
Nach der Unterzeichnung einer Vereinbarung zwischen der Islamischen Republik Iran und den Vereinigten Staaten hatte die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) am 23. Juni 2026 einen Evakuierungsplan für die rund 11.000 Seeleute angekündigt, die infolge der seit Ende Februar 2026 andauernden Einschränkungen des Schiffsverkehrs in der Region festsitzen.
Die groß angelegte Operation sollte in enger Zusammenarbeit mit Iran, Oman, den übrigen Anrainerstaaten, den Vereinigten Staaten sowie der internationalen Schifffahrtsbranche durchgeführt werden. Die rund 90 Seemeilen lange und an ihrer engsten Stelle etwa 21 Seemeilen breite Straße von Hormus zählt zu den bedeutendsten maritimen Engpässen der Welt. Rund ein Fünftel des weltweit auf dem Seeweg transportierten Rohöls sowie ein erheblicher Anteil des internationalen Flüssigerdgashandels (LNG) und Agrarprodukte passieren diese Wasserstraße.
Die Einschränkungen des Schiffsverkehrs beeinträchtigen den Welthandel erheblich und verhindern weiterhin, dass zahlreiche Handelsschiffe mit ihren Besatzungen die Region verlassen können. IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez bezeichnete die Vereinbarung zwischen Iran und den Vereinigten Staaten als wichtigen Schritt zur Wiederherstellung der Sicherheit der internationalen Seeschifffahrt. Zugleich erinnerte er an die 14 Seeleute, die während des Konflikts ums Leben kamen, und würdigte ihren Einsatz für den Welthandel.

Nach Angaben der IMO liegen die erforderlichen Sicherheitszusagen der beteiligten Staaten vor. Auch die vorgesehenen Transitrouten und die nautischen Rahmenbedingungen seien überprüft worden, sodass die Evakuierung schrittweise beginnen könne. Bereits am 25. Juni 2026 setzte die IMO die Evakuierungsoperation jedoch vorübergehend aus, nachdem ein Handelsschiff im Golf von Oman angegriffen worden war.
Nach Angaben der Organisation dient die Unterbrechung dazu, die zugesagten Sicherheitsgarantien erneut zu überprüfen, bevor die Evakuierung fortgesetzt werden kann. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten rund 2.900 Seeleute aus der Krisenregion in Sicherheit gebracht werden. Wie und wann die Evakuierung fortgesetzt werden kann, ist derzeit offen. Für die verbliebenen Besatzungen bedeutet dies eine weitere Verzögerung ihrer Rückführung sowie anhaltende Unsicherheit. Erneut zeigt sich, dass Seeleute die unmittelbaren Folgen geopolitischer Konflikte tragen, obwohl sie ausschließlich der Aufrechterhaltung des internationalen Warenverkehrs dienen.
