Militärschlag gegen den Iran: Auslöser für eine neue Ölkrise?

USS „Gerald R. Ford“ im Jahr 2017– modernster U.S. Flugzeugträger der Ford-Klasse. Foto: U.S. Navy
USS „Gerald R. Ford“ – modernster U.S. Flugzeugträger der Ford-Klasse. Foto: U.S. Navy

Nun also doch: Ein massiver Militärschlag der US-amerikanischen und israelischen Streitkräfte. Offensichtlich geht man all in. Die Schläge richten sich nicht nur gegen das Atomprogramm, sondern auch gegen die Revolutionsführer. Nach der Bestätigung von Donald Trump haben die Staatsmedien vermeldet, dass Irans oberster Führer Ali Chamenei getötet wurde. Bisher scheint die Bevölkerung eher einverstanden zu sein, wenn man den spärlichen Videos aus dem Iran folgen kann. Erste Hinweise, dass die Schläge darüberhinaus erhebliche Wirkung zeigen, gibt es ebenfalls. Die iranische Regierung reagierte am Samstag schnell und heftig, wie sie es auch angedroht hatte, und zielte ihre Raketen auf Bahrein, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Saudi-Arabien und erwartungsgemäß Israel. Bisher wurden jedoch keine größeren Schäden gemeldet, die Abwehr scheint – wie im Jahr 2025 auch – zu funktionieren. Die amerikanischen Streitkräfte hatten ihre Basen in unmittelbarer Reichweite der iranischen Flugkörper vorsorglich teilweise geräumt. Nur so lässt sich erklären, warum in der beschossenen Basis in Bahrein keine substanziellen Schäden gemeldet wurden. Zumindest gab es dort noch keine Todesopfer. Von den „Proxis", wie der Hamas oder der Hisbollah, ist bislang keine Reaktion zu verzeichnen. Wie lange der Iran noch seine Flugkörper einsetzen kann, von denen man schätzt, dass es tausende sind, ist ungewiss. Diese Raketen werden meist von Startrampen in Form umgebauter LKW verschossen. Da aber jeder Abschuss per Satellit erfasst wird, machen sich diese „Launcher“ zu vorrangigen Zielen der Kampfbomber, was wiederum die Anzahl der Startanlagen rapide verringern dürfte. Wie man aus Expertenkreisen hört, sollen es mittlerweile nur noch wenige sein. Und dann nützen große Reserven auch nichts mehr.

 Beispielbild: 22-Jahre alter Supertanker „AbQaiq“ (333 Meter). Foto: US-Navy
Beispielbild: 22-Jahre alter Supertanker „AbQaiq“ (333 Meter). Foto: US-Navy

Wenn dem so ist, dann sollte auch die akute Gefahr für die Schifffahrt in der Straße von Hormuz durch den Iran spürbar abnehmen. Zunächst schien der latent durchweg bedrohte Schiffsverkehr in der Straße von Hormuz nicht betroffen zu sein. Mit der am 28. Februar morgens ausgesprochenen Drohung gegen den gesamten Schiffsverkehr änderte sich die Lage: Im Laufe des Tages zeigte marine traffic ein zunehmend sich leerendes Bild: Der Schiffsverkehr passierte entweder ganz im südlichen Teil der Meerenge oder begab sich in Warteposition. Am Abend des 28. Februar sah man nur noch wenige Schiffe in der Wasserstraße, der nördliche iranische Anteil war kaum befahren. Die Schiffe sammeln sich derzeit auf Wartepositionen vor Dubai und im Golf von Oman. Die Straße von Hormuz ist von zentraler wirtschaftlicher Bedeutung, da über sie in Stoßzeiten bis zu 40 % des weltweiten Ölverbrauchs transportiert werden. Alternativrouten existieren praktisch nicht. Die Meerenge ist an ihrer schmalsten Stelle nur 20–30 Seemeilen breit und verbindet die Ölhäfen zahlreicher Golfstaaten mit Märkten in Asien, Europa und den USA. Schon kleinere Störungen verlängern Transportzeiten und erhöhen die Kosten spürbar. Die Region ist seit Jahren wegen des iranischen Atomprogramms extrem unruhig: Immer wieder kam es zu Drohungen einer Sperrung, etwa 2006/07, 2011 und 2014, zuletzt 2025. Ob es für den Iran überhaupt sinnvoll ist, Schiffe anzugreifen oder die Straße zu sperren, ist fraglich, denn damit schaden die Mullahs vorrangig ihren eigenen Verbündeten und traditionellen Freunden – wie zum Beispiel China oder Indien.

Befürchtungen einer Eskalation stehen im Raum, Angst vor einem volatilen Ölmarkt macht die Runde. Nach kursorischer Sichtung der Marktdaten kann man eher mit niedrigeren Ölpreisen (ca. 58–60 USD/Barrel) für 2026 rechnen. Grund dafür ist ein zu erwartetendes Überangebot, nachdem Brent im Februar stark gefallen war (lt. Goldman Sachs und JPMorgan). Die Bedeutung des Iran für den globalen Ölmarkt ist erheblich geringer als früher. Größter Produzent sind die USA sind mit 18–19 Millionen Barrel Öl pro Tag, gefolgt von Saudi-Arabien und Russland mit je 10–11 Millionen Barrel pro Tag. Die fünf größten Förderländer decken über die Hälfte des Weltbedarfs. Insofern ist die Sperrung der Straße von Hormuz nach hiesiger Einschätzung kein Auslöser für eine „Ölkrise“, gleichwohl ein Eskalationsfaktor. Die Ölproduzenten am Golf und die davon abhängigen Abnehmer - siehe oben - haben ein immens großes Interesse an einer schnellen Beendigung der Sperrung. Vor dem Hintergrund der endenden Ressourcen Irans wird die Sperrung nicht von Dauer sein.

Text: hsc / ajs

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