Korvette Hetman Iwan Mazepa, Foto: RMK Marine

Korvette Hetman Iwan Mazepa, Foto: RMK Marine

Ukraine: Neue Korvette kommt voran

Wie der Befehlshaber der ukrainischen Marine mitteilte, hat die Korvette Hetman Iwan Mazepa eine weitere Runde ihrer technischen Nachweise erfolgreich absolviert.

Der ukrainische Neubau basiert auf der türkischen ADA-Klasse, einer national entwickelten U-Jagd- und Patrouillen-Korvette (100 Meter, 2.000 Tonnen) mit überwiegend nationalen technischen Komponenten. Die Mazepa, das erste von zwei bestellten Schiffen – mit der Option auf eine Erweiterung auf vier Einheiten –, wurde ab September 2021 auf der RMK-Werft in Istanbul gebaut. Mitte August 2022 taufte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj das Schiff, Anfang Oktober 2022 wurde es von seiner Ehefrau zu Wasser gelassen. Seit März 2024 erfolgt die Ausbildung der Besatzung an Bord durch die türkische Marine und die Bauwerft.

Die Bewaffnung umfasst eine Leonardo 76-mm-Super-Rapid-Kanone sowie das 35-mm-Gökdeniz CIWS zur Nahbereichsverteidigung. Zudem sind acht Seezielflugkörper-Startvorrichtungen vorgesehen, wobei die endgültige Auswahl noch aussteht. In Betracht kommen die Harpoon (USA), Atmaca (Türkei), Naval Strike Missile (Norwegen)oder die ukrainische R-360 Neptun ASM.

Die Flugabwehr wird über einen Vertikalstarter für VL MICA-Flugkörper von MBDA sichergestellt. Ergänzend dazu sind das Thales Smart-S Mk2 3D-Multifunktionsradar, das türkische ARES-2 ESM-System sowie das Thales STIR 1.2 EO Mk2 als Feuerleitsystem integriert.

Alles ist möglich – solange es innerhalb des Schwarzen Meeres verbaut wird.

Nachtrag vom 28. Februar 2025:

Ein aufmerksamer Leser fragte nach, welche Bewandtnis es denn habe, dass dieses neue Schiff nun die Hull Number "F 211" der alten deutschen Fregatte Köln (Bremen-Klasse, Typ F122) trage. Dazu folgende Antwort:

Kennungen oder Rumpfnummern von Kriegsschiffen – aus dem Englischen auch als „Hull Number“ bezeichnet – unterliegen keiner einheitlichen Regel.

Das NATO-System bestehend aus einzelnem Buchstaben (nach Art und Aufgabe des Schiffes) und einer meist mehrstelligen Zahl (oft in aufsteigender Reihe innerhalb einer nationalen Schiffsklasse) ist ähnlich sortiert wie das US-System. Dort gilt seit 1907 eine Buchstabenkombination (type indicator) gefolgt von einer Ordnungsnummer in fortlaufender Folge, wie z. B. DDG 106 für die „USS Stockdale“ als 106. Schiff der DDGs (allerdings erst das 55. Exemplar der Arleigh Burke-Klasse und ihrer diversen Baulose). Auf dem Bug und/oder Heck wird aber meist nur die Zahl angezeigt.

Andere Marinen kennen unterschiedliche Systeme, die häufig nur aus Zahlen bestehen. Eine weitere Weise wäre die Bezeichnung nach Geschwadern und deren Einheiten, z. B. „14“ als 4. Schiff des ersten Verbandes. Gelegentlich werden daher Kennungen geändert, auch aus Gründen der Taktik oder der Täuschung.

Zwar wird das NATO-System auch in vielen westlich orientierten Marinen benutzt, aber die Ukraine wird sich noch nicht daran gebunden fühlen dürfen – also ist sie frei in der Wahl der Bezeichnungs-Systematik. Bisher hatte die Ukraine allerdings ihre Schiffe mit dem Buchstaben „U“ und einer dreistelligen Zahl gekennzeichnet – die 200er Reihe meist für U-Jäger und kleine Raketenboote. Bekannt waren Einheiten bis „U 209 Ternopil“, ein in Kiew ab 2000 gefertigter Nachbau des U-Jägers der Grisha-Klasse aus sowjetischer Zeit. Warum die „Hetman Mazepa“ jetzt mit „F“ am Rumpf – vielleicht in Anlehnung an westliche Systematiken.

Im zivilen Bereich werden zur Identifikation und administrativer Eindeutigkeit individuelle Schiffskennungen vergeben (wie z. B. IMO gefolgt von einer 7-stelligen Zahl), die ähnlich einer Fahrgestellnummer festgeschrieben sind und kein zweites Mal belegt werden (International Maritime Organization).

26. Feb. 2025 | 2 Kommentare

2 Kommentare

  1. „Alles ist möglich – solange es innerhalb des Schwarzen Meeres gebaut wird.“
    Das Schiff wird jedoch nicht im Schwarzen Meer, sondern in Istanbul gebaut. Nach dem Vertrag von Montreux ist die Passage der Meerenge für Kriegsschiffe kriegführender Mächte nach Artikel 19 untersagt, es sei denn, sie kehren zu ihrem Heimathafen zurück.
    Daher darf die Hetman Iwan Mazepa nicht ins Schwarze Meer, bis der Krieg beendet ist.

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  2. Und wo soll die denn eingesetzt werden? Über kurz oder lang ist die UA ein Binnenland!

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