Seit Jahrzehnten schreiben Autoren des ISPK Kiel für das marineforum. Es ist an der Zeit, über die Wissenschaftler an der Kieler Förde selbst zu berichten
Vorweg: der erste Beitrag aus dem Kieler Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel ist irgendwo in den historischen Tiefen des marineforum verborgen, wer uns wirklich als Erster aus der Forschungseinrichtung klüger schrieb, muss unbeantwortet bleiben. Nicht unbeantwortet jedoch blieben die Fragen, die wir Johannes Peters, Abteilungsleiter Maritime Strategie und Sicherheit stellten. Diesmal sollte er nicht wie gewohnt und medial präsent die Einschätzungen des Instituts zu aktuellen maritimen Geschehnissen oder Entwicklungen abgeben, sondern über das Institut selbst sprechen. Wir machen ein Treffen unter Freunden in Kiel aus, mit Blick auf die Förde. Der Blick auf die See ist in Büros mit maritimen Pflichten ohnehin ein Kreativ-Verstärker. Wichtig ist dem Politikwissenschaftler, der in Rostock und Kiel studierte, mit einem populären Irrtum aufzuräumen: „Das ISPK ist eine unabhängige, gemeinnützige Einrichtung und wird vorwiegend von der ebenfalls in Kiel ansässigen Stiftung Wissenschaft und Demokratie (SW&D) gefördert – es ist der Universität Kiel gemäß Kultusministerbeschluss zwar angegliedert, erhält aber keine finanziellen Mittel vom Land Schleswig-Holstein.“
Das Institut analysiert mit rund 15 Mitarbeitern sicherheitspolitische Themen und fördert die strategische Wissenschaft als Teil der Politikwissenschaft – „nicht nur an der Universität Kiel, sondern in ganz Deutschland – und auch international“ so betont Peters. Das wird in den Aufgaben der Abteilungen auch abgebildet: die Fachabteilungen sind die Abteilung Maritime Strategie und Sicherheit, Terrorismus- und Radikalisierungsforschung, Strategische Entwicklung in Asien-Pazifik und Konfliktforschung. Veröffentlicht werden wissenschaftliche Studien, prominente Veranstaltungen werden organisiert und es gibt reichlich Kooperation mit anderen Forschungseinrichtungen. Die Leitung des Instituts bildet die Doppelspitze um Dr. Sarah Kirchberger als wissenschaftliche Direktorin seit 2023 und Dr. Stefan Hansen als Geschäftsführendem Direktor seit 2017. Johannes Peters, oder „U-Boot Hannes“, wie die Community ihn nennt, schaut nicht gern allzu weit in die eigene Geschichte: „ja, wir wurden bereits zu Beginn der siebziger Jahre gegründet, aber das war etwas ganz anderes als heute. Wir haben uns mit den politischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte enorm fortentwickelt, auch dank Professor emerit. Dr. Joachim Krause, der das ISPK in seiner jetzigen Form seit 2002 neu aufgestellt hat und den Ruf bis heute prägt.“ Was, so will ich wissen, macht ihr eigentlich das ganze Jahr, schließlich sind nicht nur Interviews zu Schattenflotten oder „Choke Points“ tägliches Brot? Johannes Peters zögert nicht, und zählt mit den Fingern ab: „das berühmteste ist wohl die Seapower Series, eine Bücher- und Konferenzreihe, die die maritime Abteilung des ISPK, als einzigem deutschen Think Tank zu Seestreitkräften und maritimer Sicherheit, seit zehn Jahren aufgebaut hat. Wir alle kennen das Akronym KISS, oder?“ Natürlich, es ist das Forum für maritime Strategie und Sicherheit, gemeinsam mit dem „Dreizack“, der in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Marinebund (DMB) durchgeführt wird. Der Kieler Politikwissenschaftler Henrik Schilling gründete 2020 den German Navy Fleet Tracker (GNFT) des ISPK, der auch der Öffentlichkeit kostenfrei zur Verfügung steht. „Ebenfalls seit 2020 liefern wir nahezu monatlich eine Kolumne für ‚Leinen Los‘ des DMB, wir kooperieren beispielsweise mit dem Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) und dem Centre of Excellence for Operations in Confined and Shallow Waters (COECSW) und machen Workshops, Wargames, Podcasts und kleinere Artikel – gerne auch für das marineforum.“ Seid ihr also ausgelastet? „Reichlich“ sagt Peters ohne zu klagen, „das ist auch der angespannten Sicherheitslage geschuldet. Die Ostsee ist nun mal im Fokus und Menschen interessieren sich zunehmend für die See und uns, wie es noch nie zuvor geschah. Das kennt ihr vom DMI doch auch, der maritime Gedanke kommt langsam auch ins Binnenland“. Und die Zusammenarbeit mit der Deutschen Marine? „Sehr eng, sehr produktiv.“
„Andere prominente Produkte von uns sind beispielsweise das Handbuch Terrorismusforschung und das Jahrbuch Terrorismus, welches Trends u.a. zu asymmetrischer Kriegsführung analysiert“, sagt er mit dem Verweis auf die Nachbarabteilungen.
Was sind derzeit die größten Sorgen, die der Wissenschaftler hat? Peters zögert nicht: „alle reden über die Ostsee, NordStream und Schattenflotten“, aber dass man auch über internationale Seewege und weltweite Gefahren nachdenken muss, erfahren wir gerade in der Strait of Hormuz“. Die internationalen Beziehungen haben sich massiv verändert, mit enormer Tragweite gerade auch für Deutschland. Wir diskutieren eine Weile über die Relevanz der Themen und kommen zu dem Schluss, dass die Gefahren immer noch nicht richtig ernst genommen werden in der Öffentlichkeit. Stimmt was mit der Kommunikation nicht? Das sieht Peters so nicht: „Doch, wir gehen sehr weit mit unseren Stellungnahmen und werden gehört. Ein gutes Beispiel ist der Versuch von China, auch in Kiel Fuß zu fassen. Unsere Logistik, unsere Lieferketten und unsere Sicherheit dürfen wir nicht den Chinesen anvertrauen, den Fehler mit Russland dürfen wir nicht wiederholen. Wir haben dazu reichlich publiziert. Und ich habe öffentlich verkündet, dass das kein Quatsch ist, sondern reale Gefahr, das wurde gehört“. Das war leider nur ein regionales Thema, denn in Kiel sind für die Chinesen ja auch die Nähe zu Geomar und zu den U-Boot-„Bauern“ interessant. Das ISPK hat sich der chinesischen Finte, eine sportliche Seglerkooperation vorzutäuschen, früh medial entgegengestellt. Wir können froh sein, dass es für die Sicherheit an der Küste und in ganz Deutschland dieses Institut als Referenz und Ansprechpartner für maritime Angelegenheiten in Deutschland gibt. Die maritimen Behörden, die Bundeswehr und die Politik brauchen diese Ratgeber, die am Kieler Förde-Ufer mit nordischer Gelassenheit auch die ärgsten Bedrohungslagen fachlich und unabhängig vermitteln. Wir danken für die Zeit und freuen uns auf weitere Zusammenarbeit.
Holger Schlüter

