Spanische Werft baut Versorger der Royal Navy in Nordirland
Was vor Jahren noch fast undenkbar gewesen wäre, das wird heute an die große Glocke gehängt: Mit gewissem Stolz lässt die spanisch geführte Navantia UK in London wissen, dass man für das Fleet Solid Support Ship (FSS) nach dem Preliminary Design Review (PDR – Konzeptentwurf, Oktober 2024) nunmehr den CDR, den Critical Design Review (Detaillierter Konstruktionsplan) fertiggestellt habe und mit dem Bau beginnen könne.
Das FSS wird mit 216 Metern Länge und 39.000 Tonnen Verdrängung das zweitgrößte Schiff der Royal Navy nach den beiden Flugzeugträgern werden. Baubeginn für den ersten Rumpf solle noch in 2025 erfolgen, 2032 sollen alle drei abgeliefert sein.
Die Namen sollten eigentlich nach dem ersten Stahlschnitt veröffentlicht werden – man geht aber davon aus, dass traditionelle RFA-Namen wie „Stromness“, „Lyness“ (Scapa Flow) und „Tarbatness“ der 60er und 70er Jahre eine Rolle spielen werden – alles schottische Orte, was wiederum die englische Seele schmerzen wird. Sie sollen die RFA’s (Royal Fleet Auxiliaries) „Fort Austin“, „Fort Rosalie“ und „Fort Victoria“, sowie zeitweise auch die „Argus“ als Flight Training Ship für die Hubschrauberausbildung, ersetzen.
An der Entwicklung des FSS durch das Team „Resolute“ waren ganz wesentlich beteiligt die DE&S (Defence Equipment and Support) und BMT, ein schiffbautechnisches Planungsbüro in Bath mit enger Bindung zur Royal Navy. Für das FSS als eines der neuesten Unterstützungsschiffe Europas hatte sich Navantia als Bieter in das Rennen begeben – und 2023 den Auftrag erhalten.
Seither suchte die spanische Staatswerft einen geeigneten Produktions-Standort für das Projekt – und hat ihn dann auch dieses Jahr mit der Übernahme der Traditionswerft Harland & Wolff in Belfast bestätigt.
Dass hier Wohlwollen auf britischer Seite im Spiel gewesen sein muss, lässt sich daran ablesen, dass H&W zu den vier größten Werften des Vereinigten Königreiches zählte.
Bemerkenswert, dass beide Parteien gerade in Nordirland, an der neuralgischen Schnittstelle von Brexit-gebeuteltem Königreich und handelsfreier Europäischer Union, gewisse kreative Schwachstellen in der Zoll- und Regulierungsbürokratie suchen, um gemeinsam profitabel Schiffbau betreiben zu können. Wie sonst kämen die beiden historisch höchst ungleichen Geschwister wohl auf einen gemeinsamen Nenner!
Fleet Solid Support Ship
Grafik: DE&S
