (IMB) der Internationalen Handelskammer (ICC) meldet einen spürbaren Anstieg von Piraterie- und Gewaltvorfällen auf See. Der am 15. Januar 2026 veröffentlichte Jahresbericht 2025 zeichnet ein klares Bild: Die Risiken für Handelsschiffe und ihre Besatzungen nehmen wieder zu – mit einem geografischen Schwerpunkt in Südostasien.
Mehr Überfälle, mehr Gewalt
Weltweit wurden 137 Vorfälle registriert – ein Plus von über 18 Prozent gegenüber 2024 (116). In 121 Fällen wurden Schiffe geentert, vier entführt, zwei beschossen und auf zehn Angriffe versucht. Besonders alarmierend: Schusswaffen kamen 2025 in 42 Vorfällen zum Einsatz – deutlich mehr als im Vorjahr (26). Auch wenn viele Zwischenfälle als „geringfügig“ eingestuft werden, bleibt die Lage für Seeleute ernst:
• 46 Besatzungsmitglieder wurden als Geiseln genommen,
• 25 entführt,
• zehn bedroht, vier verletzt und drei angegriffen.
Oliver Wieck, Generalsekretär von ICC Germany, ordnet ein: „Der Seehandel ist zentral für wirtschaftliche Entwicklung und Wachstum. Werden Handelsrouten beeinträchtigt, trifft das die Weltwirtschaft unmittelbar. Der IMB-Bericht macht deutlich, wie entscheidend der Schutz der maritimen Handelsrouten – und vor allem der Besatzungen – ist. Internationale und regionale Partner müssen diesem Schutz höchste Priorität einräumen.“
Singapur: Meerenge unter Druck
Mit 80 gemeldeten Vorfällen (2024: 43) war die Straße von Singapur der weltweit gefährlichste Hotspot und machte 58 Prozent aller globalen Meldungen aus. Auffällig ist der qualitative Wandel: Obwohl viele Überfälle als geringfügig gelten, stieg der Waffenbesitz bei Tätern massiv (27 Meldungen gegenüber acht im Jahr 2024). In der zweiten Jahreshälfte ging die Zahl der Vorfälle jedoch deutlich zurück, nachdem die indonesische Marinepolizei im Juli 2025 zwei Banden zerschlug.
Somalia: Abschreckung wirkt – Wachsamkeit bleibt Pflicht
Vor der Küste Somalia blieb ein erneuter Anstieg der Piraterie aus. Zwei Vorfälle im November – weit vor der Küste – zeigen jedoch, dass somalische Gruppen weiterhin über große Distanzen operieren können. In beiden Fällen verhinderten gut vorbereitete Crews und die schnelle Reaktion von Seestreitkräften Schlimmeres.
Golf von Guinea: Stabil, aber nicht sicher
Auch im Golf von Guinea blieb die Lage dank regionaler Anstrengungen stabil: 21 Vorfälle im Jahr 2025 (2024: 18; 2023: 22). Dennoch warnt das IMB vor Nachlässigkeit – Entführungen, Geiselnahmen und Verletzungen zeigen, dass Gewalt weiterhin Teil des Risikoprofils bleibt.
Fazit
Die Zahlen steigen, die Waffen werden häufiger – und strategische Nadelöhre geraten unter Druck. Wo Marinepräsenz, Koordination und Bordmaßnahmen greifen, sinkt das Risiko. Wo sie nachlassen, füllen kriminelle Netzwerke die Lücke.
Hintergrund
Seit seiner Gründung im Jahr 1991 dient das „Piracy Reporting Centre“ des International Maritime Bureau (IMB) als wichtige, rund um die Uhr erreichbare Anlaufstelle für die Meldung von Piraterie- Delikten und die Unterstützung bedrohter Schiffe. Die vom Zentrum gesammelten Daten liefern auch wichtige Erkenntnisse über die Art und den Stand der modernen Piraterie. Der ausführliche Jahresbericht 2025 kann kostenfrei heruntergeladen werden.
Weiterführende Informationen zum Bericht finden Sie auch hier und erhalten Sie von Michael Howlett, Director, ICC International Maritime Bureau: Tel.: +44 207 423 6960, E-Mail: [email protected]

