Fahrhebel auf Null. Foto: Steve Back

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Deutscher Nautischer Verein löst sich auf

Deutscher Nautischer Verein von 1868 e.V.: Mitglieder beschließen Auflösung des Dachverbandes zum 30.09.2026

Foto: Köhlbrandbrücke – Brücke mit nationaler Bedeutung. Hapag Lloyd
Foto: Hapag Lloyd

Der Deutsche Nautischen Verein (DNV) hat am 30.06.2026 im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung die Auflösung des Dachverbandes zum 30.09.2026 beschlossen. Dem vorausgegangen war eine intensive Debatte um die zukünftige Ausrichtung der fast 160-jährigen Tradition. Die mögliche Entwicklung einer Zukunftsperspektive unter Einbindung der Regionalverbände führte zu dem Schluß, dass eine breite Mehrheit der Mitglieder eine Auflösung des Dachverbandes als notwendig und geboten ansieht. Insgesamt sind es 12 regionale Verbände, die nun keinen Dachverband mehr haben:  Bremen, Bremerhaven, Brunsbüttel, Cuxhaven, Emden, Flensburg, Hamburg, Kappeln-Schlei, Kiel, Nordfriesland, Rostock und Wilhelmshaven - teilweise mit Gründungsdatum im 19. Jahrhundert.

Die Aufgabe der Deutschen Nautischen Vereine ist gemäß Satzung das Fördern aller im allgemeinen Interesse der Schifffahrt liegender Angelegenheiten des Schiffbaus, der Hafenwirtschaft und der maritimen Umwelt durch Stellungnahmen, Empfehlungen und Gutachten sowie auch themengebundene Tagungen. Für die 16 regionalen Vereine mit rund 3.500 Mitgliedern stehen die Seeschifffahrt und maritime Wirtschaft Deutschlands im Mittelpunkt ihrer Aktivitäten. Ständige Fachausschüsse befassen sich mit Berufsbildung, Umweltschutz und Sicherheit auf See. Verkehrsministerien sowie Politiker beteiligen sich an Veranstaltungen des DNV, insbesondere des Deutschen Seeschiffahrtstages.

Wachsende Konkurrenz durch andere Organisationen, damit meint der DNV u.a. das Deutsche Maritime Zentrum (DMZ) und das Maritime Cluster Norddeutschland (MCN), setzen dem Verband zu. Dem Bedeutungsschwund kann der DNV offenbar wenig entgegnen, denn die alternde und weniger aktive Mitgliederschaft verfügt nicht über Kraft und Ressourcen zu einer anderen Zukunft. Das zeichnet sich seit Jahren ab. Auch Kosten mögen eine Rolle gespielt haben, zumindest bleibt dem Verein mit der Vereinsauflösung kein finanzieller Schaden, so erfuhr die Redaktion aus den Kreisen des DNV. Die Restmittel, die zur Verfügung stehen, will der Vorstand für eine würdige Abschiedsfeier nach 150 Jahren Arbeit einsetzen.

Folgen für die Küste

Angesichts der Entwicklungen im maritimen, sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Umfeld ist die Auflösung aus Sicht des Dachverbandes zwar nachvollziehbar, für die maritime Gesellschaft hingegen ist es ein Verlust. Die uninspirierte Mentalität, erfolgreiche Organisationen wie das DMZ oder das MCN als Konkurrenz und nicht als möglichen Partner zu sehen, zeugt mehr von Resignation denn von Vision. Dabei ist ein guter Zusammenhalt der maritimen Verbände an der Küste gerade im hier und jetzt wichtig. Schliesslich ist es nicht nur ein Verein: es ist der Platz für engagierte Experten. Einen weiteren Heimatort für kundige Ehemalige, engagierte Pensionäre und Aktive aus der gesamten Branche und Behörden gibt es unter anderem mit dem Deutschen Maritimen Institut (DMI), dem Deutschen Marinebund (DMB) und einigen mehr an der Küste. Expertise darf nicht ungehört bleiben. So stellt sich die Frage des "Wohin", wenn die Regionalverbände nicht zu lokalen Vereinen mit nachrangiger Beachtung absinken wollen. Statt Abschiedsfeier und Grabesrede ist ein Aufbruch mit zukunftsorientierten Ideen gefragt. Dazu gehört die Suche nach neuen Partnern mit Sichtbarkeit und bitte nicht die Gründung eines weiteren Akronyms.

Text: hsc / DNV

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