Viele zivile Opfer, westliche Schifffahrt unterbunden, Iran nimmt Maut und die Amerikaner fahren auf...
Marineschifffahrtleitung der Deutschen Marine warnt Reedereien
Die Lage hat sich seit dem letzten Lagehinweis der Hamburger Dienststelle der Deutschen Marine vom 26.03.2026 nur geringfügig verändert. Weiterhin greifen Israel und die USA Ziele im Iran mittels Abstandswaffen an. Nach wie vor verteidigen sich die Anrainerstaaten durch Abwehrmaßnahmen selbst. Durch IRN werden die Staaten im Persischen Golf weiter mit ballistischen Raketen und Drohnen angegriffen. Die faktische Sperrung der Straße von Hormus (SoH) bleibt bestehen. Im Zeitraum vom 26. März bis heute gab es zwei Angriffe auf zivile Schiffe in diesem Seegebiet. Weiterhin besteht die Gefahr von Angriffen. Einzelne Schiffe scheinen nach Absprache mit dem Iran und Zahlung einer Gebühr über iranische Hoheitsgewässer, den Persischen Golf verlassen zu haben. Von einem solchen Vorgehen rät die Marineschifffahrtleitung in Hamburg den Reedereien dringend ab, da aufgrund von Beziehungen zu Israel und oder zu den USA, Schiffe mit deutschem Bezug vom Iran als feindlich eingestuft werden.
AIS und GPS wird vor allem um die Straße von Hormus stark gestört, dennoch haben die Störungen sich im Berichtszeitraum reduziert. Für die Einfahrt in den Hafen Mina al Fahal wird auf Grund dieser GPS-Störungen ein Dopplerlog vorgeschrieben.
Seit Kriegsbeginn wurden im Persischen Golf insgesamt 21 Handelsschiffe getroffen und haben teils schwere Schäden erlitten. Seit der letzten Lage der Marineschifffahrtleitung vom 26.03.2026 wurden zwei Schiffe angegriffen. Die erstmals am 04.März 2026 angegriffene SAFEEN PRESTIGE ist am 31.03.2026 rund 7 Seemeilen nördlich der Musandamhalbinsel gesunken. Weitere Schiffe siehe u.a. Liste
Schiffe mit deutschem Bezug
Es sind laut Marineschifffahrtleitung, die als Quelle die AIS-Daten und Reedereien angibt, etwa 151 Schiffe mit deutschem Bezug in dem Gebiet, davon sitzen 51 Schiffe im Persischen Golf fest. Weiterhin wird davon ausgegangen, dass der Iran noch ausreichend Raketen und Drohnen, vor allem für Angriffe im Persischen Golf besitzt. Die Gefahr für Schiffe bleibt bestehen. Die reguläre Marine des Iran ist weiter angeschlagen und kaum noch vorhanden. Die Revolutionsgarde scheint jedoch noch weiter Kleinkampfmittel, Drohnen und Flugkörper in der Fläche zu besitzen. Iranische Angriffe richten sich aktuell auch gegen die maritime Infrastruktur der Anrainerstaaten des Persischen Golfs bis zur omanischen Küste im Arabischen Meer. Bei den Angriffen besteht die Gefahr, dass zivile Schiffe vor Ort unbeabsichtigt beschädigt werden können – sowohl durch Angriffe aus dem Iran als auch durch Abwehrmaßnahmen der Anrainerstaaten (z.B. herabregnende Trümmerteile mit restlichen Explosivstoffen). Auch von diesen Gefahren muss auf Schiffsrouten und Ankerplätzen/Reeden ausgegangen werden.

Die HUTHI im JEMEN haben die Wiederaufnahme der Angriffe gegen die Schifffahrt angekündigt, aber noch nicht umgesetzt. Diese bestätigen dennoch, dass Angriffe im Roten Meer wieder aufgenommen werden können, sobald die Huthi diese als nötig ansehen. Es wurde ein durch den Iran kontrollierter Transitkorridor nahe Küste (nördlich der Insel Larak) aktiviert. Diese neue Route wird bereits „Island Gate“ genannt. Insgesamt sind weitere Transit aus und in den Persischen Golf zu beobachten, allerdings ausschließlich für Motorschiffe mit Verbindung zum Iran bzw. nach der Zahlung einer „Passage Fee“ von 2 Millionen Dollar. Gemäß Angaben des Iran wird die Straße von Hormus freigegeben, wenn künftige Ölgeschäfte ausschließlich in chinesischen Yen abgewickelt werden. Bahrain verhängt ein tägliches Verkehrsverbot für alle Schiffe von 18:00 Uhr – 04:00 Uhr. Zurzeit bestehen keine Möglichkeiten, Schiffe aus dem Gebiet zu eskortieren. Nach Angaben anderer Nationen arbeiten mehrere Länder an Optionen (Escort Operations), sobald die Lage sich stabilisiert hat.
Nicht versuchen!

Alle Schiffe und Besatzungen stehen in direkter Gefährdung. Schiffe mit ehemaligen oder bestehenden Verbindungen zu Israel oder den USA unterliegen zudem noch einer weit höheren Gefahr, durch iranische Kräfte angegriffen zu werden. Die Besatzungen und Schiffe können die Region nicht verlassen und sind festgesetzt. Der Versuch, zum jetzigen Zeitpunkt die Straße von Hormuz zu passieren, ist als hoch gefährlich anzusehen. Die Marineschifffahrtleitung empfiehlt dringend, es nicht zu versuchen. Auch die Gefahr der Angriffe durch Huthi im Roten Meer wird als hoch angesehen – eine Wiederaufnahme des Beschusses von Handelsschiffen ist deutlich gegeben. Das Gefährdungspotenzial für den Persischen Golf und Anschlussregionen ist weiterhin in der Gesamtbetrachtung als kritisch einzustufen.
"Westliche" Schiffe sind völlig verdrängt
Seit dem 15. März ist kein einziger großer Frachter mehr über das klassische Fahrwasser gelaufen. Alle 57 seit dem 13. März erfassten Durchfahrten verlaufen über den von den Revolutionsgarden kontrollierten Larak‑Umweg. Seit 1. März verzeichnet Lloyd’s 201 Transite von Frachtern mit mehr als 10.000 Tonnen, davon 138 ost‑ und 63 westwärts. Im einzelnen 46 Rohöl‑, 32 Produkt‑Tanker, 22 Gascarrier, 24 Containerschiffe, 67 Bulker. Nach Herkunft: unter Iran-Flagge oder -Besitz 25 Prozent, Griechenland 16 Prozent, China 10 Prozent. 71 Prozent aller Fahrten haben inzwischen einen Iran‑Bezug, also entweder Eigentum, Flagge, Sanktionen und die Schattenflotte stellte in der letzten Märzwoche 88 Prozent aller registrierten Transite.
Was hat die US - Navy im Einsatz?

Zwei Flugzeugträgerverbände und amphibische Verbände sichern Präsenz und begrenzte Optionen, eine Bodeninvasion gilt als unwahrscheinlich. Neben der im Arabischen Meer und/oder im Golf von Oman eingesetzten „USS Abraham Lincoln“ (CVN-72) wird mit der „USS George H. W. Bush“ (CVN‑77) ein weiterer Trägerverband in den Raum verlegt. Sie hat mit den Zerstörern „USS Ross“ (DDG-71), „USS Donald Cook“ (DDG-75) und „USS Mason“ (DDG-87) am 31. März Norfolk ostwärts verlassen. Die „USS Gerald R. Ford“ (CVN 78) ist nach einem Brand an Bord aus dem Einsatz abgezogen worden und befand sich im Mittelmeer vor Kroatiens Küste, die sie am 02. April verlassen hat, berichtet die USN auf ihrer offiziellen Seite. ferner kommen die amphibischen Tripoli‑ARG (31st MEU) und die Boxer‑ARG (11th MEU) als flexible Plattformen für begrenzte Landungs‑ und Sicherungsoperationen hinzu.
Folgen für die Welt - und die Ukraine
Der Druck wirkt vor allem auf Asien (rund 84 % der Ölströme), während Europa primär über Preise und Versicherungen betroffen ist; die USA sind physisch weniger abhängig. Washington erwägt einen Kriegsabschluss ohne militärische Wiederöffnung von Hormus – das hätte langfristige Folgen für die globale Seeordnung. Europa und die Ukraine sind indirekt betroffen: Konkurrenz um westliche Waffen, höhere Energiepreise; Russland profitiert zunächst von höheren Ölpreisen, trotz logistischer Einschränkungen. Militärisch konkurriert der Iran‑Krieg mit der Ukraine um dieselben Hochwertgüter – Patriot-, SM‑3‑Abfangflugkörper, moderne Luft‑ und Seezielmunition. Politico und andere berichten, dass das Pentagon prüft, für Kyjiw vorgesehene PURL‑Bestände und Luftverteidigungspakete in den Nahen Osten umzuleiten.
Tote und Verletzte - Liste der beschädigten Schiffe
- SKYLIGHT (IMO 9330020): Chemikalientanker (Palau). Treffer am 28.02. nördlich Khasab (OMN). 4 Besatzungsmitglieder verletzt; Evakuierung erfolgt, gesunken.
- MKD VYOM (IMO 9284386): Rohöltanker (Marshallinseln). Treffer am 01.03. im Golf von Oman. Das Schiff treibt und ist stark beeinträchtigt; 1 Todesfall bestätigt, Einheit evakuiert. Schwere Schäden am Schiffskörper oberhalb der Wasserlinie sowie Feuer im Maschinenraum.
- HERCULES STAR (IMO 9916135): Produktentanker (Gibraltar). Treffer am 01.03., 20 Seemeilen nordwestlich von Dubai. Feuer wurde gelöscht.
- STENA IMPERATIVE (IMO 9666077): Öl-/Chemikalientanker (USA). Treffer im Hafen von Muharraq (Bahrain). Feuer gelöscht; Besatzung evakuiert.
- GOLD OAK (9806342): Massengutfrachter (Panama). Seitlicher Treffer am 03.03. vor Anker in Fudschaira (Vereinigte Arabische Emirate).
- SAFEEN PRESTIGE (9593517): Containerschiff (Malta). Treffer am 04.03. Projektil ging durch das Schiff, Feuer ist ausgebrochen. Besatzung hat das Schiff verlassen, weiterer Angriff am 18.03, Feuer ausgebrochen, keine Besatzung an Bord (seit 04.03)
- SONANGOL NAMIBE (9325049): Rohöltanker (Bahamas). Treffer am 04.03. vor Anker in irakischen Gewässern, Wassereinbruch und auslaufen von Ballastwasser.
- MUSSAFAH 2 (9522051): Schlepper (Vereinigte Arabische Emirate). Treffer am 06.03. war auf dem Weg zur Bergung der SAFEEN PRESTIGE, dabei von zwei Flugkörper getroffen. 4 tote, 3 Verletzte
- ARABIA III (8771332): Bohrinsel (Liberia). Treffer am 07.03., Feuer unter Kontrolle, ein Verletzter, Besatzung auf das Minimum reduziert.
- MAYUREE NAREE (9323649): Massengutfrachter (Thailand): Treffer am 11.03., Feuer unter Kontrolle, 3 Vermisste
- STAR GWYNETH (9301031): Massengutfrachter (Marschallinseln): Treffer am 11.03, Löcher im Laderaum und Ballasttank, Schiff krängt
- ZEFYROS (9515917): Öl- und Chemikalientanker (Malta): Treffer am 11.03 Während STS mit SAFESA VISHNU, Feuer, ein Toter
- SAFESA VISHNU (9327009): Rohöltanker (Marschallinseln): Treffer am 11.03 Während STS mit ZEFYROS, Feuer
- SOURCE BLESSING (9243198): Containerschiff (Liberia): Treffer am 12.03, Feuer gelöscht (Deutscher Bezug)
- AL SALMI (9534793): Tanker (Kuwait): Treffer am 30.03.2026, Drohneneinschlag auf Steuerbordseite, Feuer
- AQUA 1 (9573660): Tanker (Panama): 2 Treffer am 31.03.2026, 1 Explosion, 1 nichtausgelöste Sprengladung im Maschinenraum, Bergung der Sprengladung erfolgt
Text/Quelle: MSchLtg / ESuT - Mergener / Schlüter

