Bedrohung an der NATO-Ostflanke: Moderatoren mit den Panel - Gästen, Foto: hsc

Moderatoren mit den Panel - Gästen, Foto: hsc

Geld ist nicht das Problem, die Zeit ist es

Aufrüttelnde Debatte zur Bedrohung an der NATO-Ostflanke

Das GIDS (German Institute for Defence and Strategic Studies) hatte zu einem Livestream auf YouTube eingeladen, wie wir gestern auf marineforum.online (GIDS live: Bedrohung an der NATO-Ostflanke) ankündigten.

Das Thema „Die NATO-Ostflanke: Wie groß ist die Kriegsgefahr?“ lockte nicht nur rund 250 Gäste in das Internationale Maritime Museum Hamburg, sondern fand auch online große Resonanz. Auf Deck 10 des historischen Hauses haben bereits viele sicherheitspolitische Vorträge und Debatten stattgefunden, doch selten war die Thematik so brisant und aktuell. Die Plätze vor Ort waren früh ausgebucht, und bereits zu Beginn des Livestreams gab es rund 250 Anmeldungen.

Hochkarätig besetztes Panel

Auf dem Podium diskutierten:

  • Marika Linntam, Botschafterin der Republik Estland in Deutschland
  • Generalleutnant Jürgen-Joachim von Sandrart, bis Ende November 2024 Kommandeur des Multinational Corps Northeast in Stettin, Polen
  • Konrad Schuller, politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, der von 2004 bis 2018 als Korrespondent für Polen und die Ukraine tätig war

Nach der Eröffnung durch Oberst Klenz von der Führungsakademie der Bundeswehr leitete Kapitän zur See Dr. Andre Pecher als Moderator in das Thema ein. Er beschrieb die Bedrohungslage an der NATO-Ostflanke als eine „Petrischale“ für geopolitische Spannungen und betonte das Risiko eines russischen Angriffs – insbesondere für die baltischen Staaten, die er als „Frontstaaten“ bezeichnete. Dabei stand auch die zukünftige Ausrichtung der NATO und der Kurs der US-Regierung im Raum – ein Thema, das unausgesprochen über der gesamten Debatte schwebte.

Deutliche Worte zur Sicherheitslage

Estlands Botschafterin Marika Linntam unterstrich die Bedeutung der transatlantischen Allianz: „Wir sind seit 20 Jahren Verbündete – es gibt keinen Grund, warum Europa sich nicht stark entgegenstellen sollte. Unsere Wirtschaft ist größer, unsere Bevölkerung ein Vielfaches.“

Generalleutnant von Sandrart zog Parallelen zum Kalten Krieg und betonte, dass das Sicherheitsbewusstsein in Osteuropa schon viel früher ausgeprägt war als in Berlin. Rückblickend stellte er selbstkritisch fest: „Ich hatte Putin im Griff – meine eigentliche Herausforderung saß in Berlin.“

Auch Konrad Schuller reflektierte selbstkritisch: Er habe Russland ebenso falsch eingeschätzt, wie viele westliche Politiker. Er beleuchtete die historische Entwicklung, angefangen bei Gorbatschow, über den Tschetschenien-Krieg, bis hin zu Boris Jelzin.

General von Sandrart brachte klar und deutlich auf den Punkt, dass sich für Russland das „window of opportunity“ schließt, je schneller wir als Westen reagieren. Auf der Zeitachse hätten wir drei Bedrohungen: Die von Osten, die neuerdings aus dem Westen, und sehr deutlich auch die von Innen. Sein Statement, dass nicht Geld, sondern Zeit das Problem sei, hallte noch durch den Raum, als die zwischenzeitlich getroffene und zeitgleich bekanntwerdende Absicht der möglichen neuen Regierungskoalition zu militärischen Investitionen durchdrang. Diese Veranstaltung war eindrucksvoll, notwendig und beeindruckend in ihrer Deutlichkeit. Um das Schlussstatement und die Zusammenfassung des Abends bat Andre Pecher die Botschafterin Estlands. Fazit: Die baltischen Staaten stehen selbstbewusst zum Bündnis und stehen national stabil für westliche Werte, Europa ist stark und kann sich wehren, wenn es nur will. Medien und Politik sollten die Betrachtungsfehler der letzten Jahrzehnte selbstkritisch hinterfragen, mit der amerikanischen Regierung ist ein selbstbewusster Umgang nötig. Die Kernfrage des Abends stellte General von Sandrart: „wofür stehen wir auf?“. Er geht – nach eigenem Bekunden sehr ungern – in drei Wochen in den Ruhestand. Bleibt die Hoffnung, dass diese starke Stimme – wie die anderen auch – in Politik und Gesellschaft Gehör findet.

Die Debatte kann im Livestream nachverfolgt werden – eineinhalb Stunden, die sich lohnen. Bisher wurde der Stream fast 1.900 Mal aufgerufen.

 

5. März 2025 | 1 Kommentar

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1 Kommentar

  1. Her Pecher führt auch einen Dr. Titel. So viel Zeit sollte sein.
    Ansonsten herzlichen Glückwunsch zur Veranstaltung. Das GIDS wird flügge. Weiter so.

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