Die Deutsche Marine im Aufbruch

Es ist ernst! Der russische Krieg mag zwar in der Ukraine geführt werden, – schlimm genug –,  aber die Ausläufer dieses Sturmes fegen über ganz Europa hinweg: Propagandistisch in den Medien, subversiv in den Netzwerken, aktivistisch mit Drohnen über Kasernen und kritischer Infrastruktur, unsichtbar im Cyberraum,  gefühlt im Mittelmeer und gespürt in der Ostsee. Russland führt den Krieg nicht nur in der Ukraine – Russland führt Krieg auf allen Ebenen und überall dort, wo sich Schwachstellen anbieten.

Wer auf der Historisch Taktischen Tagung der Marine den Worten des Inspekteurs der Marine gut zugehört hat, der spürte Sorge – und zugleich Entschlossenheit. Vizeadmiral Jan Christian Kaack ist nicht der erste Inspekteur der Marine, der mit Bedrohungen aus dem Osten konfrontiert ist. Ein Vizeadmiral Zenker, zweiter Inspekteur nach Gründung der Bundesmarine, hatte 1962 die Kubakrise auf dem Tisch. Die dauerte 13 Tage. Vizeadmiral Hans-Joachim Mann saß 1989 angespannt im Lagezimmer, als die Mauer fiel – gewaltlos. Das war eine Nacht. Er musste auch Marineeinheiten in den Golfkrieg entsenden. Das zog sich über wenige Monate.

Aber Jan Christian Kaack ist der erste Inspekteur der Deutschen Marine, der während eines Krieges in Europa Verantwortung trägt. Eines Krieges, den der Aggressor Russland unverfroren auch in die Ostsee trägt. Kaack ist heute seit vier Jahren Inspekteur der Marine – und der Ukraine-Krieg geht in Kürze in sein fünftes Jahr. Kaack führt einen Kampf – und er wird nicht müde. Er bleibt besonnen und doch entschlossen, denn in der Ostsee sind zum Glück noch keine Schüsse gefallen. Nur Anker – und das hat man  im Griff.

Die russischen Provokationen im baltischen Luftraum sind etwas anderes. Wären die Marinen und Luftwaffen der NATO nicht so gut trainiert und nervenstark aufgestellt, hätte es womöglich bereits Tote gegeben. Es war bereits ein paar Mal knapp – und die russischen Fliegertruppen hätten beim Inflight eine Maschine vermisst. Was man kaum sieht und wovon man wenig hört: In der Ostsee ist die NATO erfolgreich in der Eindämmung russischer Aggressionen.

Kaack hat zwar das Ohr des Ministers, aber noch nicht alle Herzen der Marine – und "um zu". Noch nicht alle hätten vollends verstanden, was gemeint sei, sagt er. Und wer noch nicht richtig zugehört hat in Stadt und Land, kann seine Absicht hier lesen. Vier Eckpunkte:

Den Aufwuchs gestalten!

Unsere Marine auf den Kernauftrag ausrichten!

In innovative Fähigkeiten investieren!

Die Flotte in See bringen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier mehr erfahren: Die Marine im Aufbruch

Text: Schlüter/Stephenson

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3 Antworten

  1. Es dauert doch alles viel zu lange… Mehrzweckkampfboote, Korvetten K130, Drohnen, … von Fregatten will ich gar nicht sprechen. Auch wenn Poseidon und Sea Tiger [sehr sehr] langsam eingeführt werden… ich habe immer noch den Eindruck, dass gar keine schnelle Beschaffung gewollt ist.

    1. Sehr geehrter Herr Markus Fi?
      Vielen Dank für Ihren kritischen Kommentar, dem ich jedoch aufgrund Ihres einleitenden ersten Halbsatzes, der leider das pauschalierende Wort „alles“ enthält, gerne teilweise widersprechen möchte. Denn gerade ihr angeführtes Beispiel ist für die P-8A Poseidon in dieser Form nichtzutreffend.

      Gerade hier wurde nachweislich ein außergewöhnlich hohes Tempo vorgelegt. Von der Vertragsunterzeichnung im Juni 2021 bis zur Indienststellung der ersten Maschine im November 2025 vergingen weniger als fünf Jahre, was einem echten Beschaffungs-Turbo entspricht. Gerade dieses Projekt zeigt, dass schnelle Beschaffung möglich und auch gewollt ist, wenn die Rahmenbedingungen passen.

      Denn Ihre Kritik blendet wesentliche strukturelle Faktoren aus. Rüstungsbeschaffung folgt formalisierten, rechtlich verbindlichen Verfahren, die Transparenz, Wettbewerb, Haushaltsklarheit und Rechtssicherheit gewährleisten sollen. Diese Prozesse sind kein Selbstzweck, sondern politisch und gesetzlich vorgegeben.
      Insbesondere bei Werftbeschaffungen kommt hinzu, dass es nicht ausreicht, ein Produkt „zu bestellen“. Erforderlich sind auch ausgereifte Konstruktions- und Detailpläne, verfügbare Werft- und Zulieferkapazitäten, qualifiziertes Personal sowie langfristige industrielle Planung.
      Diese Faktoren lassen sich nicht beliebig beschleunigen, ohne Risiken bei Kosten, Qualität oder Terminen massiv zu erhöhen. So sind die bisher fehlenden Konstruktionspläne bei der Fertigung der Fregatte 126 der Industrie zuzurechnen und können weder der Politik noch der Bundeswehr angelastet werden.

      Einzelne Projekte dauern zu lange – darüber kann und sollte diskutiert werden. Pauschalisierungen sollten dabei aber vermieden werden.

      Mit freundlichen Grüßen
      Klaus Klages
      Redaktion mfo

  2. Als jemand, der sich des Öfteren hier in den Kommentaren zu Wort meldet, bleibt mir nichts weiter übrig, als ein Lob für diese absolut klare und wohlüberlegte Veröffentlichung auszusprechen! Es ist selten, dass so vieles so klar benannt wird wie in diesem Dokument: Die Marine im Aufbruch.
    Daher habe ich meiner Meinung nach die besten drei Zitate aus der Fülle an zitatwürdigen Passagen herausgesucht:

    „Viele Hindernisse und Hürden sind selbst gemacht und neben all denen, die unermüdlich am Aufwuchs unserer Marine arbeiten, stehen immer noch zu viele, die sich abwartend in Prozessen verlieren.“
    -Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack

    „Bei aller berechtigten Kritik an der Verteidigungsindustrie, an bürokratischen Verfahren und an Vorgesetzten, die die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt haben – wir selbst müssen die Gelegenheiten ergreifen und wirklich alles auf seinen möglichen Nutzen für unsere Marine prüfen.“
    -Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack

    „Der Kampf der Zukunft erfordert die Befähigung zum Einsatz unbemannter Systeme der nächsten Generation. Wir bauen jetzt die Drohnenflotte der Deutschen Marine auf. Ich erwarte die schnelle Übernahme, Integration und Nutzung der neuen Systeme, die 2026 in steigender Zahl zulaufen werden. Unter, auf und über Wasser.“
    -Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack

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