Seit einigen Jahren verfügen die iranischen Seestreitkräfte über einige außergewöhnliche Einheiten. Gedacht sind die umgebauten Handelsschiffe für den Einsatz von Drohnen.
Seit über zehn Jahren geistern Gerüchte durch die sozialen Medien, dass der Iran plane, eigene Flugzeugträger anzuschaffen. Anfang des Jahres 2014 schienen diese Gerüchte Wirklichkeit zu werden, als Satellitenbilder auftauchten, die ein Schiff in einer Werft am Persischen Golf zeigten, das von oben einem amerikanischen Träger der NIMITZ-Klasse täuschend ähnlich sah.

Im April des Jahres tauchten dann jedoch Fotos auf, die zeigten, dass es sich bei dem Schiff lediglich um eine schwimmende Attrappe mit einer geschätzten Größe von 70 Prozent eines NIMITZ-Trägers handelte. An Deck waren sogar Kampfflugzeuge des Typs F-5 Tiger II und originalgetreue Modelle der F/A-18 Hornet in den Farben der US Navy zu sehen. In den iranischen Social-Media-Kanälen wurde berichtet, dass der fake aircraft carrier (falsche Flugzeugträger) – wie er damals in den Medien genannt wurde – Teil des Sets eines iranischen Spielfilms sei.
Im Februar 2015 wurde schließlich der wahre Zweck des Flugzeugträger-Mockups enthüllt, als die iranischen Seestreitkräfte die schwimmende Attrappe vom Wasser sowie aus der Luft bombardierten und offenbar schwer beschädigten. Möglicherweise sollte dies als Zeichen iranischer Stärke während laufender Verhandlungen zum Atomprogramm des Landes dienen. Anschließend wurde die Attrappe repariert und musste im Juli 2020 erneut als Zielschiff vor der iranischen Küste dienen.
Da der Iran politisch fast vollständig isoliert ist, ist das Land militärisch oftmals auf innovative Lösungen angewiesen. So konnte die iranische Marine einen im Jahr 2010 bei Sumitomo Heavy Industries in Japan fertiggestellten, 228 Meter langen Öltanker namens AL BUHAIRA erwerben und diesen im Lauf des Jahres 2020 zu einem Marineschiff umrüsten.
Während der Umbauphase auf der Werft Iran Shipbuilding & Offshore Industries Complex in Bandar Abbas erhielt es einen Flugzeughangar auf dem Oberdeck und ein ausgedehntes Hubschrauberlandedeck. Laut iranischen Staatsmedien soll das auf den Namen MAKRAN getaufte Schiff mit der taktischen Kennung 441 immerhin 42 Meter breit sein und 121 000 Tonnen verdrängen. Optisch ähnelt es den als Expeditionary Sea Base bezeichneten amphibischen Schiffen der US Navy, die wiederum selbst auf einem kommerziellen Tankerentwurf basieren. Es fehlt aber deren Utility-Deck, auf dem amphibische Fahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände gelagert werden können.
Marineanalysten gehen davon aus, dass die MAKRAN als Mutterschiff bei asymmetrischen militärischen Aktionen zum Einsatz kommen soll, um Kampftaucher, Schnellboote oder Minen zu verbringen. Laut iranischen Angaben ist auf dem Flugdeck Platz für insgesamt sieben Helikopter.
Die offizielle Indienststellung der MAKRAN in die reguläre iranische Marine erfolgte am 12. Januar 2021. Für Schlagzeilen sorgte das Schiff Anfang 2023, als es zusammen mit der Fregatte DENA den Atlantik überquerte und Ende Februar in Rio de Janeiro zu einem Hafenbesuch eintraf. Nach Indienststellung der MAKRAN wurde bekannt, dass derzeit zwei weitere Schiffe nach gleichem Entwurf umgerüstet werden. Die Namen lauten KHUZESTAN und KURDISTAN. Beide sollen in den nächsten Jahren in Dienst gestellt werden.
Äquivalente
Interessanterweise operiert für die Islamische Revolutionsgarde des Iran ein ähnliches Schiff wie die MAKRAN, das jedoch mit 150 Meter Länge, 22 Meter Breite und einer Verdrängung von 12 000 Tonnen deutlich kleiner ist. Das auf den Namen SHAHID ROUDAKI getaufte Schiff mit der Kennung 110–1 ist wahrscheinlich das in Italien gebaute ehemalige Ro-ro-Frachtschiff GALAXY F. Konzeptionell dürfte die SSHAHID ROUDAKI ähnliche Aufgaben wie die MAKRAN der regulären Marine übernehmen. Die beiden Schiffe werden in der iranischen Presse gerne als Flugzeugträger bezeichnet. Ein Begriff, der sogar von der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua übernommen wurde, als sie die SHAHID ROUDAKI als „leichten Flottenträger“ bezeichnete. Auf den in den iranischen Medien gezeigten Aufnahmen der Indienststellungszeremonie waren ein Luftabwehrsystem des Typs Sevom Khordad, mehrere Schnellboote, ein Helikopter Bell 412 sowie sechs Drohnen vom Typ Ababil-2 des Herstellers Hesa zu sehen.
Die SHAHID ROUDAKI wurde am 19. November 2020 in den Dienst der Islamischen Revolutionsgarde gestellt. Im März 2023 folgte mit der SHAHID MAHDAVI ein mit 240 Meter Länge, 27 Meter Breite und einer Verdrängung von 36 000 Tonnen dreimal so großes Schiff in ähnlicher Rolle wie die SHAHID ROUDAKI. Es entstand aus dem im Jahr 2000 gebauten Containerschiff SARVIN und gilt als Zwischenschritt zur Entwicklung eines möglichen iranischen Flugzeugträgers.
Ende 2022 tauchten erstmals Bilder der 240 Meter langen, 32 Meter breiten und 41 978 Tonnen verdrängenden SHAHID BAGHERI auf. Das einst unter iranischer Flagge fahrende, im Jahr 2000 bei Hyundai Heavy Industries in Südkorea gebaute Containerschiff wurde bei Iran Shipbuilding & Offshore Industries Complex in Bandar Abbas zum Hubschrauberträger und Drohnen-Flugzeugträger umgebaut. Auf den Ende 2022 in iranischen Social-Media-Kanälen erschienenen Aufnahmen ist erkennbar, dass das Oberdeck vor Installation des Flugdecks entfernt und das Schiff grau gestrichen wurde. Auf den Fotos sind auf der Backbordseite des Schiffs bereits Teile eines schräg verlaufenden Flugdecks zu erkennen, das ungewöhnlicherweise vor den Aufbauten von Backbord nach Steuerbord verläuft. Da sich die Brückenaufbauten am Heck des Schiffes befinden, kann es nicht mit einem traditionellen Flugzeugträgerlayout ausgestattet werden. Fotos aus dem Mai 2023 zeigten die SHAHID BAGHERI erstmals mit einem Ski-Jump am Bug. Am 21. August 2024 wurden auf den iranischen Telegram- und Twitter-Kanälen schließlich Fotos der vollendeten SHAHID BAGHERI gepostet. Satellitenaufnahmen vom 23. November 2024 enthüllten dann den Beginn der Seeversuche des ungewöhnlichen Schiffs.
Öffentliche Vorstellung
Am 6. Februar 2025 wurde die SHAHID BAGHERI offiziell in den iranischen Nachrichtenagenturen und Staatsmedien der Öffentlichkeit vorgestellt und in den Dienst der Islamischen Revolutionsgarde gestellt. Zahlreiche Aufnahmen zeigten auf dem Flugdeck geparkte Fluggeräte, darunter Helikopter der Typen Bell 206, Bell 212 und Mil Mi-171 sowie verschiedene iranische Drohnentypen. Auffällig waren einige Drohnen an Deck, bei denen es sich um verkleinerte Versionen des bemannten Kampfjet-Prototyps Qaher 313 aus dem Jahr 2013 handelte. Diese Drohnen tragen die Bezeichnung JAS-313 und waren in Ausführungen von 20 und 60 Prozent der Größe der bemannten Qaher 313 an Bord. Soweit bekannt, hob die rustikal und attrappenhaft wirkende Qaher 313 niemals ab.
In einem iranischen Fernsehbericht, der als Videodatei seinen Weg in die sozialen Medien fand, konnte man den Start eines Exemplars der kleineren Variante der JAS-313 über das schräge Flugdeck und den Ski-Jump am Bug betrachten. Die kleine, an ein ferngesteuertes RC-Modellflugzeug erinnernde Drohne wurde zuvor mittels eines Flugzeugaufzugs auf das Flugdeck befördert. Ein eigener Flugzeughangar wurde jedoch nicht gezeigt. Ein anderes Video zeigte eine iranische Ababil-3-Aufklärungsdrohne, ein Drohnentyp, der auch von den Terrororganisationen Hisbollah und Hamas genutzt wird, beim Start über das 180 Meter lange Flugdeck und deren Landung inklusive Abbremsung per Fangseil, wie es bei zahlreichen „echten“ Flugzeugträgern anderer Nationen genutzt wird.
Neben dem Flugbetrieb wurde auch die Möglichkeit des Aussetzens eines Beiboots über Davits an beiden Rumpfseiten gezeigt. Laut den veröffentlichten Berichten der staatlichen iranischen Medien ist das Schiff in der Lage, als Mutterschiff von unbemannten Über- und Unterwasserdrohnen für Aufklärungs- und Kampfzwecke zu dienen. Am Heck des Schiffs befinden sich wahrscheinlich Startcontainer für Seezielflugkörper und am Bug ist eine Automatikkanone installiert. In dem Bereich hinter den Aufbauten ist wahrscheinlich Platz für ein eigenständiges Helikopterlandedeck oder weitere Raketenabschussanlagen. Nach offiziellen iranischen Angaben soll das Schiff mit Flugabwehrbewaffnung mit kurzer und mittlerer Reichweite sowie mit Ausrüstung zur Elektronischen Kriegführung ausgestattet sein, jedoch konnte eine solche Ausrüstung anhand des Foto- und Videomaterials nicht gesichtet werden. Weiterhin präsentierten die iranischen Medien Aufnahmen des Schiffslazaretts sowie der Freizeiteinrichtungen an Bord inklusive Fußball- und Basketballfeld.
Fazit
Die Tatsache, dass die SHAHID BAGHERI noch immer über die Brückenaufbauten des zugrundeliegenden Containerschiffs verfügt und diese über die ganze Schiffsbreite reichen, bedeutet, dass das Schiff niemals als traditioneller Flugzeugträger mit durchgehendem Flugdeck operieren kann. Da die Brückenaufbauten unmittelbar an das schräg verlaufende Flugdeck heranreichen, kann es bei kleinsten Fehlern im Anflug der auf dem Schiff landenden Drohnen zu einer Kollision kommen – mit möglicherweise fatalen Folgen.
Derzeit rätseln viele westliche Marineanalysten über das Einsatzprofil der SHAHID BAGHERI, denn die iranische Marine hat keine nennenswerten Fregatten- oder Zerstörerbestände, die für die weltweite Begleitung des Drohnenträgers geeignet wären. Laut iranischen Medien hat das Schiff eine Reichweite von 22 000 Kilometern und soll rund um den Globus eingesetzt werden. In einem Konflikt mit einer westlichen Marine dürfte das Schiff keine größeren Überlebenschancen haben. In der asymmetrischen Kriegführung kann es jedoch den zivilen Schiffsverkehr im Persischen Golf und den umliegenden Seeregionen ziemlich sicher beeinträchtigen. Außerdem hat das Schiff einen großen Propagandawert für die eigene Bevölkerung. Laut offiziellen Aussagen ist derzeit mindestens ein weiteres Schiff gleicher Bauweise geplant.
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Dieser Beitrag erschien ursprünglich in Navy Ops Nr. 19.
Stefan Ulsamer ist freier Journalist mit dem Schwerpunkt Marinetechnik.











