Foto: Offshore-Patrouillenschiff „Sentinel“ für die Marine der Republik Singapur bei Fassmer am Pier. HSC

Foto: Offshore-Patrouillenschiff „Sentinel“ für die Marine der Republik Singapur bei Fassmer am Pier. HSC

Taufe eines neuen Patrouillenschiffs auf der Fassmer-Werft

Die Fassmer-Werft hat erstmals ein Offshore-Patrouillenschiff für die Marine der Republik Singapur gebaut. Bei der Zeremonie auf der Werft in Berne erhielt der Neubau den Namen „Sentinel“. Zu den Gästen zählten Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und Singapurs Verteidigungsminister Chan Chun Sing.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und Singapurs Verteidigungsminister Chan Chun Sing. Foto: Fassmer
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und Singapurs Verteidigungsminister Chan Chun Sing. Foto: Fassmer

Harald Fassmer, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, begrüßte unter den zahlreichen Gästen auch Niedersachsens Ministerpräsidenten Olaf Lies und den neuen Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Tobias Abry. An seinem ersten Amtstag traf Abry damit auf den Befehlshaber der singapurischen Marine, Konteradmiral Sean Wat, einen langjährigen Freund und Kooperationspartner der Deutschen Marine.

Gestern wurde das Offshore Patrol Vessel (OPV) "Sentinel" der Marine der Republik Singapur (RSN) in der Fassmer-Werft in Bern offiziell getauft. Die "Sentinel" ist das erste von insgesamt vier neuen Offshore-Patrouillenschiffen, die Fassmer für Singapur baut. „Das Projekt bietet Arbeit für hochqualifizierte Ingenieure, Schiffbauer und viele andere Fachkräfte. Es bewahrt die Expertise, die wir in Deutschland brauchen. Und es zeigt, wozu unsere maritime Industrie fähig ist: Qualität, Zuverlässigkeit und Innovation. Es sendet auch eine breitere Botschaft: Die Sicherheitskooperation mit vertrauenswürdigen Partnern stärkt nicht nur unsere Sicherheit, sondern auch unsere industrielle Basis“, sagte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius. Singapur sei ein verlässlicher und enger Partner, betonte der Minister. Zugleich verwies er auf die großen sicherheitspolitischen Herausforderungen, denen der Stadtstaat unter anderem in der Straße von Malakka ausgesetzt sei.

Vizeadmiral Tobias Abry mit Harald und Fassmer Foto: Schlüter
Vizeadmiral Tobias Abry mit Harald und Holger Fassmer Foto: Schlüter

„Die Entwicklung und der Bau des ersten Schiffes einer neuen Klasse sind immer eine besondere Herausforderung. Die Sentinel steht für die umfangreiche Entwicklungs- und Konstruktionsarbeit unserer Teams sowie für die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Marine der Republik Singapur und der DSTA. Wir sind sehr stolz darauf, dass sie heute diesen wichtigen Meilenstein erreicht hat“, sagte Harald Fassmer in seiner Ansprache. Er stellte zudem heraus, dass die kosteneffektive Vorgehensweise wie zum Beispiel „Commercial off the shelf“ eine ebenso bedeutende Rolle gespielt habe wie Cyber Security. Man wolle eine langfristige Partnerschaft. Er wünschte der „Sentinel“ und ihrer Crew allzeit gute Fahrt. Der strömende Regen machte die Taufe für die Gäste und die Taufpatin zu einer Herausforderung. Nachdem die Flasche am Rumpf zerschellt und die offiziellen Fotos aufgenommen worden waren, erklangen die Nationalhymnen beider Staaten.

Mit der Taufe erreicht das Neubauprojekt für die singapurische Marine einen wichtigen Meilenstein. Das Schiff wurde für anspruchsvolle maritime Sicherheitsoperationen entwickelt.

Die "Sentinel" ist das erste von vier modernen Offshore-Patrouillenfahrzeugen (OPVs), die auf Singapurs veränderte maritime Sicherheitsanforderungen zugeschnitten sind. Die neuen Schiffe sollen ein breiteres Spektrum zunehmend komplexer Einsätze abdecken und damit die maritimen Sicherheitsfähigkeiten des Stadtstaates deutlich erweitern.

Übergabe des Modells an Verteidigungsminister Chan Chun Sing durch Harald Fassmer Foto: Schlüter
Übergabe des Modells an Verteidigungsminister Chan Chun Sing durch Harald Fassmer Foto: Schlüter

Fassmer entwickelte die Schiffe auf Grundlage seiner bewährten OPV-80-Plattform und passte sie an die besonderen Einsatzanforderungen Singapurs an. Die "Sentinel" ist fast zehn Meter länger als die Potsdam - Klasse der Bundespolizei. Damit verbinden die Neubauten eine erprobte Konstruktion mit erweiterten operativen Fähigkeiten. Ihre skalierbare Ausstattung ermöglicht es, auf unterschiedliche maritime Vorfälle wirksam und verhältnismäßig zu reagieren. Im Vergleich zu den Maritime Security and Response Vessels (MSRVs) der bisherigen Sentinel-Klasse bieten die neuen OPVs mehr Flexibilität und Ausdauer. Dadurch stärken sie Singapurs Fähigkeit, seine Hoheitsgewässer und maritimen Interessen zu schützen. Der rund 95 Meter lange Neubau liegt zur abschließenden Ausrüstung an der Pier. Die weiteren drei Bauten werden am neuen Standort Stralsund gefertigt werden. In Singapur sollen die Neubauten ältere Einheiten der Sentinel-Klasse ersetzen, die eher Schnellboot-ähnlichen MSRVs sind zu klein und veraltet. Gegenüber diesen bietet das neue OPV deutlich mehr Flexibilität, höhere Geschwindigkeit und rund 1.000 Seemeilen mehr Ausdauer. Ein 76-mm-STRALES-Geschütz dient der Abwehr asymmetrischer und unbemannter Bedrohungen. Heckrampe und Flugdeck ermöglichen den Einsatz von Booten, Hubschraubern und UAVs; Missionscontainer unterstützen Aufgaben wie Minenabwehr, Katastrophenhilfe oder Spezialkräfteeinsätze.

Unterschrift auf der Taufurkunde durch die Patin Foto: Schlüter
Unterschrift auf der Taufurkunde durch die Patin Foto: Schlüter

Damit hat sich die Fassmer - Werft im internationalen Behördenschiffbau erneut fest etabliert. Man könnte es als deutlichen Schritt zum Kriegsschiffbau interpretieren, auch wenn es vom OPV zur Korvette kein kleiner Schritt ist. Was der neue Inspekteur Vizeadmiral Abry beim anschliessenden VIP - Rundgang für einen Eindruck hatte, ist nicht bekannt. Das Deutschlands Behörden für den Schutz maritimer Infrastruktur - man denke an die gewaltigen Konverterplattformen - nicht nur Drohnen, sondern auch derartige Einheiten benötigt, ist angesichts der Entwicklung in diesem Bereich offenkundig.

Text: PM Fassmer/hsc

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