Naval Vessels Lürssen (NVL) gehört als nun als "Division Naval Systems" zu Rheinmetall. Warum der innovative Player im Marineschiffbau so attraktiv für den Rüstungsriesen ist, führte man heute im Hamburger Hafen in den traditionsreichen Anlagen von Blohm & Voss vor.

Zusammen mit dem als Rennboot-Spezialisten bekannt gewordenen Unternehmen Kraken wurde die Überwasser-Drohne „Scout“ vorgestellt, die wegweisend für die Zukunft maritimer Sicherheit sein könnte. In Gegenwart des maritimen Koordinators der Bundesregierung, Christoph Ploss, stellte Tim Wagner, bisher CEO von NVL, die nun Division Naval Systems heißen wird, die neue Technologie vor. Die jüngste Rheinmetall-Erwerbung plant die Serienfertigung autonomer Überwasserdrohnen. Der Rüstungskonzern Rheinmetall wird die Produktion in Hamburg in großem Maßstab realisieren. Tim Wagner beschrieb die Technik und die konzeptionelle Idee hinter der Überwasserdrohne: „es beginnt mit 15 Booten, um das ganze Thema in Fahrt zu bringen», so Wagner. «Wir wollen auf 200 Boote pro Jahr hochskalieren.» Im Dreischichtbetrieb könnten künftig 1.000 Boote im Jahr auf der Hamburger Werft Blohm+Voss produziert werden. Die Drohnen wären eine lückenlose Überwachung deutscher Küsten und angrenzender Gewässer, bis in die Deutsche Wirtschaftszone in der Nordsee. Die Technologie, die Tim Wagner vorstellte, deckt in der Vorstellung der Entwickler das ganze Spektrum maritimer Dimensionen ab: ob auf-, unter- oder über Wasser: die Möglichkeit der Sensoren ist gegeben. Sogar eine Bewaffnung sei möglich und das wurde auch durch die Kriegsschiff-typische Lackierung in RAL 7000 angedeutet. Und allen, die da meinen, man könne dieses Objekt durch "Einsammeln" neutralisieren: so viel wurde verraten, das wird nicht klappen. Nicht überraschend ist auch die Fernlenkung: der Spezialist von Kraken nutzte eine handelsübliche Fernbedienung einer Spielkonsole. Erstens ist das klug - weil man das nicht neu entwickeln muss, zweitens ist das für zukünftige Bediener der Generation Playstation (sorry: XBOX) ein attraktives Einstellungskriterium. Das Gewicht der Drohnen von rund 2,5 Tonnen und die Größe erlaubt zudem eine unkomplizierte seemännische Handhabung
Das mit Diesel-Jet - Antrieb ausgestattete Boot „K3 Scout“ ist nicht „autonom“, so etwas gibt es noch nicht, sagte Tim Wagner, sondern es wird ferngesteuert. Das sowohl militärisch als auch zivil genutzte „Vehikel“ ist ein Joint Venture mit dem englischen Hersteller Kraken Technology Group. Diese Surface Vehicle basieren

auf der High-Speed Technologie Erfahrung von Kraken. Aber das Gerät wird nicht stets umherfahren, sondern meist nur wachen. Es kann nach dem Willen der Entwickler bis zu einem Jahr in einem Seegebiet verbleiben und still abwarten, ob es Abnormalitäten gibt. Der Motor kann gestoppt bleiben, die Batterie kann auch durch Solarzellen erhalten werden. Das ist keine Vision mehr, bereits mehrere Aufträge für die Boote liegen vor. Wer? Sagte man nicht. Es sind aber bereits 150 Aufträge - auch im Marinebereich - erteilt.
Der anwesende maritime Koordinator der Bundesregierung zeigte sich beeindruckt und betonte, wie wichtig der Schiffbau und die maritime Sicherheit für die Bundesrepublik Deutschland sei. Die Vorgespräche mit Fachleuten aus den Verbänden und der Branche zeigten Wirkung: Christoph Ploss wird als Hamburger in Berlin die Bedeutung der Schifffahrt und der Seewege zu vertreten haben. Und ganz nebenbei verkündete er eine kleine Sensation: er kündiget eine stärkere Förderung maritimer Forschung sowie Bundesbürgschaften für Werften an. Die bisherige Problematik der Finanzierung von Schiffbau-Projekten und der Zögerlichkeit deutscher Geldinstitute wird damit durch Bundesbürgschaften gestützt werden. Das ist für die Werftindustrie eine gute Nachricht.
Text/Fotos: Schlüter


