Nach dem deutschen Aus für die Fregatte F126 geraten in Sachen Nachfolgebauten auch bei unseren Nachbarn die Dinge ins Wanken: Wegen unsicherer Zeitplanung und rasanter Kostenentwicklung durch anfängliche Fehlkalkulation der Schiffsgröße, möglicherweise auch wegen des sich in allen Domänen rapide verändernden Kriegsbilds, fragte Mitte Juli das belgische Verteidigungsministerium bei einigen europäischen Werften zu deren aktuellen Bauprogrammen nach.
Erstaunlicherweise erfolgte dieses Manöver trotz der mit den Niederlanden abgesprochenen Kooperation beim Bau von vier Nachfolgeeinheiten für die alternden Mehrzweckfregatten der Karel Doorman-Klasse (M-Klasse, 124 Meter, 3300 Tonnen) – je Staat zwei hochmoderne U-Jagd-Fregatten der 7000 Tonnen Größe. Brüsseler „Requests for Information“ zu einer alternativen Plattformlösung wurden gerichtet an Deutschland (TKMS, MEKO A200), Frankreich (Naval Group, FDI), Italien (Fincantieri, FREMM Evo), Spanien (Navantia, F110) und die Türkei (STM/TAIS, Milgem II) – alle meist deutlich kleiner als das belgisch-niederländische Konzept. Verständlich – bei einer Verdoppelung des Preises von 0,6 auf 1,2 Milliarden Euro pro Schiff und einem bisher aufgestauten Zeitverzug von mindestens drei Jahren für das Prestigeprojekt in den Händen von Damen und Thales Nederland. TKMS und Fincantieri sind mit Aufträgen ausgelastet; ein Kauf in der Türkei müsste nach EU-Recht geprüft werden; Frankreich und Spanien warten nur auf eine Order aus Brüssel. Auch wenn die Niederlande vier statt zwei Einheiten aus der nationalen Produktionslinie übernähmen und damit die Damen-Werft weiter über Wasser hielten – es kommt erhebliche Bewegung in die Rüstungsplanung der europäischen Marinen.



